Hamburg: Mieter im Flur erschlagen

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Bluttat in einer Villa an der Erikastraße im Februar: Jetzt steht der sogenannte „Hammer-Mörder“ vor Gericht Foto: Arning

Hausbesitzer steht nach Bluttat in der Erikastraße jetzt vor Gericht

Hamburg. Gegen 7.30 Uhr am 12. Februar dieses Jahres klingelt es an der Wohnungstür der Sinologin Su X. (37) in einer Villa an der Erikastraße in Eppendorf. Vor der Tür steht Hausbesitzer Fritz H.-B. (65). Er bittet seine Mieterin höflich: „Sie sollten an diesem Morgen das Haus besser nicht verlassen.“ Dann sagt er noch: „Es ist etwas Schönes passiert.“
Es war jedoch nichts Schönes sondern etwas Furchtbares passiert. Der ehemalige Tischler Fritz H.-B. hatte wenige Minuten zuvor mit mehreren Schlägen eines Zimmermannhammers seinen Mieter Jürgen W. (71) erschlagen. Außerdem hatte er dem verhassten Mitbewohner seinen Hauses mehrere Stiche mit einem Messer versetzt. Der alte Herr, Inhaber einer Konzertagentur und ehemaliger Vorsitzender des Fördervereins des Hamburger Haydn-Orchesters, lag tot in einer großen Blutlache im Hausflur. Sein Vermieter muss sich jetzt vor dem Hamburger Landgericht verantworten. „Mord aus Heimtücke“ wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor. Der wohlhabende Hausbesitzer muss mit einer lebenslangen Freiheitsstrafe rechnen.
Seit mehreren Jahren lag der Hausbesitzer mit seinem Mieter im Zank. Der Tod von Jürgen W. war das tragische Ende eines Streites um glatte Fußwege im Winter, um Mieterhöhungen, Nebenkostenabrechnungen, das ständig verschmutzte Treppenhaus und defekte Heizungen.
Bereits 2012 hatte es eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen dem Hausbesitzer und Jürgen W. gegeben. Damals hatte Fritz H.-B. seinen Mieter mit einer Axt bedroht und ihn dann die Treppe herunter geschubst. Jürgen W. hatte sich verletzt, musste in einem Krankenhaus behandelt werden. Der Hausbesitzer wurde zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Das Urteil war noch nicht rechtskräftig. Fritz H.-B. war in Berufung gegangen.
Den Morgen des 12. Februar 2014 wird auch Maike S. (38) nie vergessen. Sie war Mieterin einer Wohnung im ersten Stock. Unter ihr wohnte Fritz H.-B., über ihr der Musiker. Gegen 7.25 Uhr hörte sie dumpfe Schläge, Schreie und Stöhnen im Hausflur. Wie üblich war Jürgen W. an diesem Morgen zur Haustür gegangen, um seine Tageszeitung zu holen. Dort muss der Vermieter auf ihn gewartet haben.
„Ich wusste sofort, es ist etwas Schlimmes passiert“, erklärte Maike S., wichtigste Zeugin in dem Prozess, dem Gericht. Sie öffnete ihre Wohnungstür und rief dem Vermieter zu, er solle aufhören. Der antwortete: „Es ist alles in Ordnung!“
Um Hilfe zu bekommen, klingelte Maike S. bei ihrer Nachbarin Su X., die gerade Musik hörte und von dem Streit deshalb nichts mitbekommen hatte. Die Frauen riefen bei der Polizei an. Schließlich traute sich Maike S. ins Treppenhaus. Die Zeugin: „Ich hätte mir selbst nie verziehen, wenn ich nicht wenigstens noch versucht hätte, Jürgen W. zu helfen.“
„Sie können jetzt hier nicht durch“, rief ihr der Hausbesitzer entgegen. Doch Maike S. ließ sich nicht beirren. „Ich habe einen wichtigen Arzttermin“, erklärte sie ihm. „Dann kommen Sie“, sagte der Hauswirt, „aber schauen Sie nicht hin.“ Maike S. sah trotzdem hin. Jürgen W. lag in einer großen Blutlache zwischen Hausflur und Windfang. Sein Kopf war mit einem grauen Tuch bedeckt. Fritz H.-B. schloss seiner Mieterin die Haustür auf und ließ sie auf die Straße. Kurz danach kam die Polizei und nahm den Hausbesitzer, der noch Bademantel und Schlafanzug trug, fest. Der Angeklagte hat sich vor Gericht nicht zu der Tat geäußert. Der Prozess wird fortgesetzt. Das Urteil wird voraussichtlich am 18. September gesprochen. (je)
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