Könige und die Damen

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Schachclub Farmsen sucht dringend Nachwuchs

Von Michael Hertel

FARMSEN. Die Gemeinschaft ist ziemlich klein, hält aber fest zusammen: Der Schachclub Farmsen, derzeit knapp 30 Mitglieder stark, feiert dieser Tage 50. Geburtstag. Das Jubiläumsjahr hat nicht gerade motivierend begonnen, ist man doch durch den kurzfristigen Ausfall dreier Stützen mit der ersten Mannschaft aus der Stadtliga (5. Klasse) abgestiegen.

Sorgen bereitet vor allem die Nachwuchsgewinnung. Gerade bei der Jugend ist die Konkurrenz schier übermächtig: Internet, Computer-Spiele und Smartphones. „Schach muss man mit Menschen spielen, nicht mit Computern“, erklärt der beste Spieler des Vereins, Konstantin Abicht (56). Der Haspa-Jurist mit der Elo-Bestmarke von 2183 (Bewertungszahl der Leistungsfähigkeit – ein Anfänger hat unter 1000, Weltmeister Magnus Carlsen schaffte schon 2855) spielt seit seinem zehnten Lebensjahr (Abicht: „Die WM-Kämpfe Fischer-Spasski haben mich fasziniert“) und trainiert auch die größte Nachwuchshoffnung des Vereins, seine Tochter Aruna (13).

Trösten können sich die Farmsener derzeit nur mit dem Argument, dass es anderen Vereinen noch schlechter ergangen ist: Der Vereinsvorsitzende Ulrich Materne: „In den letzten 30 Jahren haben sich fast ein Drittel der Hamburger Schachvereine aufgelöst.“ Dabei steht das königliche Spiel nicht nur wegen des berühmten jährlichen Wettkampfs zwischen dem linken und rechten Alsterufer nach wie vor hoch im Kurs: „Dort werden Schachtrainer händeringend gesucht“, berichtet Abicht, der selbst zwei Schach-AGs an der Schule Fahrenkrön leitet. Frei nach dem Motto: Wenn schon die Schüler wegen des Nachmittagsunterrichts kaum noch zu uns kommen, dann kommen wir eben zu ihnen.

In der Tat: Junge Laufkundschaft ist bei der Seniorenwohnanlage Max-Brauer-Haus am Hohnerredder (Bramfeld) kaum zu erwarten, wo sich die Mitglieder seit Jahrzehnten jeden Montagabend zu Training oder Punktspielen treffen. Den kürzesten Anmarschweg hat dabei das älteste Mitglied Günter Kling (94), der im Hause wohnt. Kling ist der lebende Beweis, dass „Schach geistig fit hält“.

In Sachen Nachwuchsgewinnung hofft Materne (67), der schon 1965 dabei war, als man noch als Schachabteilung des SC Condor firmierte, auf das Jubiläumsturnier mit dem befreundeten Volksdorfer Schachklub am Montag, 4. Juli, 19 Uhr, am Hohnerredder: „Da dürfen gern Interessenten vorbei schauen, einfach mal kiebitzen oder selbst spielen“, lädt das „Urgestein“ ein. Bis zum traditionellen Schnellschachturnier „Farmsener Springer“ im November muss niemand warten, um ein paar Züge mit König, Dame und Turm selbst zu versuchen.
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