Rudersport Winterhude: Rudern nach Gehör

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Beim Alster-Ruderverein Hanseat rudern auch Sehbehinderte mit Foto: ARV Hansea
Hamburg: Kaemmererufer 30 |

Beim Alster-Ruderverein Hanseat sind Sehbehinderte mit an Bord

Von Christian Hanke
Winterhude
Im neuen Vereinshaus des Alster-Rudervereins (ARV) Hanseat am Kaemmererufer spielen Kontraste eine besondere Rolle. Auf schwarz und weiß wurde beim Bau besonderen Wert gelegt. Denn bei den Winterhuder Hanseaten rudern seit drei Jahren auch Sehbehinderte. Viele können sich anhand von Farbkontrasten besser orientieren. So wurden helle Möbel angeschafft, die auf einem dunklem Boden stehen. Indirekte Beleuchtung hilft vielen Sehbehinderten ebenfalls. Sieben Sehbehinderte rudern mittlerweile in den Booten des ARV Hanseat. Gemeinsam mit Nichtbehinderten.

Großes Freiheitsgefühl

Der Winterhuder Ruderclub ist Hamburgs einziger mit Inklusionsangebot. Ein sehbehindertes Mitglied des Vereins hatte vorgeschlagen, Menschen mit eingeschränkter Sehkraft mit rudern zu lassen. Er konnte auch gleich entsprechende Kontakte knüpfen, so dass sich 2015 schon sechs Sehbehinderte zum Mitrudern meldeten. Denen macht es einen Riesenspaß auf der Alster und seinen Kanälen die eigenen Kräfte zu erfahren. „Das ist für sie ein großes Freiheitsgefühl“, erzählt Birgit Au, eine von drei Mitgliedern des Inklusionskomittees, das der Verein gebildet hat. Dieses Gremium kümmert sich um die behinderten Neumitglieder, holt sie, wenn gewünscht auch vom nahen U-Bahnhof Saarlandstraße ab. „Wir lassen sie auch auf den Vereinsbooten nicht aus den Augen“, erzählt Birgit Au. Was nur fürsorglich und nicht „aufpasserisch“ gemeint ist. Fürsorge bieten die Vereinsmitglieder nur an, wenn sie gewünscht wird. Viele Sehbehinderte finden sich auf den Booten und beim Rudern bereits bestens zurecht. Sie orientieren sich übers Gehör an den Ruderbewegungen. Nicht nur auf der Alster, auch am Wanderrudern auf anderen Gewässern in Deutschland nehmen die Sehbehinderten teil. Wie zum Beispiel an einer Drei-Tage-Fahrt nach Berlin. „Es macht sehr viel Spaß. Die frische Luft, die Atmosphäre auf dem Wasser, das ist sehr angenehm. Wir hören die Menschen am Ufer, wir spüren, wie sie uns beobachten. Und es ist ein Zusammenspiel, Teamgeist ist gefordert. Das klappt sehr gut mit Nicht-Behinderten“, freut sich der blinde Humberto Caba (44), der seit letztem Jahr mit rudert.

Keine ständige „Bemutterung“ nötig

„Am Anfang haben wir uns zu viel gekümmert. Das hat uns manchmal an Kapazitätsgrenzen gebracht“, erzählt Birgit Au. Doch bald merkten die Ruderer, dass die Sehbehinderten sich schnell an Boote und Wasser gewöhnen und gar nicht ständig „bemuttert“ werden mussten. Beim Blindenverein Oldenburg hat sich das Inklusionskomittee aber doch informiert. Birgit Au und ihre Mitstreiter setzten sich auch Schlafbrillen auf, um selbst die Erfahrung von Blinden zu machen. „Die erzählten uns von einer blinden Ruderin, die eine gerade Strecke im Einer gefahren ist. Der Trainer lief am Ufer nebenher. Die hat sich bestens orientieren können“, berichtet Birgit Au. Trotz aller Fürsorge bleibt es nicht aus, dass der eine oder die andere Sehbehinderte mal über irgendetwas stolpert oder sogar ins Wasser fällt. Macht nichts. „Die lachen sich selbst kaputt darüber“, erzählt Birgit Au. Die Sehbehinderten rudern übrigens nicht nur beim ARV Hanseat. Sie werden auch in die anderen Aktivitäten des Vereins wie geselliges Beisammensein oder Ferien mit eingebunden. „Sie gehen gern mit uns nach dem Training noch ein Bier trinken“, berichtet Birgit Au. Das kommt gut an: Kürzlich spendete ein Sponsor dem Verein deshalb sogar ein neues Boot und der Sparda Bank war die Inklusion beim ARV Hanseat einen Preis wert.

Weitere Infos: Alster-Ruderverein Hanseat
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