Stadtnah und doch im Grünen

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Mitten auf der ‚Grünen Wiese‘: die St. Lucas-Kirche 1912 nebst Pastorat auf der rechten Seite Foto: Langenhorn Archiv

Am Flughafen arbeiten, in Parknähe wohnen: Darum ist es in Fuhlsbüttel so schön

Von Franz-Josef Krause
Fuhlsbüttel. Die Geschichte Fuhlsbüttels ist bis in das Jahr 1283 belegt. 75 Jahre später kaufte die Stadt Hamburg das Dorf, das seinen Namen von ‚Fulesbutle – Siedlung im Sumpfgelände‘ ableitet. Für Hamburg war die Lage an einer Alsterfurt interessant, hier gab es eine Mühle, die später zur Ratsmühle wurde. Eine Schleuse – die erste im Bereich der Stadt – wurde 1448 errichtet und ermöglichte über Alster und Trave einen leichteren Weg nach Lübeck auf dem Wasser. Das Dorf entwickelte sich nur langsam. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen Sommerfrischler aus der nahen Stadt, die den knapp 500 Einwohnern ein willkommenes Zubrot brachten.
Auch heute noch leben viele der inzwischen gut 12.000 Fuhlsbüttler von Reisenden; von den rund 14 Millionen Gästen, die den größten Arbeitgeber des Stadtteils, den Flughafen Fuhlsbüttel, heute ‚Hamburg Airport‘, nutzen. Etwa 15.000 Arbeitsplätze bietet der Flughafen
direkt und indirekt. Dennoch hat es Fuhlsbüttel geschafft, seinen dörflichen Charakter zu bewahren. Darauf sind die Einwohner ganz besonders stolz. Nicht nur ältere Bürger, wie der ehemalige Pastor von St. Lukas und
Hobby-Imker, Friedhelm Nolte, sehen das so. Auch Kirsten Wachsmann und Svenja Matthäi, zwei junge Mütter, die das WochenBlatt im Wacholderpark traf, heben positiv den dörflichen Touch ‚ihres‘ Stadtteils hervor. „Hier leben wir stadtnah und doch mitten im Grünen“ so die aus Harburg stammende Kirstin Wachsmann „und hier ist geradezu die ideale Umgebung für Kinder, die es auch reichlich gibt.“ Ähnlich sieht es die Wolfsburgerin Svenja Matthäi, die seit zwölf Jahren im Stadtteil lebt. „Ich mag den im besten Sinne provinziellen Einschlag und die vielfältigen Geschäfte am Erdkampsweg – was aber noch ausbaufähig ist, das ist das Bekleidungsangebot für junge Leute. Aber ansonsten – Fuhlsbüttel, das ist ein
toller Stadtteil!“

Bau-und Sparverein
Den Bevölkerungszuwachs hat Fuhlsbüttel zu großen Teilen dem ‚Bau- und Sparverein zu Hamburg‘ zu verdanken, dessen Initiator und Förderer der Kaufmann und Sozialpolitiker Heinrich Traun war. Eine Straße und ein Platz samt Denkmal erinnern noch heute an ihn. Sein Sohn Friedrich Adolph gewann – heute undenkbar – bei der ersten Olympiade der Neuzeit 1896 in Athen gemeinsam mit einem Iren die Goldmedaille im Tennis Herrendoppel.
Klar wird auch heute noch im Stadtteil Sport getrieben. Mit dem ‚Alstereck e.V. Verein für Wassersport‘ zum Beispiel hat Fuhlsbüttel einen außerordentlich erfolgreichen Kanusportverein, der auch für Anrainer offen ist. Auch der Sportclub Alstertal-Langenhorn, kurz Scala genannt, hat im Stadtteil seine Heimat. Nicht ganz so offen, aber dennoch international besetzt, ist eine andere Einrichtung: Fuhlsbüttel hat seit 1874 eine Strafanstalt, die als Santa Fu gewisse Berühmtheit über Hamburgs Grenzen hinaus erlangt hat. Deutlich später, nämlich 1893, kam die St. Lukas Kirche hinzu; dann folgte 1912 der Flughafen und 1914 wurde die U-Bahnstation im Rotklinker am Kleekamp gebaut. Rot – das ist ein gestalterisches Element in Fuhlsbüttel. Schmucke Rotklinkerbauten dominieren den Stadtteil. Mit dem Kleekamp, an dem vor 100 Jahren vermutlich tatsächlich noch Klee wuchs, hat Fuhlsbüttel außerdem die wohl einzige Straße Hamburgs, die fast komplett von Rot blühenden Kastanien gesäumt ist. Vor Jahrzehnten haben die damals beim Straßenbauamt Verantwortlichen nicht nur behördlichen Weitblick, sondern auch Phantasie walten lassen. Denn man pflanzte damals nicht wie an der Alsterkrugchaussee oder der Langenhorner Chaussee kleckernde Linden, sondern ‚Aesculus carnea‘, die ‚Fleischrote Rosskastanie‘.
Jeden Mai kleidet sich der Kleekamp dank dieser prächtigen Bäume für kurze Zeit in die rote Farbe des Namensgebers, in die Farbe des Wiesenklees. Ein ganz besonderes Kleinod kann Fuhlsbüttel außerdem aufweisen: Zwischen Kleekamp und Wacholderweg legte bereits 1910 der seinerzeit berühmte Gartenarchitekt Lebrecht Migge den ‚Öffentlichen Garten Fuhlsbüttel‘ – den heutigen Wachholderpark – an, der mit seinen Laubengängen an barocke Gartenanlagen erinnert.
Damals wie heute dient der Park mit Wiese und Spielplatz jungen und alten Anwohnern als Auslauf- und Erholungsfläche. 1913 dann, vor 100 Jahren, änderte sich der Status des Dorfes Fuhlsbüttel grundlegend.
Aus dem Dorf, das Hamburg gehörte, wurde ein Teil der Stadt. Ein Stadtteil, in dem sich die Bewohner in fast dörflicher Geborgenheit fühlen, der aber mit dem Erdkampsweg eine Einkaufsmeile hat und der durch den Flughafen mit der großen, weiten Welt verbunden ist. Mit 100 Jahren immer noch jung. So ist Fuhlsbüttel – so sind seine Bewohner.
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