Zentrum für Autismus

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Mithilfe von „Mister Mood“ lernen Autisten Gesichter zu lesen, erklären Institutsleiterin Barbara Rittmann (rechts) und Claudia Peters. Foto: Gemeinholzer

Vor 40 Jahren gründeten Eltern die Therapie-Einrichtung

Von Anne Gemeinholzer

Alsterdorf. Im Puppenbett liegt nicht etwa ein Püppchen, sondern eine Glühbirne: Es ist eine eigene Welt, in der autistische Kinder leben, beherrscht von Gegenständen. Menschen, ihre Gesichter, Mimik und Gestik bleiben ihnen fremd. Bei Kindern und Jugendlichen wird Autismus immer häufiger festgestellt. Eine Modediagnose sei das aber nicht, sagt Barbara Rittmann, Leiterin des Hamburger Autismus Instituts. Knapp 300 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind dort zurzeit in Behandlung. „In Hamburg sind schätzungsweise 800 bis 1000 Kinder im schulpflichtigen Alter autistisch“, sagt die Psychologin. Dass die Zahlen in jüngster Zeit stark anstiegen, liege nicht nur an verbesserter Diagnostik. „Kinder mit Asperger-Syndrom wurden früher als schwer erziehbar angesehen. Den Eltern wurde die Schuld gegeben.“ Heute machen „die Schlauen unter den Autisten“ auch im Autismus-Zentrum an der Bebelallee einen Großteil der Patienten aus.Während „Asperger“ über altersgemäße Sprache und normale bis überdurchschnittliche Intelligenz verfügen, geht der frühkindliche Autismus mit geistiger Behinderung einher. „Autistische Kinder verbindet, dass sie Gesichter und Gesten nicht lesen können“, sagt Barbara Rittmann. Soziale Situationen überfordern Autisten.
„Mein Sohn ist 14. Er hat keine Freunde, er geht nicht mal alleine raus“, schildert eine Mutter. Schon früh habe sie geahnt, dass ihr Sohn Autist sei, sagt Claudia Peters aus Plön. Doch als Kleinkind hätten Ärzte seine Probleme als Entwicklungsverzögerung abgetan. Seit drei Jahren weiß sie: Da ist nichts aufzuholen, Jan Thore bleibt ein besonderer Mensch: „Der Prominente im Schlafsack“, nennt ihn die Mutter. Seinen Rückzugsraum braucht er immer, wenn etwas anders ist als gewohnt. „Man gerät mit so einem Kind ins soziale Abseits“, sagt Claudia Peters. Im Autismus-Zentrum fühlt sie sich verstanden, Jan Thores Zusammenbrüche sind akzeptiert.
Vor 40 Jahren gründete ein Elternverein das Therapiezentrum für Autismus, das einzige in Hamburg und das älteste im Bundesgebiet. Die Reederfamilie Blohm gehörte 1972 zu den Gründungsmitgliedern des Vereins zur Förderung autistischer Kinder e.V. Die 15 Therapeuten am Institut versuchen über Beziehungsarbeit, Bewegung und Kunst, das Interesse der autistischen Kinder an anderen Menschen zu wecken. Für den Motorikraum soll bald eine Spezialschaukel angeschafft werden, die Interaktion fördert. Dafür gab die Haspa Langenhorn eine Spende von 5000 Euro.
Ein Problem sei, dass Kinderärzte häufig den Autismus nicht erkennen. In deren Fortbildung engagiert sich das Institut deshalb ebenso wie in der Beratung von Schulen und Kindertagesstätten.
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