Neues Lebens- und Trauercafé Himmelstraße

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Pastorin Hilke Osterwald im neuen Lebens- und Trauercafé für Menschen mit und ohne Behinderung.Foto:

Gemeinsam loslassen können

Winterhude. Memento Mori - Gedenke, dass Du sterblich bist. Dieser Mahnruf aus der Antike scheint heute vergessen. Tod und Sterben spielen im Alltag fast keine Rolle.
Viele blicken dem Tod erst ins Auge, wenn ein Familienmitglied oder Freund stirbt. Doch der Tod begegnet uns früher oder später allen. Trauer muss sein, um ihre Bewältigung ins Rollen zu bringen. Und manchmal geht das gemeinsam ein Stück weit einfacher. Die Assistenzgesellschaften der Evangelischen Stiftung Alsterdorf und das Malteser Hospiz-Zentrum Bruder Gerhard eröffneten aus diesem Grund das „Lebens- und Trauercafé Himmelstraße“. Es ist ein in Hamburg bislang einzigartiges Projekt, denn es steht Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen offen.
„Unser Bedürfnis ist, auch für trauernde Menschen mit einer geistigen Behinderung langfristig den Zugang zur Trauerbegleitung zu schaffen. Wir wollen ihnen wie Betroffenen ohne Behinderung die Möglichkeit geben, Menschen in der gleichen Lage kennen zu lernen und gemeinsam mit ihnen ihrem individuellen Verlust Ausdruck zu verleihen“, sagt Hilke Osterwald, Pastorin der Assistenzgesellschaften. Gemeinsam mit Ramona Bruhns, stellvertretende Hospizleiterin, und Ehrenamtlichen des Malteser Hospiz-Zentrums gestaltet und begleitet sie das Lebens- und Trauercafé, das jeden ersten Donnerstag im Monat als kostenloses Angebot seine Türen für Betroffene öffnen wird (nächster Termin: 2. August, 16-18 Uhr). „Tod und Trauer sind in unserer Gesellschaft immer noch angstbesetzte Themen.
In dem sich Menschen in ihrer Trauer hier mit Gleichgesinnten treffen können, erfahren sie, dass sie nicht alleine sind mit ihren Gefühlen. Man kann, muss hier aber nicht über seine Trauer reden“, erklärt Osterwald. Dass Bedarf vorhanden ist, weiß die Pastorin aus ihrer 18jährigen Erfahrung in der Hospizarbeit.
Er bestätigte sich bei der Eröffnung im Juli - das kleine „Café“ in der Himmelstraße 42 war gut besucht. Unter ihnen Gabriele Reimeyer. „Ich möchte Menschen treffen, die auch die Erfahrung mit einem Verlust gemacht haben.
Das zeigt mir, dass ich nicht alleine bin. Der Austausch bringt mich ins Leben zurück, auch wenn der andere nicht mehr da ist“, sagt sie. Die 68-Jährige verlor vor vier Jahren ihren Mann und vor zwei Jahren ihre Mutter – Ereignisse, die zu einem großen Einschnitt in ihrem Leben führten. Dass sich Gabriele Reimeyer an diesem Tag auf den Weg in die Himmelstraße gemacht hatte, hat einen einfachen Grund, wie sie erzählt. „Es ist der Name ‚Lebens- und Trauercafé’.
In ein Trauercafé hätte ich mich reingetraut. Ich hätte mich gefragt, ob der Besuch mich nicht noch schwächer macht. Trotz der großen Trauer geht das Leben doch weiter.“
Für viele Menschen kann sich der Weg aus der Trauer gemeinsam mit Betroffenen leichter gestalten. Für sie gibt es mit dem Lebens- und Trauercafé nun einen Ort und für ihre Trauer ein kleines Zuhause. (ab)
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