Eine lebende Legende

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Horst Kracht fasziniert der Fußball heute noch genauso wie vor 70 Jahren. Foto: Thomas Hoyer

Horst Kracht will mit 82 Jahren die Stiefel nicht an den Nagel hängen

Winterhude. Er ist in Hamburgs Fußballszene schon fast eine lebende Legende. Horst Kracht, der im stolzen Alter von 82 Jahren die Stiefel noch immer nicht an den Nagel gehängt hat und bei den Supersenioren des SC Victoria dem runden Leder nachjagt. Natürlich muss auch Horst Kracht auf dem Fußballplatz seinem Alter Tribut zollen. Er ist zwar jeden Woche pünktlich um 18 Uhr beim Training, doch in den Punktspielen sines Teams kommt der Oldie mittlerweile nur noch zu Kurzeinsätzen. „In punkto Ausdauer kann ich aber noch mit den anderen mithalten, auch wenn meine Mannschaftskameraden im Durchschnitt 15 Jahre jünger sind“, erklärt der Winterhuder nicht ohne Stolz.
Horst Kracht wuchs in Hamm auf. Das Fußballspielen lernte er als kleiner Junge auf der Straße. „Damals waren noch nicht so viele Auto unterwegs“, erinnert sich der sympathische Sportler. „Später haben wir dann auf so genannten Tummelplätzen in St. Georg und im Hammer Park gekickt.“ Klein-Horst hatte dabei so viel Spaß, dass er 1940 im Alter von zehn Jahren in den SV St. Georg eintrat, dort in Nachwuchsmannschaften als Mittelläufer spielte.
Die folgenden Jahre waren für den jungen Fußballer vom Krieg geprägt. 1943, als Rothenburgsort, Hammerbrook und Hamm in Schutt und Asche fielen, wurde auch seine in der Marienthaler Straße lebende Familie ausgebombt. Die Leichen in den Straßen kann Horst Kracht bis heute nicht vergessen. Zeitweise wohnte er mit seinen Eltern im Bunker auf dem Heiligengeistfeld, in dem sein Vater als Handwerker arbeitete. Nach Kriegsende rückte König Fußball wieder in den Mittelpunkt. Horst Kracht schloss sich dem Eimsbütteler TV an, wo er von der Jugend in den Herrenbereich wechselte. Weitere Stationen waren die Ligamannschaften von Barmbek-Uhlenhorst, des VfL Stade, Wilhelmsburg 09, Urania und des SC Victoria, mit dem er 1960 als Hamburger Amateurmeister knapp den Aufstieg in die damalige Oberliga Nord verpasste. Als 40-jähriger beendete er seine Ligakarriere bei Uhlenhorst-Herta. Anschließend wechselte er zu den Alten Herren, kickte dort unter anderem für BU und schließlich für den SC Victoria, dem der Winterhuder mittlerweile mehr als 30 Jahre angehört.
„Ich habe zwischendurch auch mal in einer für Vielflieger gegründeten Mannschaft der Lufthansa gespielt, in der Uwe Seeler mitwirkte“, erzählt Kracht, der sich auch als Trainer verschiedener Vereine einen Namen machte, wobei sein größter Erfolg aus dem Jahr 1988 datiert. Damals führte er den Meiendorfer SV zur Hamburger Meisterschaft und zum Pokalsieg. Neben Fußball hat Horst Kracht, der als kaufmännischer Angestellter für mehrere Firmen im Bereich Rechnungs- und Personalwesen arbeitete, noch eine zweite große Leidenschaft, das Theater. „Es war mein Klassenlehrer Otto Lüthje, ein Schauspieler der Niederdeutschen Bühne Hamburg, dem späteren Ohnsorg-Theater, der den Grundstein für meine Begeisterung gelegt hat“, erinnert sich Horst Kracht, ein regelmäßiger Besucher des Winterhuder Fährhauses, mit dessen früherem Intendanten Rolf Mares ihn enge Freundschaft verband. Ein weiteres Hobby von Horst Kracht ist das Lesen. „Romane interessieren mich nicht“, sagt er, „aber bei guten Sachbüchern werde ich zur Lesenratte, insbesondere, wenn es sich um Politik dreht.“ Horst Kracht lebt mit seiner Frau Christel seit über drei Jahrzehnten in Winterhude. „Sie hat für meinen Sport nie viel übrig gehabt, war bei keinem einzigen Spiel von mir“ schmunzelt der 82-jährige Kicker. „Mir aber hat der Fußball immer sehr viel gegeben. Ich bin stolz darauf, seit über 70 Jahren ohne Unberechung auf dem Platz zu stehen, was wohl ziemlich einmalig in Deutschland sein dürfte. Ein Ende als Aktiver sehe ich im Moment nicht.“ (th)
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