Zoff am Heidberg

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Juli 2011: Mieter und Anwohner vom Heidberg protestieren gegen das Bauprojekt. Kann der – bislang vernachlässigte – Dialog etwas ausrichten? Foto: Haas
 
Einsturzgefahr im „Loch vom Heidberg“: Das beauftragte Subunternehmen missachtete die Sicherheitsvorschriften. Foto: Haas

Baustopp wegen Einsturzgefahr

Von Waltraut Haas
Das Sommerloch vom Heidberg: Protest gegen Bauprojekt im Innenhof hält an.

Winterhude. Gerade kam der Sommer, als das Loch entstand: Es misst inzwischen 3 mal 3 Meter, ist 3,5 Meter tief. Am vergangenen Montag verständigten Anwohner Polizei und Bauaufsicht vom Amt für Bauordnung und Hochbau. Die stoppte erst mal jede weitere Aktion am Loch – wegen Einsturzgefahr. Zwei Arbeiter eines Subunternehmers sollten die Tiefe der Mauer zum Nachbargrundstück per Handarbeit ausloten, hatten die Grube wohl in Unkenntnis der strengen Bauvorschriften ausgehoben.
„Tatort“: Der Innenhof des Grundstücks am Heidberg 21-23a, der bislang den Mietern als grüne Oase gedient hatte: Sitzbänke, Sandkasten, Wäscheleine, Rasenfläche.
Daneben ein Carport für Autos, Fahrräder und die Mülltonnen. Alles soll jetzt weg. Die Bäume wurden schon im Frühjahr gefällt. Seit dem letzten Sommer wird hier – wie mehrfach berichtet – der Aufstand geprobt: nachdem eher zufällig bekannt wurde, dass der Eigentümer des Wohngebäudes diesen Innenhof bebauen will. Inzwischen zweifeln rund 150 Anwohner an der Rechtmäßigkeit der im September 2011 erteilten Baugenehmigung für ein mehrgeschossiges Wohnhaus. „Bezahlbare“ Mietwohnungen mit einer Tiefgarage sollten hier entstehen. Wie berichtet, hatte der Eigentümer schon zu Jahresende die Segel gestrichen, den Innenhof mit bestehender Baugenehmigung veräußert. Unter dem Namen „Goldbek-Heidberg“ listet die Firma Liscard seitdem 14 attraktive Eigentumswohnungen, vier sind bereits verkauft. Auch der Eigentümerwechsel wurde eher zufällig bekannt und bis zum Eintrag ins Grundbuchamt angezweifelt.

Befürchtungen der Anwohner

Doch vor allem beim demnächst geplanten Baubeginn liegen die Nerven der Heidberg-Anwohner blank. Von unschönen Wortwechseln im Vorfeld einmal abgesehen, wälzen sie weiter Paragrafen im Baurecht, im StGB sowie im Privatrecht. Sie halten Polizei und Behörden auf Trab.
Weiter beschäftigen sie Rechtsanwälte und behördliche Eingabeausschüsse – auch in der Ferienzeit. Nachbarn um die Ecke teilen die Empörung der Mieter: Sie befürchten mit dem Bauprojekt einen Wertverlust ihrer Eigentumswohnungen, zudem rechnen sie mit Statikproblemen ihrer Tiefgarage durch den Aushub der Baugrube. Die weiteren Befürchtungen: Dass die Bauarbeiten die Douglasien-Baumreihe direkt an der Grundstücksgrenze massiv gefährde. Dass gefährliche Blindgänger aus dem zweiten Weltkrieg im Untergrund schlummern könnten, denn auch der Heidberg war im Juli 1943 Ziel massiver Bombardements. Auch chemische Altlasten seien nicht auszuschließen: Bis zum Bau der Wohnhäuser 1958 war auf dem Grundstück Heidberg 25 eine chemische Reinigung ansässig; der Standort ist von der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt als Verdachtsfläche für Altlasten gelistet.
Die Anwohner fordern nachdrücklich die Vorlage einer Reihe von Gutachten: zu Standsicherheit, Boden, Baumwurzeln sowie Kampfmittel-Sondierung. Merkwürdig: Dass diese Gutachten dem Bauherren bereits vorliegen, ist nicht bekannt.

Sorgen beim Bauherrn und Bezirksamt

Sorgen beim
Bauherrn und
Bezirksamt
Dr. Michael Bigdon, Baudezernent im Bezirksamt Nord stöhnt: angesichts wachsender Aktenberge zum Bauprojekt am Heidberg. „Selbstverständlich nehmen wir sämtliche Beschwerden ernst und überprüfen sie eingehend.“ erklärt er geduldig. Aus baurechtlicher Sicht sei das Verfahren zulässig, an der erteilten Baugenehmigung gäbe es nichts zu rütteln, sie entspräche dem Baustufenplan Winterhude.
In aktuelle privatrechtliche Auseinandersetzungen könne der Bezirk allerdings nicht eingreifen.
Grundsätzlich werde den Bauherren schon vor Erteilung der Baugenehmigung empfohlen, die Anwohner eingehend zu informieren und größtmögliche Transparenz herzustellen. „Für alle Beteiligten ist es besser, miteinander zu reden!“ so Dr. Bigdon.
Unterdessen seufzt auch Dr. Axel Beyer von Liscard Immobilien darüber, dass sich sein Unternehmen mit dem Grundstücksankauf zugleich solch massive Widerstände eingehandelt hat. „Solch ein Fall ist uns bis jetzt noch nie untergekommen.“ Ob bislang versäumte Gespräche angesichts verhärteter Fronten noch etwas ausrichten können? „Wir sind jedenfalls an einem harmonischen Miteinander interessiert und denken ernsthaft nach über eine Mediation.“ teilt Liscard-Mitarbeiter Kay Gust mit. Tatsächlich: Der Informationsbedarf unter den Beteilgten ist groß, zu besprechen gäbe es eine Menge.
Zur Weiterarbeit an der Grube wurde fürs erste jedenfalls ein anderes Subunternehmen beauftragt. (wh)
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