Zweiter Platz für Annika Hagel

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Annika Hagel (16) hat mit einer historischen Arbeit über Eppendorf einen zweiten Platz beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten gewonnen. Foto: Hanke

Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten: 16-Jährige beleuchtet Eppendorf zur Nazizeit

Von Christian Hanke
Hamburg. Wie war das damals in Eppendorf um das fatale Jahr 1933 herum? Was bewegte die Menschen? Wie waren sie politisch eingestellt? Diese Fragen hat die 16-jährige Annika Hagel untersucht und darüber eine Arbeit geschrieben, die wissenschaftlichen Ansprüchen genügt: Die politische Spaltung des Hamburger Stadtteils Eppendorf und ihr Einfluss auf die nachbarschaftlichen Beziehungen in der Zeit um 1933 mit dem Schwerpunkt auf Kommunisten und Nationalsozialisten. Mit diesem Beitrag bewarb sich die Schülerin des Johanneums beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten - und wurde jetzt mit einem zweiten Platz ausgezeichnet. Am 13. November werden die fünf ersten Preisträger von Bundespräsident Joachim Gauck in Berlin empfangen.

Spurensuche mit Eigendynamik

Die Zweitplatzierten sind zwar nicht dabei, aber Annika Hagel kann es verschmerzen. Für sie war die viermonatige Arbeit an ihrem Thema im letzten Winter ein großes Erlebnis. „Ich habe mit vielen Menschen geredet, die etwas über die Zeit erzählen konnten, und die haben mir dann andere Menschen und Bücher genannt. Das hat eine richtige Eigendynamik entwickelt“, erzählt die Schülerin, die in die elfte Klasse geht. In Eppendorf ist sie aufgewachsen. Ihre Eltern wohnen dort schon 30 Jahre. Geschichte gehörte schon immer zu ihren Interessen. „Aber richtig wichtig wurde es eigentlich, als wir im Fach-Seminar ein Thema für den Geschichtswettbewerb bearbeiten sollten“, berichtet die 16-Jährige. Da begann Annika Hagel sich mit der Zeit um 1933 in Eppendorf zu beschäftigen und konzentrierte sich dabei auf die Extremisten: Kommunisten und Nationalsozialisten. „Vertraute Fremde - Nachbarn in der Geschichte“, so lautete in diesem Jahr das Thema des Geschichtswettbewerbs.
Eppendorf 1933: das war ein ganz durchmischter Stadtteil mit bürgerlichen Quartieren und einem großen Arbeiterviertel, mit SPD- und KPD-Straßen. Sogar der Vorsitzende der KPD, Ernst Thälmann, wohnte hier. In dem Etagenhaus, in dem er lebte, ist heute die Ernst-Thälmann-Gedenkstätte mit einem Archiv untergebracht. Hier stieß Annika Hagel auf wertvolle Informationen und Kontakte zu Menschen, die erzählen konnten, wie zum Beispiel auf den Sohn eines Kommunisten aus dem damaligen Eppendorf. Im gut sortierten Stadtteilarchiv Eppendorf fand die Schülerin viele Bücher und Berichte über die allgemeine Lage in der damaligen Zeit. Die Fricke- und die Kegelhofstraße waren die Straßen der Kommunisten, ebenso wie die heutige Geschwister-Scholl-, damalige Niendorfer Straße. Nationalsozialisten wohnten vorwiegend in der Eppendorfer Landstraße, am Eppendorfer Marktplatz und in der Erikastraße. Zeitzeugen dieser Richtung hat Annika Hagel nicht gefunden. „Die würden sich wohl heute nicht mehr dazu bekennen“, vermutet die Preisträgerin. Kommunisten und Nationalsozialisten bewegten sich vor allem in ihren Straßen und Vierteln, fühlten sich nur in der Gruppe stark.

Hitler-Junge erschossen

Zu Auseindersetzungen zwischen den feindlichen Lagern kam es in Eppendorf selten. Im Falkenried allerdings, das damals noch zu Eppendorf gehörte, wurde bei Schusswechseln zwischen Nationalsozialisten und Kommunisten der Hitler-Junge Otto Blöcker getötet, nach dem die Nazis 1934 diese Straße umbenannten.
Die meisten Eppendorfer allerdings, hat Annika Hagel festgestellt, hielten sich von politischen Auseinandersetzungen fern, pflegten vielmehr ihre privaten nachbarschaftlichen Beziehungen. Das hat die junge Historikerin bei ihren Nachforschungen am meisten überrascht.
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