Abschied vom „SpielTiger“ in Farmsen

Anzeige
Leider bedeutet der Neustart im Spielhaus auch den Abschied vom „SpielTiger“, in dem sich liebevoll um die Kinder gekümmert wurde und es in jeder Woche tolle Spielgeräte gab. Der Kontakt soll aber bleiben Foto: kg
 
Im Haus wurde der Abschied vom „SpielTiger“ mit einem Picknick gefeiert. Bald sollen die Sanierungsarbeiten im Haus beginnen Foto: kg
Hamburg: Luisenhof |

Aber eine gute Nachricht: Einsatz hat sich gelohnt – Spielhaus „Molli“ darf bleiben

Von Karen Grell
Farmsen
Es war ein langer Kampf um das Spielhaus auf dem Mollenhauer-Spielplatz, kurz „Molli“ genannt, das vor über zwei Jahren kurz vor dem Aus stand. Nachdem Ruth Hellwig, die zuletzt das Spielhaus Am Luisenhof betreut hatte, in Rente gegangen war, wusste niemand so genau, wie es weitergehen soll. Nach Angaben des Bezirksamts bestand ein großer Sanierungsbedarf und somit wurde das Spielhaus zunächst auf unbestimmte Zeit geschlossen. Geld für die Weiterführung war zu diesem Zeitpunkt nicht in Sicht. Das wollten sich die engagierten Eltern aus dem Stadtteil aber nicht gefallen lassen und sammelten Unterschriften. Immerhin spielte in diesem Haus in Farmsen bereits die dritte Generation. „Seit rund 50 Jahren war dort kein einziger Tag unbesetzt“, erinnerte sich Tanja Schäfer, die ihre eigene Kindheit auf dem Mollenhauer-Spielplatz verbracht hatte.

Spielhaus bleibt


Heute steht sie lachend vor dem Haus, denn sie und die Eltern haben es gemeinsam geschafft, einen Weg zu finden, um das Spielhaus zu erhalten. Ab sofort gibt es einen Verein, der sich um das von allen geliebte Spielhaus kümmern wird. Gegründet von Birgit Gedike (55), einer Tagesmutter aus dem Stadtteil, wird der Verein „Open Hus Molli“ jetzt für den geregelten Ablauf im Haus sorgen. Den Vormittag über werden hier bis zu 15 Kinder von einem Zusammenschluss von Tagesmüttern, darunter Birgit Gedike und ihre Tochter Annika Karamanides (31) betreut, im Anschluss steht das Haus ab 15 Uhr dem Stadtteil als Freizeitstätte offen. „Es hat lange gedauert, die Politik zu überzeugen, aber jetzt steht das Konzept“, freut sich auch Birgit Gedike, die hier zusammen mit den Farmsener Familien große Pläne umsetzen will. Bereits vor knapp zwei Jahren hatte Gedike sich für das Haus beworben und mit ihrem Konzept den Zuschlag bekommen. Bis dann Geld gewährt wurden, dauerte es.

Tagespflegestelle


Das Haus wird somit in Zukunft als Tagespflegestelle und Treffpunkt für den Stadtteil genutzt. Im Rahmen der offenen Kinder- und Jugendarbeit sollen hier Honorarkräfte und Ehrenamtliche den Nachmittag mit gestalten. „Es hat natürlich erst einmal gedauert, bis das Geld für die Umbauarbeiten, die nun nötig wurden, genehmigt wurde“, berichtet Gedike, die alle Eltern hinter sich hat. Alles, was nicht mehr von den Behörden übernommen werden kann, wollen sie deshalb einfach selbst machen. „Zur Not streichen wir hier auch zusammen mit den Nachbarn“. Wichtig sei es den Familien aus der Umgebung nur, „dass ihr Molli erhalten bleibt“.

Günstige Mieten, kleine Gärten


Namensgeberin des Spielplatzes wurde bereits die erste Betreuerin Paula Mollenhauer, die 1936 bei den Olympischen Spielen in Berlin Bronze als Diskuswerferin holte. „Die war groß wie ein Baum und wurde von allen respektiert“, erinnern sich auch die älteren Spielplatzgänger. Als dann die Siedlung rund um den Mollenhauer-Spielplatz in den 1950er-Jahren erbaut wurde, zogen vor allem junge Familien in den Stadtteil. Viele von ihnen mit mehreren Kindern. Heute leben sogar noch einige der ersten Mieter in den Reihenhäusern, und auch die Verwandtschaft hat einige Häuser übernommen. „Wer will hier schon weg“, sagt Birgit Gedike, die seit Jahren als Tagesmutter Kids aus dem Viertel betreut. Günstige Mieten, kleine Gärten hinter den Häusern und rund herum nur Grün, so stellen sich viele das ideale Stadtleben vor.

„Ort mit Tradition“


Nach dem Vorbild der erfolgreichen Olympia-Kämpferin Paula Mollenhauer haben die Eltern hier nicht aufgegeben und um ihr Spielhaus, das schon vor dem Verfall stand, mit allen Kräften gekämpft – und es hat sich gelohnt. Vermutlich schon im Juli sollen die Sanierungsarbeiten abgeschlossen sein. Das Haus kann dann wieder voll genutzt werden. Mit der Neueröffnung des Spielhauses war allerdings auch ein kleiner Abschied verbunden. Der SpielTiger, das Spielmobil, dass hier Jahre lang die Zeit überbrückt hat, musste sich nun verabschieden. „Wir sind immer so super gern hergekommen“, bedauert Imke Prochazka die Entscheidung. Sie weiß aber auch, dass sie das Spielhaus nun beruhigt zurücklassen kann und sie versichert: „Wir bleiben auf jeden Fall in Kontakt mit den tollen Eltern hier. Für uns ist mit der Weiterführung des Spielhauses eben auch ein Traum wahr geworden“, bestätigen Tanja Schäfer und Birgit Gedike, die zusammen mit den anderen Müttern und Vätern nie wirklich daran gezweifelt hatten, dass ihr „Molli“ bleiben darf: „Dieser Ort hat Tradition, fast etwas Magisches.“
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige