Susi will ein Comeback

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Back to the roots: Susi Kentikian lächelt sieges- sicher und reckt ihre Faust Foto: Haas
 
Prominente Unterstützung kommt von Udo Lindenberg. Er widmete Susi den Song „Wir werden jetzt Freunde“ Foto: Haas

Vom Flüchtlingskind zur Weltklasse-Boxerin: Susi Kentikian trainiert wieder

Winterhude Sie war nach Hamburg zurückgekehrt, wo ihre Familie lebt. Elf Monate nach ihrem letzten Kampf herrschte Flaute für Susi Kentikian, nachdem ihr Vertrag in einem Kölner Boxstall auslief. Seit Ende Juli trainiert sie wieder: in Winterhude, dort, wo alles anfing, in der Agon-Sportschule bei Frank Rieth. Bei Sparringsrunden probt sie jetzt wieder den Ernstfall.
„Am 2. Oktober wird wieder geboxt“, sagt die mehrfache Boxweltmeisterin im Fliegengewicht und reckt entschlossen ihre Faust. Mit ihrer zierlichen Statur erreichte sie als eine der kleinsten Profis bis jetzt stolze 33 Siege, davon 17 durch K.o., zwei Niederlagen musste sie einstecken. Noch sei die Gegnerin nicht bekannt. Aber sie will ihre Titel verteidigen und bereitet sich auf eine Fight Night in Wilhelmsburg vor. Am 11. September feiert sie ihren 28. Geburtstag und hat sich viel vorgenommen. „Ich möchte in den nächsten zwei Jahren noch einmal richtig durchstarten.“
Ihre Pläne zum großen Comeback hatte die zierliche Boxsportlerin unter Blitzlichtgewitter am vergangenen Mittwoch im Hotel Atlantic verraten. An ihrer Seite: Box-Kollege Artur Grigorian und Trainer Frank Rieth, mit dem sie immer freundschaftlichen Kontakt hielt. Zudem erschien – last but not least – Udo Lindenberg. „Wir haben uns hier im Atlantic kennengelernt und sind ins Gespäch gekommen. Seitdem sind wir befreundet“, erklärte Susi Kentikian. Lindenberg ließ sich von der langjährigen Flucht ihrer Familie aus Armenien inspirieren. Schon im Juli beim Konzert in Hannover hatte er Susi Kentikian – und mit ihr allen Flüchtlingen – seinen neuen Song gewidmet. Jetzt stimmt Udo an, Susi stimmt ein, beide singen – a capella – einige bewegende Liedzeilen: „Komm, wir werden jetzt Freunde, ist doch klar, dass das geht, aus verschiedenen Welten, doch derselbe Planet...“

„Back to the roots“


1992 waren die Kentikians mit ihren zwei Kindern wegen der Kämpfe um Bergkarabach aus Armenien geflohen. Nach einer jahrelangen Odyssee kommt die Familie 1996 nach Hamburg, lebt lange mit ungesichertem Status in Asylbewerberheimen. Susi joggt immer wieder im Stadtpark. Einmal will sie danach ihrem älteren Bruder zuschauen, damals in der Dorotheenstraße, als der Box-Trainer und Sportlehrer Frank Rieth sie herausfordert. Susi fängt Feuer, zeigt von Anfang an Kampfgeist und eine gute Einstellung. Um anschließend eine Karriere im Senkrechtstart zu absolvieren: Nach einem halben Jahr hat sie ihren ersten Kampf. Nach drei Jahren wird sie internationale Juniorenmeisterin im Amateurboxen, wechselt 2005 ins Profi-Lager. Erst ihr dreijähriger Profi-Vertrag sichert der ganzen Familie ein dauerhaftes Bleiberecht. Drei Jahre später wird Susi Deutsche.
Jahre zuvor noch wäre die Familie fast abgeschoben worden – zurück in das von militärischen Dauerkonflikten gebeutelte Armenien. Einmal wurde die Abschiebung fast in letzter Minute ausgesetzt: durch den Einsatz von Frank Rieth.
„Susi hatte zwar zwischendurch ihren sportlichen Fokus vernachlässigt. Aber jetzt muss sie nur zurück zu ihren Wurzeln. Ihre Stärken sind da“, kommentiert Frank Rieth ihr Trainig seit Ende Juli. Schon zahlreiche Schützlinge hat der erfahrene Amateur-Trainer zu Wettkämpfen begleitet. „Frank hat mein Talent damals entdeckt und mich intensiv gefördert. Auch jetzt bietet er mir großartige Unterstützung“, erklärt Susi Kentikian. Ihren nächsten Kampf bestreitet sie in Eigenregie: Mit „Kentikian Promotion“ will sie nicht nur persönlich antreten, sondern auch das Frauenboxen wieder nach vorn bringen, anderen den Weg bereiten und junge Nachwuchstalente fördern. (wh)
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