Seit 100 Jahren im Einsatz für Hilfsbedürftige

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Ulrike Landsberg, Mitarbeiterin der Hamburgischen Brücke, betreut Elfriede Reiff in ihren eigenen vier Wänden. Die beiden verstehen sich gut Foto: Karin Desmarowitz
 
HGfW-Gründer Max M. Warburg Foto: Stiftung Warburg Archiv, Hamburg

Hamburgische Brücke: Betreuung von Demenzerkrankten, Hilfe für Angehörige

Von Martin Jenssen
Hamburg. Er half, wo er konnte, spendete viel Geld für in Not lebende Menschen. Sein Motto lautete: „Wir Hamburger lassen keinen von uns über Bord gehen!“ Und dennoch kannten die meisten Hamburger, die seine Hilfe erhielten, nicht einmal seinen Namen. Sein soziales Engagement hing der Bankier Max M. Warburg (1867 - 1946) nie an die große Glocke. Er wirkte im Verborgenen und gründete 1913 die „Hamburgische Gesellschaft für Wohltätigkeit e. V.“ (HGfW), die 1999 in „Hamburgische Brücke – Gesellschaft für private Sozialarbeit“ umbenannt wurde.
Ein Rückblick auf das Jahr 1913: In der Hansestadt Hamburg brummten die Geschäfte. Es war das Jahr, in dem in Hamburg der Füllfederhalter erfunden wurde. Albert Ballin besaß mit der „Hamburg-Amerika-Linie“ (HAPAG) die größte Reederei der Welt. Kaiser Wilhelm II. taufte auf der Vulkan-Werft den Luxusliner „Imperator“, das bis dahin größte Schiff aller Zeiten.
Es waren glanzvolle Zeiten. Doch es war ein trügerischer Glanz, denn gleichzeitig gab es in Hamburg unendlich viel Elend. In den feuchten alten Häusern der Armenviertel herrschten schauderhafte hygienische Zustände.
Die wohlhabenden Hamburger spendeten für arme Mitbürger - aber es gab keine geordnete Hilfe. Das Geld floss in „dunkle Kanäle“. Diese Zustände prangerte vor allem Funny Helene Bonfort an, eine Kämpferin für die sozial schwachen Familien und die Rechte der Frauen.

Die Gründer

Dem Bankier Max M. Warburg blieb das Elend nicht verborgen. Er unterstützte die emanzipierte Kämpferin Bonfort. Dritter maßgeblicher Helfer in dem Bund wurde Dr. Otto Lohse, der Direktor der staatlichen Hamburger Armenpflege. Gemeinsam bereiteten Warburg, Bonfort und Lohse eine Stiftung vor, die den Namen „Hamburgische Gesellschaft für Wohltätigkeit e. V.“ erhielt. Weitere Gründungsmitglieder waren die Hamburger Senatoren und Politiker August Lattmann, Walter Matthaei und Henry Everling.
Warburg gelang es, die Gesellschaft für die ersten fünf Jahre jeweils mit einem Etat von 40.000 Goldmark auszustatten (etwa eine Million Euro). Das Geld wurde gezielt eingesetzt für die Unterstützung der Bedürftigen mit Lebensmitteln und Brennmaterial. Außerdem wurden Mietbeihilfen gezahlt.

„Speisungsdienst“

Der Erste Weltkrieg und die Zeit danach brachten neue Herausforderungen für die Helfer mit sich. Es herrschten Hunger, Krankheiten, Armut und Arbeitslosigkeit. Wieder war es die HGfW, die Struktur in das Hilfsprogramm brachte, in dem sie den „Speisungsdienst“ einführte. Die zunächst wichtigste Aufgabe war es, die Hungersnot zu lindern. Im Hintergrund der Gesellschaft arbeitete weiterhin Max M. Warburg. Unermüdlich warb er um Spenden, um „keinen Hamburger über Bord gehen zu lassen“.
Mit Beginn des Nationalsozialismus in Deutschland wurde die Arbeit für die HGfW von Tag zu Tag schwieriger. Nach Inkrafttreten der Nürnberger Rassengesetze wurden Juden als Zuwendungsempfänger aber auch als Stiftungsverwalter ausgeschlossen. Im Rahmen des Netzwerkes der HGfW spielte nun die Organisation „Sekretariat Warburg“ eine wichtige Rolle. Sie verhalf zahlreichen deutschen Juden zur Auswanderung. Auch Max M. Warburg musste gehen. Die „Hamburgische Gesellschaft für Wohltätigkeit e. V.“ wurde am 6. Juni 1941 liquidiert.

Nachkriegszeit

Der Krieg ging verloren. Das Elend war unermesslich. Wieder waren ehrenamtliche Helfer gefragt. Und so wurde im Mai 1946 die „Hamburgische Gesellschaft für Wohltätigkeit“ neu gegründet. Max M. Warburg, 1946 in New York verstorben, war nicht mehr dabei. Dafür trat wenige Jahre später sein Sohn Eric Warburg (1900 – 1990) in den Vorstand der Gesellschaft ein. Auch heute noch ist ein Warburg im Vorstand der „Hamburgischen Brücke“ vertreten: Max Warburg (geb. 1948), der Enkel des Gründers.
Mittelpunkt der Arbeit für die neugegründete Gesellschaft waren die Probleme der Nachkriegszeit. Eine der Aufgaben war die Verteilung von Lebensmittel- und Sachspenden. Weitere Aufgabengebiete kamen hinzu, so die Organisation von Müttergenesungs- und Kindererholungskuren.

Hilfe bei Flutkatastrophe

Selbstverständlich war die HGfW auch 1962 aktiv, als Hamburg von der Flutkatastrophe betroffen wurde. Die Gesellschaft half bei der Unterbringung der Menschen, die ihre Wohnungen verloren hatten und gründete einen Hilfsfond für Flutgeschädigte.
Nie brach die Arbeit für das Gemeinwohl ab, allerdings änderten sich die Schwerpunkte. 1999 gab sich die Gesellschaft den Namen: „Hamburgische Brücke – Gesellschaft für private Sozialarbeit e. V.“ - „Wir möchten eine Einrichtung sein, die Brücken schlägt zwischen wohltätigen Privatpersonen und Hilfsbedürftigen“, erklärt Kirsten Arthecker, Geschäftsführerin der „Hamburgischen Brücke“.
Den Schwerpunkt ihrer Arbeit hat die „Hamburgische Brücke“ auf die Hilfe für Demenzkranke gelegt. Rund 1,4 Millionen Menschen in Deutschland sind akut von Demenz betroffen. „Rund zwei Drittel der Erkrankten werden in ihrem Zuhause betreut.
Die Hamburgische Brücke bietet Betreuung und Pflege für die Erkrankten aber auch Beratung und Entlastung für die Angehörigen an. Rund 3000 Menschen bekommen jährlich diese Hilfe. Dafür sind bei der „Hamburgischen Brücke“ 100 hauptamtliche und weitere 100 ehrenamtliche Mitarbeiter im ständigen Einsatz. Sie alle bemühen sich, keinen Hamburger über Bord gehen zu lassen.
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