Experten für Seelenkrisen

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Sie kann nach durchlebten Krisen wieder lachen: Heidi Hamester berät psychisch Kranke auf Augenhöhe. Foto: Gemeinholzer/hfr

In der Peer-Beratung beraten psychisch Kranke andere Betroffene

Von Anne Gemeinholzer
Alsterdorf. Heidi Hamester weiß, wie es sich anfühlt, wenn die „Dame in Schwarz“ kommt: Sie hat selbst jahrelang unter Depressionen gelitten, seit einem Jahr begleitet sie als Peer-Beraterin andere Erkrankte und Angehörige. An drei Nachmittagen pro Woche bieten sie und ihre Kollegin Anita Schonhardt in der Psychiatrisch-psychotherapeutischen Ambulanz Alsterdorf ihre Hilfe an. Die Beratungen, die über ein halbes Jahr laufen sollen, sind für die Ratsuchenden kostenfrei.
Auch wenn Heidi Hamester bisher nur Klienten mit Depressionen begleitet: Unterstützung gibt es in der Peer-Beratung auch bei anderen psychischen Störungen wie Ängsten, Panikattacken, Burnout, Borderline, Psychosen, Schizophrenie oder Traumata.
„In der Peer-Beratung wissen wir, wovon wir reden“, sagt Heidi Hamester, „ein Therapeut kann das Leiden nur kognitiv erfassen, aber nicht nachspüren.“ Das ist ihre Stärke.
„Ich lasse die Menschen erst mal reden. Ich bestärke sie, wenn sie Termine wahrnehmen und mache ihnen Mut, dass es besser wird.“ Dass die „Dame in Schwarz“ auch wieder weggeht.
„Wenn man in der Depression steckt, kann man sich nicht vorstellen, dass der normale Zustand wiederkommt“, weiß die Ottenserin. Aufgrund ihrer Erkrankung ist sie früh verrentet. Früher arbeitete sie als Sozialpädagogin.
Zwischen drei und neun Monaten dauerten bei ihr die Schübe. Bereits mit Anfang 20 wurde sie depressiv – durch den Verlust geliebter Menschen. „Ich habe unendlich viele Jahre Therapie-Erfahrung und kenne viele Kliniken“, sagt sie. Was sie in der Krise über sich selbst gelernt hat und wie sie wieder herausgefunden hat, kann sie heute weitergeben. Während einer einjährigen Fortbildung reflektierte und objektivierte sie ihre Erfahrungen, um andere in Lebenskrisen unterstützen zu können.
Mit diesem Ansatz der Beratung von psychisch Kranken und Angehörigen durch Gleichgesinnte (Englisch: peer) sollen die Selbsthilfe und die Unterstützung innerhalb der Familie gefördert werden. Und möglicherweise könnten durch diese Form der Lebenshilfe künftig auch Klinik-aufenthalte psychisch Kranker vermieden werden.
Erforschen lässt das derzeit das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) als Initiator des Projekts, an dem insgesamt acht Krankenhäuser in Hamburg teilnehmen. Gefördert werden die Peer-Beratung und die Begleitforschung vom Bundesforschungsministerium, voraussichtlich noch bis Ende 2013.
„Meine Arbeit bringt mir sehr viel Freude und Anerkennung und stabilisiert mich auch“, sagt
Heidi Hamester. „Wir hoffen, dass das Projekt so viel Anklang findet, dass es uns auch später noch gibt.“ Angedacht sei, dass die Stellen der Peer-Berater nach Ablauf des Projekts von den teilnehmenden psychiatrischen Kliniken übernommen werden – dann wäre ihr Arbeitgeber das Evangelische Krankenhaus Alsterdorf. Von den beiden psychiatrischen Stationen kommen bisher die meisten ihrer Klienten. „Von außerhalb könnten es gern noch mehr werden“, so die Beraterin.
Sie kann bereits auf Erfolge verweisen: „Ich hatte zwei Frauen mit leichten Depressionen, denen es aber richtig schlecht ging. Nach einem halben Jahr Beratung ging es beiden wieder gut.“
Auch sie selbst weiß heute:
„Eigentlich bin ich ein lebenslustiger Mensch.“ Und wie zum Beweis lässt sie ihre blauen Augen strahlen. (hfr)
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