Hamburg: Kick it like Anna und Angelina!

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Hanna (9) ist zum ersten Mal beim Training dabei
 
Fußballgirls mit ihrem Trainer Neelam Rai

Eltern gründeten den 1. Mädchen Fußball Club Hamburg, damit (nicht nur) ihre Tochter spielen und trainieren kann

Von Dagmar Gehm
Hamburg. „Geh weiter aus dem Tor raus, Anna!“, ruft Heinz Kohlbach der Keeperin zu. Prompt verlässt die Neunjährige den Minikasten und wagt sich weiter vor in Richtung gegnerischen Angriff.
Anna Rückemann ist Mitglied des „1. Mädchen Fußball Club Hamburg von 2013 e.V.“, kurz 1. MFC. Für den Outdoor-Sport hat sie sich entschieden, „weil man drinnen immer so aufpassen muss, dass man nichts zertrümmert. Außerdem haben mich in der Schule die Jungs nie mitspielen lassen.“ Ein schlagendes Argument, das Mutter Stefanie ergänzt: „Durch Fußball hat sich Annas Teamgeist deutlich verbessert. Und er hält er sie von zuviel Fernsehen und PC-Spielen ab.“
„Kick it like Beckham?“ Nie gehört! Nur die älteren kennen noch den Film über die junge Engländerin mit indischen Wurzeln, die unbedingt Fußball spielen wollte. Die Mädchen in ihren lila Trikots, die auf dem Sportplatz Struckholt in Klein Borstel bolzen, mussten weder Sturm gegen elterlichen Widerstand laufen noch heimlich am Training teilnehmen. Im Gegenteil – sie werden nach Kräften unterstützt und gefördert.
Allen voran vom Gründer des 1. MFC, Heinz Kohlbach und seiner Frau Christine als 1. Vorsitzender. „Nachdem unsere 15-jährige Tochter Angelina in mehreren Clubs nicht glücklich war, beschlossen wir, einen eigenen Verein zu gründen. Eine Nische zu schaffen für Mädchenfußball, der noch lange nicht genug gefördert wird.“ Beim VfW Oberalster konnte der Versicherungsangestellte andocken, um das Vereinslokal samt Umkleidekabinen und Duschen zu nutzen. Obwohl der städtische Grandplatz viel Staub aufwirbelt und ein Platzwart fehlt, sind die Kohlbachs dankbar, zumal im Winter die Aussicht auf Hallen im benachbarten Albert Schweitzer Gymnasium besteht. 26 Mädchen im Alter von neun bis 15 Jahren, die dem 1. MFC seit Gründung im Februar 2013 beigetreten sind, spielen in B- bis E--Teams je nach Jahrgang. Als eingetragener Verein ist er sowohl Mitglied des Hamburger Sportbunds als auch des Hamburger Fußballverbands und nimmt mit einer B, D- und E-Juniorinnenmannschaft am Punktspielbetrieb teil.
Inzwischen gibt es einen richtigen Trainer, Neelam Rai, 25, der auch bei den „Rabauken“ des FC St. Pauli tätig ist: „Bei den Mädels bin ich zweimal pro Woche ehrenamtlich im Einsatz, weil ich es wichtig finde, dass Frauenfußball gefördert wird. Meine Eltern kommen aus Indien, wo Frauen vielerorts noch unterdrückt werden.“ Die Mädchen finden ihn toll. Dass Neelam „total gut motiviert“, meint auch Oliver Christ, Vater der neunjährigen Lilly: „Er trainiert die Mädels altersgerecht und stellt das Spielerische in den Vordergrund“.
„Sehr am Herzen liegt mir Integrationsarbeit“, sagt Heinz Kohlbach. Dafür hat er schon mal bei der Wohnunterkunft Pavillondorf angeklopft und ist auf großes Interesse gestoßen. Der Hamburger Sportbund, so hofft er, wird die Beiträge für die Zuwanderinnen übernehmen. Genau da setzt der Mädchen-Fußballclub an. Als Ergänzung zu den bereits bestehenden Vereinen in Hamburg, mit noch mehr Angebot. Jugendaustauch und Camps mit prominenten Spielerinnen sind geplant und neben der bereits existierenden Mädchen AG im Albert Schweitzer Gymnasium noch weitere AGs in Schulen zu gründen. Gesucht werden noch weibliche Trainer. Über Sponsoren sollen die Pläne finanziert werden. Bisher hat der Verein von der Peter-Mählmann-Stiftung der Haspa 2.000 Euro erhalten.
Bei den Mädchen steht jetzt der Ehrgeiz im Vordergrund, das nächste Heimspiel gegen Komet Blankenese am 30. August zu gewinnen. Anna wird noch nicht dabei sein, aber ihren Freundinnen kräftig die Daumen drücken.

Kontakt: Tel.: 18 06 38 24, Email: info@mfc-hamburg.de
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