Zu wenig Platz für Asylbewerber

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Dieses Bürohaus an der Ecke Sportallee / Heselstücken wurde von der Innenbehörde jetzt als Erweiterung der Asylbewerberunterkunft Sportallee angemietet.
 
Wolf Wieters, der Vorsitzende des Kommunalvereins in Groß Borstel, lehnt eine Erweiterung der Einrichtung für Asylbewerber in Groß Borstel ab. Fotos: Hanke/hfr(1)

Unterbringung in Zelten - Behörde will leerstehendes Bürogebäude anmieten

Von Dr. Christian Hanke

Groß Borstel. Alarm in der Sportallee! Die dortige Unterkunft für Asylbewerber in der Erstversorung (bis zu drei Monate) platzt aus allen Nähten. 255 Menschen sind derzeit in dem Gebäude untergebracht, das derzeit für bis zu 300 Menschen ausgebaut wird, weil die Anzahl der Asylbewerber gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist. 1572 Menschen haben in diesem Jahr bis Ende September in Hamburg um Asyl gebeten, allein im September 305. 2011 waren es im selben Zeitraum nur 1162, davon im September 152. „Wir sind dennoch weit entfernt von den Verhältnisen in den 1990er Jahren“, relativiert Frank Reschreiter, der Sprecher der Innenbehörde. Trotzdem ist der Zulauf so groß, dass auf dem Gelände der Unterkunft Sportallee vier sechs mal zehn Meter große Zelte aufgebaut wurden, um die Asylbewerber unterzubringen. In drei Zelten wird geschlafen. Das vierte ist als Aufenthaltsort vorgesehen. „Alle Zelte waren ursprünglich als Aufenthaltsräume gedacht. Nun wurden sie mit Holzfußböden und Doppelstockbetten ausgestattet und beheizt“, erzählt Frank Reschreiter, der betont, dass es sich bei dieser, von einigen Oppositionspolitikern bereits als unwürdig kritisierten Unterbringung nur um ein Provisorium handele, bis der Gebäudeteil der Einrichtung Sportallee, in dem einst Obdachlose untergebracht waren, für die Asylbewerber umgebaut ist. Bis zu 100 Personen können in den drei Zelten schlafen. Derzeit sind es 62. Die meisten neuen Asylbewerber kommen aus Serbien und Mazedonien. Viele unverändert aus Afghanistan, weil Hamburg über eine große aghanische Gemeinde verfügt. Warum hat Hamburg nicht genügend Kapazitäten für einen so plötzlichen Anstieg von Asylbewerbern? „Die Erfahrungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass zu viele Kapazitäten auch nicht gut sind. Leerstehende Unterkünfte kosten Geld“, erklärt Frank Reschreiter.
Die Innenhörde hat deshalb jetzt ein der Asylunterkunft schräg gegenüber liegendes leerstehdendes Bürogebäude an der Ecke Sportallee / Heselstücken angemietet. Dorthin sollen die Büro- und Kantinenräume der Unterkunft Sportallee verlegt werden, wodurch dort 24 Räume für Schlafplätze von 80 bis 100 Personen frei werden. Im Gebäude Heselstücken sollen außerdem Beratungs-, Kinderspiel- und Sozialräume sowie möglicherweise in der ersten Etage 70 Schlafplätze eingerichtet werden. Ob dieses Stockwerk allerdings für Schlafgelegenheiten umgebaut werden kann, ist noch unklar, ließ die Innenbehörde verlauten.
Gegen die Einrichtung weiterer Schlafplätze außerhalb der Asylbewerberunterkunft Sportallee hat sich außerdem der Hauptausschuss der Bezirksversammlung Hamburg-Nord auf Antrag von SPD und FDP ausgesprochen. Die Koalitionsparteien bekennen sich in ihrem Antrag ausdrücklich zur menschenwürdigen Unterbringung von Obdachlosen und Asylbewerbern als einer wichtigen Gemeinschaftsaufgabe, mahnen allerdings auch eine gleichmäßige und gerechte Verteilung von Unterkünften auf die Bezirke an. Der Anmietung des Gebäudes Heselstücken 28 stimmen FDP und SPD ausdrücklich zu, lehnen aber die Einrichtung von 70 weiteren Schlafplätzen in der ersten Ertage ab, weil diese Maßnahme über ein Provisorium hinausgehe. Dieser Ansicht schloss sich auch der Kommunalverein in Groß Borstel an, der wie alle Borsteler Einrichtungen zunächst verschnupft darüber war, dass auf der letzten Stadtteilkonferenz keine Mitteilung der Innenbehörde über die Erweiterung der Unterkunft Sportallee vorlag. „Wir sind gegen eine Erweiterung der Einrichtung in Groß Borstel und befürworten mehrere dezentrale Einrichtungen“, erläuterte Wolf Wieters, der Vorsitzende des Kommunalvereins, der betonte, dass Groß Borstel bislang mit der Asylbewerberunterkunft gut leben konnte. Aus dem Stadtteil hatte es in der Vergangenheit viele Aktivitäten gegeben, um die Lage der Bewohner dieser Einrichtung erträglicher zu gestalten. (ch)
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