Chronische Enge

Anzeige
Kleinere Klassenräume wie in der Marie-Beschütz-Schule.Foto: Hanke

Geteilte Klassenräume und Lerncontainer auf dem Schulhof plagen Schüler, Lehrer und Eltern

Eppendorf/Harvestehude/Rotherbaum/Groß Borstel. Mit dem neuen Schuljahr bereiten sich viele Schulen weiter oder ganz neu auf den Ganztagsbetrieb vor. Das bedeutet räumlich vor allem: Kapazitäten für das Mittagessen einzurichten. Es fehlt aber oft an Räumen - nicht nur in diesem Bereich. Die Raumnot an unseren Schulen ist mit Händen zu greifen. Die Wut über mangelnde Planungen oder sich verzögernde Umsetzungen ist groß. „Uns fehlen Differenzierungsräume. Wir sind vierzügig und haben keine Räume für vier Parallelklassen. Die Lerncontainer, die man uns hingestellt hat, kann man nicht benutzen. Die Toiletten sind über 60 Jahre alt und müssen dringend saniert werden“. Maike Languth, die Leiterin des Gymnasiums Eppendorf, kann sofort ein ganzes Bündel von dringend notwendigen Sanierungen aufzählen. „Wir haben viel zu kleine Klassenräume. Für den Umbau der Gymnastikhalle in ein Multifunktionsgebäude wurde kein Geld bewilligt“, klagt die Elternratsvorsitzende Ulrike Langerbeins. Bei Raumnot und Sanierungsstau ist die Abteilung Schulbau in der Schulbehörde gefragt. „Bei der Abteilung Schulbau in der Schulbehörde hatte ich schon drei verschiedene Ansprechpartner“, ärgert sich Maike Languth. Wütend auf Schulbau ist auch Antje Westenhoff, die Leiterin des Wilhelm-Gymnasiums. Erst nach den Ferien wurden zwei Pavillons mit zwei Klassenräumen auf den Schulhof gestellt. Das für einen zweieinhalbzügigen Betrieb gebaute altsprachliche Gymnasium am Klosterstieg wird nun dreieinhalbzügig gefahren. Entsprechend fehlen Klassenräume. „Uns wurden 550 Quadratmeter Zubau zugesagt. Doch die Planung stockt sehr“, ärgert sich Antje Westenhoff. Das Wilhelm-Gymnasium hat schon Möbel eingeplant, aber seit zweieinhalb Jahren kommt die Neubauplanung in der Schulbehörde nicht voran. Nun ist der Schulhof durch die Pavillons fast vollgebaut. Ein Zustand, mit dem mittlerweile sehr viele Schulen leben müssen. Nicht so die Ida-Ehre-Stadtteilschule. Ihre Schulhöfe sind zu klein und sollten deshalb schon seit Jahren umgestaltet und saniert werden. „Eigentlich sollte die Sanierung bis 2013 durchgeführt sein. Jetzt heißt es: vielleicht 2015“, erzählt Schulleiterin Helga Wendland. Auch eine Grundsanierung des Hauptgebäudes an der Bogenstraße steht dringend an. „Bei Fußböden und elektrischen Anlagen muss nachgebessert werden“, berichtet Helga Wendland.
Raumnot herrscht auch an der Stadtteilschule Eppendorf. Gerade wurden der fünfte und sechste Klassencontainer auf das glücklicherweise große Schulgelände gehievt. Doch Schulleiter Rainer Griep wartet immer noch auf die zugesagte Kantine. Deshalb müssen die Kinder der Ganztagsschule in den Klassenräume zu Mittag essen. Der Bau der Kantine, so die jüngsten Informationen, kann noch zwei Jahre dauern.
Kaum bauliche Probleme haben die Grundschulen. Die Carl-Götze-Schule soll pünktlich zum Beginn des Ganztagsbetriebes im August 2013 eine Mensa erhalten. Die Raumnot der Eppendorfer Grundschulen und auch der Grundschule Turmweg wird voraussichtlich bald durch benachbarte Schulgebäude kompensiert. Die Marie-Beschütz-Schule kann schon planen, denn sie wird 2016 in das schon leer stehende Gebäude der früheren Wolfgang-Borchert-Schule umziehen. Der Raumnot begegnete die Schule bereits mit der Teilung einiger Klassenräume. Daskann Schulleiterin Karin Möller als Provisorium verschmerzen, weil in vier Jahren der Umzug in ein größeres Schulgebäude ansteht. So kann sich auch die Grundschule Turmweg über die Container auf dem Schulhof hinwegtrösten, denn in drei Jahren wird das Gebäude der benachbarten Fremdsprachenschule Mittelweg frei. Deren Räume teilen sich dann die Schule Turmweg und die Staatliche Jugendmusikschule. Die Schule Knauerstraße, die seit einem Jahr dreizügig gefahren wird (vorher zweizügig), darf auf eine solche Lösung immerhin hoffen. Die benachbarte Handelsschule Kellinghusenstraße wird möglicherweise an diesem Standort aufgelöst.
Die CDU hat der SPD-Regierung deshalb vorgeworfen, Gelder, die für Schulsanierungen und -ausbau vorgesehen waren, zweckentfremdend für Sparmaßnahmen zu missbrauchen. Das weisen die Schulbehörde und die SPD zurück. „Durch Umstrukturierungen von Schulbau Hamburg kommen alle Baumaßnahmen für 2012 noch einmal auf den Prüfstand. Möglichst viele Schulen sollen von den Mitteln profitieren. Es bleibt aber bei 300 Millionen Euro, die im Jahr für Schulbau und -sanierungen ausgegeben werden“, erklärt Schulbehörden-Sprecher Peter Albrecht. „Es könnte schneller gehen. Es steht zu wenig Geld zur Verfügung“, räumt Lars Holster, der schulpolitische Sprecher der SPD-Bügerschaftsfraktion, ein. Von dem auch personellen Umbau von Schulbau Hamburg verspricht sich Holster Besserungen für die Zukunft. (ch)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige