Wuchermieten am Grindel

Anzeige
Wo einst der Buchladen 2001 besondere Texte verkaufte, zieht jetzt die Filiale einer Bäckereikette ein. Immer mehr kleine Läden werden durch hohe Mieten verdrängtFotos: Hanke

Antiquar sollte 97 Prozent mehr Geld für Laden zahlen

Von Christian Hanke
Grindel. Alarm im Grindelviertel: In dem citynahen Altbauquartier steigen die Mieten. In den großen Einkaufsstraßen Grindelallee und Grindelhof schrauben neue Hausbesitzer die Zahlungen für Gewerbe in die Höhe. Da kann einem Ladeninhaber schnell eine Forderung nach doppelt so hohem Entgelt auf den Tisch flattern. Wie Frank Mundt, dem Inhaber des Antiquariats „Texte + Töne“. 97 Prozent mehr Miete sollte der Eigentümer des 1996 eröffneten Ladens plötzlich zahlen: 5000 Euro! Mundt weigerte sich, worauf ihm zum Ende des Jahres gekündigt wurde. Das Haus war von dem jungen Immobilienbesitzer Sven Basner erworben worden, der für seine Mieter nicht erreichbar ist. „Er firmiert nur mit einem Postfach“, erzählt Frank Mundt. Direkter Kontakt ausgeschlossen.

Vermieter ohne Bezug zum Viertel

So ist es immer häufiger. Immobilienbesitzer kaufen Häuser in der guten Grindellage, oft von Erbengemeinschaften, nehmen die Mieten, die sie bekommen können, haben keinen Bezug zum Viertel. In der Grindelallee und auch im Grindelhof stehen bereits einige Läden leer. „Es sind die exorbitant hohen Mieten, die die Gewerbemieter nicht mehr zahlen können“, weiß Jimmy Blum, Inhaber eines Second-Hand-Ladens in der Hartungstraße und erster Vorsitzender des Vereins Grindel e.V., in dem sich Gewerbetreibende des Grindel-Viertels zusammengeschlossen haben. Der Verein setzt sich seit Jahren für den Erhalt von den Mietern geführten Läden ein. „Wir wollen, dass alle sich im Viertel wohl fühlen. Die kleinen Einzelhandelsgeschäfte machen den Charme am Grindelhof aus. Ketten und Filialen wären hier fehl am Platz“, erläutert Jimmy Blum, ganz im Sinne seiner Vereinskollegen. Wenn die derzeitige Entwicklung sich fortsetzt, bleiben bald nur noch Filialisten, die sich die hohen Mieten leisten können. An der Ecke Grindelallee/Rentzelstraße, wo jahrzehntelang der Buchladen 2001 für eine ganz besondere Vielfalt an Gedrucktem sorgte, zieht bald die Filiale einer bekannten Bäckereikette ein.

Ist die Vielfalt noch
zu retten?

Was ist zu tun, um die Vielfalt am Grindel zu retten? Hohe Steuern auf Grunderwerb oder Maßnahmen, um Hausbesitzer zu zwingen, ihr Hab und Gut nicht verkommen zu lassen, schlägt Frank Mundt vor, um Spekulation zu verhindern, die meistens mit der Verwahrlosung von Häusern beginnt, damit Investoren sie billig erwerben und dann teuer herausputzen können.
Die CDU-Fraktion in der Bezirksversammlung Eimsbüttel hat die Sorgen aus dem Viertel bereits aufgenommen, und um Bericht von Grindel e.V. in einer der nächsten Sitzungen des Kerngebietsausschusses Eimsbüttel gebeten.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige