Elektro-Ladesäulen sorgen für Zoff in Farmsen

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Können sich mit der Ladesäule nicht anfreunden (v. l.): Bürgervereinsvorsitzender Hans-Otto Schurwanz, Gastronom Rateb Alhanbali, Blumenhändler Werner Oelze und Friseurin Jutta Nikolajew Foto: tel
Hamburg: Neusurenland |

Die „Tankstellen“ für Elektroautos „klauen“ die Kundenparkplätze, so die Geschäftsleute. Sie werden nicht genutzt

Von Michael Hertel
Farmsen
Jutta Nikolajew (54) ist „auf Zinne“: „Wir haben eh schon zu wenig Parkplätze – und jetzt das“, erklärt die Friseurin mit Hinweis auf die neueste Errungenschaft vor der Tür. In der kleinen Parkzone an der Ecke Neusurenland, August-Krogmann-Straße in Farmsen belegt seit kurzem eine Ladesäule für Elektroautos zwei Parkplätze. „Kein anderer darf hier noch parken. Aber Elektroautos habe ich noch nicht gesehen“, berichtet Nikolajew, die „Ihre Frisierstube“ 1990 gründete. Blumenhändler Werner Oelze (67) stößt ins gleiche Horn: „Ich bin auf die Laufkundschaft angewiesen. Viele haben sich bisher schon über die Parkplatzsituation beschwert.“ Und Rateb Alhanbali (37), Inhaber des Syrischen Restauarants meint: „Die Kunden kommen ausschließlich mit dem Auto. Meine Erfahrung: Wer keinen Parkplatz vor dem Haus findet, fährt weiter.“ An der Ecke gibt es 18 Parkplätze für rund ein Dutzend Geschäfte.

Bürger nicht gefragt


Bürgervereinsvorsitzender Hans-Otto Schurwanz: „Hier ist mal wieder über die Köpfe der Bürger hinweg geplant worden. Es gab keinerlei Informationen vorher. Man hätte die Ladesäule auch hundert Meter weiter auf der August-Krogmann-Straße installieren können.“ Zuständig für die Aufstellung ist Stromnetz Hamburg (Kosten pro Säule: rund 8000 Euro), aber die Standort-Auswahl trifft die Wirtschaftsbehörde (BWVI). Deren Sprecherin Susanne Meinecke: „In einem mehrstufigen Analyse- und Rechercheverfahren erfolgt die Auswahl des optimalen Standorts. Jeder wird durch den Bezirk mit den Wegewarten, der Polizei sowie dem örtlichen Grünamt vor Freigabe geprüft.“

170 E-Säulen in Hamburg


E-Mobile dürfen bis zu zwei Stunden lang Strom zapfen, zahlen nur die Stromkosten, aber keine Parkgebühren. Bislang gibt es in Hamburg knapp 170 Säulen. Bis Oktober sollen es 300 werden. Derzeit sind in Hamburg knapp 5000 Elektro- und Hybrid-Fahrzeuge zugelassen. Insgesamt fahren mehr als 750.000 Autos mit dem „HH“-Kennzeichen. Das Resümee der Farmsener Geschäftsleute: „Eine schöne Sache, wenn es denn genügend Kunden mit Elektroautos gäbe.“ Hört sich an wie die Geschichte mit dem Huhn und dem Ei.
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3 Kommentare
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Sebastian Willing aus Ahrensburg | 30.03.2017 | 07:43  
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Gerrit Moritz aus Barmbek | 30.03.2017 | 23:11  
1.310
Elke Noack aus Rahlstedt | 03.04.2017 | 18:10  
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