Gericht weist Frau in Psychiatrie ein

Anzeige
Eine Frau hat ihren Sohn vor die U-Bahn geschubst. Das Gericht verfügte eine Einweisung in die Psychiatrie Symbolfoto: thinkstock

Mutter schubste Sohn vor U-Bahn

Hoheluft „Es war eine unfassbare Tat, rational nicht nachzuvollziehen“, sagte die Vorsitzende Richterin Ulrike Täubner in der Verhandlung gegen Jana L. (32). Die Frau hatte an der Haltestelle Hoheluft am 18. Oktober vergangenen Jahres um 14.33 Uhr ihren elfjährigen Sohn Leon vor eine einfahrende U-Bahn geschubst. Der Junge wurde schwer verletzt, verlor durch die unvorstellbare Tat den Unterschenkel des linken Beines. Vor der Großen Strafkammer 1a des Hamburger Landgerichts musste sich die Mutter deshalb wegen versuchten Totschlags sowie schwerer und gefährlicher Körperverletzung verantworten. Doch zu einer Verurteilung kam es nicht. Das Gericht kam zu der Auffassung, dass die Angeklagte die Tat im Zustand der Schuldunfähigkeit begangen hatte und verfügte die Einweisung in eine psychiatrische Anstalt – auf unbestimmte Zeit. Ein Motiv für die Tat gab es nicht. „Wir glauben den Beteuerungen der Angeklagten, dass sie ihren Sohn sehr lieb hat“, so die Richterin. Die an Schizophrenie leidende Mutter hatte in ihrer Einlassung erklärt, dass sie Stimmen gehört habe, die ihr die Tat befohlen hätten. Diese Stimmen haben die Frau schon seit ihrem 16. Lebensjahr gequält. Ihr Bruder, der als Zeuge gehört worden war, bestätigte, dass Jana L. schon als junges Mädchen Stimmen aus abgeschalteten Radio- oder Fernsehgeräten gehört habe, die ihr befahlen, sich selbst zu verletzten oder in einen Fluss zu springen. „Es waren Stimmen, gegen die sie sich nicht wehren konnte“, so die Richterin. Durch Medikamente war die Krankheit in den Griff zu bekommen. Doch wenige Wochen vor der Tat hatte Jana L. die Pillen abgesetzt. Sie fühlte sich gesund. So kamen am 18. Oktober die Stimmen zurück. Seit ihrer Verhaftung wurde Jana L. medikamentös so eingestellt, dass sie wieder normal handeln kann. Sie versprach dem Gericht, nie wieder gegen ärztliche Anordnungen zu verstoßen. Ulrike Täubner: „Die Einsichtsfähigkeit ist da. Deswegen stand auch eine Einweisung zu Bewährung zur Debatte. Das Gericht befand aber, dass es dafür noch zu früh ist.“ (je)
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige