Zahnarzt behandelt Bären und Raubkatzen

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Dr. Loose und sein Team behandeln die Zähne eines geretteten Bären Repro: ch
 
Tiefschlaf: Ein Bär wartet in Narkose auf seine Behandlung Repro: ch

Marc Sven Loose aus Rotherbaum hilft ehrenamtlich kranken Tieren

Von Christian Hanke
Rotherbaum
Dr. Marc Sven Loose ist ein ganz normaler Zahnarzt mit einer schönen Praxis am Mittelweg. Einige Patienten von Dr. Loose behandeln andere Zahnärzte allerdings gewöhnlich nicht. Sie sind sehr groß und gelten für Menschen als gefährlich: Bären und Großkatzen wie Löwen oder Tiger. Um die kümmert sich Dr. Loose sogar ehrenamtlich. „Ich muss sie nicht behandeln, ich darf sie behandeln“, sagt Marc Sven Loose. Als er einem Bären zum ersten Mal zwischen die Zähne griff, war er noch mit einem „Umwohlsein behaftet.“ Das war vor zehn Jahren. Seine Frau Sabine hatte ihn gefragt, ob er ehemalige Tanzbären zahnärztlich behandeln wolle. Sie arbeitet für die Stiftung für Tierschutz „Vier Pfoten“, die sich um diese Bären vor allem in Osteuropa kümmert. „Das ist wohl ein Scherz“, dachte Loose im ersten Moment. Doch dann reiste er nach Bulgarien, um geschundenen Tanzbären zu helfen, die Vier Pfoten ihren Eigentümern abgekauft und dort in einem Tierpark untergebracht hatte. Es folgten weitere Behandlungen im Kosovo, in der Ukraine und in Polen sowie im Bärenwald Müritz, in Einrichtungen von Vier Pfoten. 25 bis 30 Bären behandelt Marc Sevn Loose mittlerwiele im Jahr. An fünf bis sechs verlängerten Wochenden jährlich. „Dafür nehme ich Urlaub. Die Praxis ist dann geschlossen“, erzählt der Zahnarzt. Jetzt ist die Behandlung von Tieren sein Hobby geworden. Er möchte es nicht mehr missen. „Es ist richtig großartig, einem Tier so nah zu sein“, schwärmt Loose. Auch Löwen und Tiger hat er schon behandelt, ebenfalls im Rahmen von Projekten von Vier Pfoten. Die Bären sind ihm aber lieber. „Tiger und Löwen drehen durch, wenn sie Schmerzen haben. Sie sind nicht so leicht zu betäuben. Bären ziehen sich bei Schmerzen zurück und fressen nichts mehr“, erzählt der Zahnarzt mit dem Faible für Tiere. Im Bärenwald Müritz hat er auch einen Lieblingsbär. Das ist Balou, stolze 2.20 Meter groß, wenn er sich aufrichtet. Die Behandlung der Tiere unterscheidet sich nicht wesentlich von der der Menschen, obwohl die Zähne der Bären größer sind und das Gebiss der Tiere eine etwas andere Struktur hat. „Das Material ist etwas anders aufgebaut. Die Knochen sind massiver, das Zahnfleisch ist widerstandsfähiger“, erzählt Marc Sven Loose. Im Raubtiergebiss finden sich mehr Zähne als beim Menschen, jeweils acht mehr oben und unten. Bären, Löwen und Co haben zusätzlich zu den normalen Zähnen lange Fangzähne zum Jagen. Im Zoologischen Institut hat sich der Zahnarzt vor zehn Jahren auf seine neuen Patienten vorbereitet. Seine Geräte musste Loose der Größe der Tiere anpassen. „Man benötigt nicht mehr Muskelkraft als bei der Behandlung von Menschen. Es ist nur eine andere Technik“, berichtet der Tier-Zahnarzt. Tiere leiden ebenso wie Menschen unter Zahnweh. Insbesondere die ehemaligen Tanzbären in Osteuropa, Looses Hauptpatienten, leiden viel. „Sie wurden als Babys ihren Müttern geraubt, mit Alkohol und Zuckerwasser gefügig gemacht, hatten oft Ringe durch die Levzen und wurden in kleinen Käfigen untergebracht“, berichtet Dr. Loose, „das ist ganz schlecht für die Zähne. Ideal für Karies.“ Dank dem Zahnarzt vom Mittelweg konnte der Verfall ihres Gebisses gestoppt werden. Er ist nicht der einzige Wildtierzahnarzt, aber kaum einer macht´s unbezahlt mit so viel Freude wie Tierfreund Dr. Loose.
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