Schüsse aus Frust auf Radfahrer

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Mann schießt auf Radfahrer und muss sich jetzt vor Gericht verantworten Symbolfoto: thinkstock

Prozess: Hamburger Schütze muss sich jetzt verantworten

Harvestehude Gegen 18 Uhr war aus einer Wohnung am Grindelberg geschossen worden. Getroffen wurde dabei am 7. Juni 2015 ein 38-jähriger Radfahrer, der stadteinwärts fuhr. Die kleinen Kugeln kamen aus einer Gaspistole und sausten über die sechsspurige Straße. Der Radfahrer sah den Schützen und den Gewehrlauf im Fernster einer Erdgeschosswohnung und informierte die Polizei. Eine erste Überprüfung blieb erfolglos, weil der Schütze und seine Freunde die Wohnung für einen Alsterspaziergang verlassen hatten. Als die Polizei gegen 21 Uhr erneut Schüsse hörte, stürmte sie die Wohnung.

Mehrfach vorbestraft


Der Schütze, Daniel Sch. (27), war der Polizei kein Unbekannter. Er ist bereits mehrfach vorbestraft. Jetzt muss er sich vor dem Amtsgericht Hamburg Mitte für die Schüsse verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm versuchte gefährliche Körperverletzung vor. Der Angeklagte gab die Tat zu, erklärte aber: „Ich wollte niemanden verletzen. Ich habe aus Frust geschossen, weil ich auf Arbeitssuche war und so viele Absagen erhalten habe.“ Vorhalt der Richterin: „Was wäre wohl in Deutschland los, wenn jeder, der Frust hat, gleich zu einer Waffe greift?“ Antwort des Angeklagten: „Das wäre wohl in der Tat sehr schrecklich!“

Blind geschossen


Den Schuss auf den Radfahrer habe er abgegeben, als er auf dem Sofa saß. Da habe er nicht sehen können, wohin die Kugel flog. Diese prallte zum Glück am Fahrradhelm ab. Der Radler wurde nicht verletzt. Straferschwerend für den Angeklagten bei dieser Gerichtsverhandlung: Er hatte sich die Waffen, zwei Gasdruckpistolen, beschafft, obwohl die Waffenbehörde ein Besitzverbot für Waffen und Munition gegen ihn verhängt hatte. Daniel Sch. war 2009 wegen versuchten Totschlags zu einer Jugendstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt worden. Die Kugeln hatten auch Spuren an den Schaufenstern eines gegenüberliegenden Geschäfts am Grindelberg hinterlassen. Für die Reparaturkosten von mehr als 5000 Euro wird der Angeklagte nun wohl aufkommen müssen. Der Prozess wird in den kommenden Tagen fortgesetzt. (je)
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