Zu tief in Eppendorf gebohrt?

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Edith Aufdembrinke vom Augias-Team glaubt, dass auf der Baustelle durch die Grundwassersohle gebohrt wurde Foto: ch

Auf „Tre Castagne“-Grundstück wurden die Bauarbeiten gestoppt. Statik-Gutachten für Nachbarhäuser fehlen

Von Christian Hanke
Eppendorf
Baustopp auf dem ehemaligen „Tre Castagne“-Grundstück. Anwohner erheben Vorwürfe gegen die Bauherren: Es wurde zu tief gebohrt und ohne Genehmigung die Grundwassersohle durchbrochen. Zudem waren Spundwände verbotenerweise errichtet worden. Auf dem derzeit unbebauten Grundstück an der Ecke Eppendorfer Landstraße/ Martinistraße, auf dem unter anderen das Restaurant Tre Castagne stand, wurden die Arbeiten gestoppt. „Es wurden Bauarbeiten durchgeführt, die über bauvorbereitende Maßnahmen hinausgingen und für die keine Genehmigung vorlag,“ so der Senat nach einer Anfrage der Linken. Weder für die Bohrungen noch für die Spundwände gibt es Genehmigungen, heißt es in dem Papier. Zwar wurde den Bauherren ZBI AG und Roberto Sciorelli eine Baugenehmigung erteilt. Es wurden aber noch nicht alle wasserrechtlichen Auflagen erfüllt. Das Bezirksamt Hamburg-Nord hält die bisher vorgenommenen Arbeiten allerdings für unbedenklich. „Statisch relevante Arbeiten wurden bisher nicht ausgeführt. Bis zur Grundwassersohle darf der Bauherr ausschachten“, so das Bezirksamt.

Sorge um Statik der Nachbarhäuser


Klaus-Peter S., Eigentümer eines benachbarten Mietshauses ist empört und beunruhigt. „Bis heute gibt es kein Gutachten darüber, ob die Statik meines Hauses einem veränderten, sprich erhöhtem Grundwasserdruck überhaupt auf Dauer standhalten wird. Genau so eine Überprüfung muss vor Erteilung einer Wasserrechtlichen Genehmigung aber erfolgen“, kritisiert er. „Wer garantiert mir, dass ich nicht allein auf einem Schaden sitzen bleibe? Ohne Genehmigung für die Bauarbeiten wird noch nicht einmal eine Versicherung zahlen.“ Klaus-Peter S. wurde vor eineinhalb Jahren angesichts des Bauvorhabens „Eppendorfer Höfe“ gegenüber in der Eppendorfer Landstraße stutzig. Dort waren Unmengen von Wasser in die Alster gepumpt worden. An den Nachbarhäusern zeigten sich Risse, auch am Gebäude von Klaus-Peter S. Nun hat er erneut Schäden an seinem Eigentum bemerkt. Eine Mieterin seines Hauses ist beunruhigt. In ihrer vor drei Monaten renovierten Wohnung tun sich Spalten auf. „Das Haus zerlegt sich selbst“, schrieb sie dem Eigentümer, der das Haus von seinem Vater geerbt hat. Sein Großvater erwarb es 1910. „Viele Mieter wohnen in dem Haus schon sehr lange. Für die ist das Heimat“, erzählt Klaus-Peter S.

Illegale Baustelle?


Die Vorgänge auf der Baustelle bestärken Edith Aufdembrinke und ihre Mitstreiter vom Augias-Team, einer Initiative, die sich seit dem Bau der Eppendorfer Höfe mit der Grundwassersituation in Eppendorf beschäftigt, in ihrer Ansicht, dass Eingriffe von neuen Bauvorhaben ins Grundwasser Schäden an Nachbargebäuden bewirken (Wochenblatt berichtete). „Die Baugenehmigung hätte ohne die wasserrechtliche Genehmigung nie erteilt werden dürfen“, findet Edith Aufdembrinke und kommt zu dem Schluss: „Das ist eine illegale Baustelle.“ (ch)

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