Zunfthose statt Brautkleid

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Vermittlerin Ulrike Röder, Deutschlehrerin Marina Klepka und Unternehmer Carsten Paulsen (v.l.) freuen sich mit Nabhan Kattan (vorn) über den gelungenen Einstieg in ein neues Arbeitsleben Foto: wb
 
Mit Geschick und soliden Kenntnissen ist das Nähen von Zunfthosen für Nabhan Kattan kein Problem Foto: wb
Hamburg: Niedergeorgswerder Deich 56 |

Schneidermeister aus Syrien findet im Traditionsunternehmen Arbeit an der Nähmaschine

Hamburg Mit großer Sorgfalt prüft Nabhan Kattan (45) die Nähte einer Hose, die er gerade fertiggestellt hat. Es ist eine Arbeitshose für einen Zimmermann. Maßgeschneidert, aus schwerem Kordstoff. Seit Anfang November ist der gebürtige Syrer wieder in dem Beruf tätig, den er in seiner Heimat als Geschäftsführer einer Schneiderei mit zehn Angestellten fast 20 Jahre lang ausgeführt hat. Im September 2014 verließ er seine Heimat. „Wir mussten in Syrien zwei Jahre lang den Krieg erleben. Sehr viel Angst hat unseren Alltag geprägt. Ich habe für uns alle, insbesondere aber für meine Kinder, keine Perspektive gesehen“, erinnert sich der Handwerker mit den geschickten Händen, der früher elegante Damenmode gefertigt hat und jetzt vornehmlich Männern die Hosen auf den Leib schneidert.

„Zuverlässig, lernwillig“


Bis an seinen neuen Arbeitsplatz im Hamburger Traditionsunternehmen „Veddel Original“ war es ein schwerer Weg, den Nabhan Kattan dank seines Ehrgeizes und mit tatkräftiger Unterstützung seiner Arbeitsvermittlerin Ulrike Röder vom Jobcenter team.arbeit.hamburg jedoch in vergleichsweise kurzer Zeit bewältigen konnte. „Es gibt einfach Kunden, da fällt es leicht, Unterstützung wie in diesem Fall durch Einstiegsgeld und Eingliederungszuschuss zu geben. Vorschläge werden angenommen und umgesetzt. Mit den richtigen Partnern an der Seite gelingt die Integration dann schnell“, so die Jobvermittlerin. Eine solche Partnerin ist Marina Klepka, Lehrerin beim Alsterbildungsring Harburg. Sie erlebte Kattan als Deutsch lernenden Schüler korrekt, zuverlässig und lernwillig. „Ich hatte den Wunsch, den beiden zu helfen. Wenn man jemanden guten Gewissens empfehlen kann, warum sollte man das dann nicht tun?“

Jobangebot über Facebook


In einer Facebookgruppe suchte sie nach Nähmaschinen für den gelernten Schneider. „Fünf Maschinen kamen zusammen. Und auch der Hinweis, doch bei „Veddel Original“ nach einer Anstellung zu fragen“, sagt Marina Klepka. Nabhan Kattan schrieb daraufhin eine Bewerbung. Per E-Mail ging diese an seinen heutigen Chef, der schon am Folgetag die Einladung zum Praktikum aussprach. Nach drei Wochen stand fest, dass es für Nabhan Kattan eine berufliche Zukunft auf der Veddel geben wird. „Ich habe hier freundliche Kollegen. Und einen netten Chef“, sagt der Familienvater.

Nur Maßanfertigunge


Und auch Carsten Paulsen ist mit dem neuen Kollegen sehr zufrieden. Der Geschäftsführer des seit 1962 bestehenden Unternehmens auf der Veddel und Chef von 15 Mitarbeitern hatte von Nabhan Kattan sofort einen guten Eindruck. Von Vorteil war auch die Möglichkeit der Probearbeit, bei der Paulsen den Syrer kennenlernen konnte. Die sorgfältige Arbeitsweise überzeugte den Geschäftsführer, denn höchste Qualität ist ein Muss für die 400 bis 600 Einzelanfertigungen, die pro Monat das Unternehmen am Niedergeorgswerder Deich verlassen. Für die Zukunft sieht es gut aus: „Wenn es weiter so läuft, dann ist Herrn Kattan die Arbeit hier bis zur Rente sicher“, so Paulsen. (wb)
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