Gelungene Integration

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Ein Teil der C-Jugendlichen des TSV Eppendorf/Groß Borstel 08 mit Trainerin Melli Meissner (l.). Darunter einige unbegleitete minderjährige FlüchtlingeFotos: Hoyer
 
Fußball für gelungene Integration: Barbara Nitruch vermittelte

Beim TSV Eppendorf / Groß Borstel 08 kicken minderjährige Flüchtlinge

Groß Borstel „Messi“, antwortet Omid sofort auf die Frage, wer sein Fußballidol sei und strahlt übers ganze Gesicht. Der 12-Jährige spielt selbst Fußball, in der C-Jugend beim TSV Eppendorf/Groß Borstel 08. Da gehört er schon zu den besten Torschützen. Auch dank seiner Tore sind die C-Jugendlichen gerade Meister ihrer Staffel geworden. Omid stammt aus Afghanistan. Er lebt als sogenannter „unbegleiteter minderjähriger Flüchtling“ in einer Unterkunft in Groß Borstel. Er ist nicht der einzige aus seiner und einer anderen Unterkunft im Stadtteil, der seit einem halben Jahr für den TSV 08 kickt. Sieben sind sie, die die C-Jugend der Grün-Schwarzen vom Brödermannsweg ergänzt haben. Neben neun deutschen Jugendlichen. Ganz ohne Probleme. In keiner anderen Jugendmannschaft des TSV 08 spielen jetzt so viele Flüchtlinge. Und sie spielen äußerst erfolgreich. „Gegen den Favoriten, den FC Bingöl, eine türkische Mannschaft, hatten wir in der Hinrude verloren. In der Rückrunde haben wir sie mit 7:2 geschlagen“, sagt Trainerin Melli Meissner erfreut.

Arif aus Afghanistan ist jetzt Torschützenkönig, gefolgt von Omid und Abdi (Somalia). Wie schießen sie so viele Tore? „Laufen und spielen“, antwortet Omid und strahlt wieder. „Die Flüchtlingskinder können sehr gut laufen. Sie haben eine beachtliche Kondition. Es sind richtige Straßenfussballer“, bestätigt Melli Meissner. Schwierigkeiten haben sie dagegen mit Positionen und Regeln. Die sind ihnen vor allem wegen der Verständigungsschwierigkeiten auch schwer zu vermitteln.
Entscheidend sei aber noch ein weiterer Aspekt. „Sie sind total motiviert. Sie träumen von einer Fußballkarriere“, erzählt Melli Meissner, die manchmal die Erwartungen vorsichtig bremsen muss.

Vor allem wird ein Torwart gesucht

Fußball spielen die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge schon, seitdem sie in Groß Borstel leben. Gleich hinter einer der Unterkünfte erstreckt sich ein Bolzplatz. „Da spielen sie jeden Tag“, erzählt Barbara Nitruch, Aktivistin für Groß Borstel, die Vermittlungsarbeit zwischen den jungen Kicker und dem TSV 08 leistete. Da dort gerade A-Jugendliche gesucht wurden, freute man sich über zwei Flüchtlinge in diesem Alter, von denen einer in der nächsten Saison bereits in der ersten Herrenmannschaft spielen wird. Kurze Zeit später folgten die C-Jugendlichen mit besagtem Ergebnis.

Nitruch ist besonders von der Arbeit von Trainerin Meissner begeistert. „Sie macht da einen tollen Job. Die beste Integration passiert im Sport“, lobt sie und hebt noch einen weiteren Aspekt hervor: „Diese Flüchtlinge lernen durch die Trainerin, dass Frauen eine ganz andere Rolle spielen als in ihren Heimatländern.“ Ganz problemlos kicken die Jungs übrigens im Training auch gegen die Mädchen, die noch nicht durch jugendliche Flüchtlinge ergänzt wurden. Dazu Melli Meissner: „Darauf warte ich immer noch.“

Für die Jugendmannschaften kann der TSV 08 noch Nachwuchs gebrauchen. Vor allem wird ein Torwart für die C-Jungs gesucht. Interessenten melden sich bei Peter Schwarzmayr (Tel.: 48 73 61, p.schwarzmayr@t-online.de). Den Verein kann man auch am Sonnabend, 9. Juli, 14-17 Uhr beim Kinder-Sommerfest in der Halle Brödermannsweg 31 kennenlernen. (ch)
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