Bestrickender Blickfang

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Elke Engel (li.) und Martina Wilde haben schon drei Laternen im Schmuggelstieg mit knallbuntem Wollgestrick verziert. Foto: Biehl

Quartiers-Verschönerung der flauschigen Art: Bunte Wolle peppt Lampenmasten auf

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Durch eine im Wortsinn bestrickende Aktion sorgen zwei Geschäftsfrauen aus dem Schmuggelstieg für einen bisher einmaligen Blickfang: Sie verzieren die kahlen, kalten Eisenmasten der Straßenlampen mit weichem Wollgestrick. Eine Quartiers-Verschönerung der flauschigen Art, frei nach dem Motto: Grau raus, Bunt rein. Wenn Martina Wilde und Elke Engel gerade mal keine Kundschaft haben, sitzen sie in ihrem Laden und stricken. Kein Wunder, handelt es sich doch um ein Geschäft für Wolle, selbst gefertigte Strickmode und Accessoires samt angegliederter Kunstgalerie. In diesem schönen Ambiente entstand eines grauen Märztages die Idee. „Ich wollte hier einen bunten Akzent setzen“, sagt Martina Wilde.
Etwas Ähnliches habe sie vor längerem mal in einer Zeitschrift gesehen, berichtet die 42-Jährige. Laut der Internet-Enzyklopädie Wikipedia entstand die Maschen-Marotte um 2005 in den USA. Nach der üblichen transatlantischen Innovations-Verzögerung erreichte der Straßenkunst-Trend fünf Jahre später mit Frankfurt/Main erstmals deutschen Boden. Seither kennen immer mehr Kommunen das so genannte „Urban Knitting“.
Die beiden Ur-Langenhornerinnen trugen die Idee erst einmal bei Quartiersmanagerin Petra Wahlers vor. Die Diplom-Geographin hat die Aufgabe, das Image des historische Einkaufsviertels zu beiden Seiten der Landesgrenze in wirtschaftlich rauhen Zeiten zu fördern. Sie war begeistert: „Eine tolle Idee.“ Das Duo legte los. „Auch einige Kundinnen haben sich schon beteiligt“, freuen sich die beiden. Immer wieder werden Einzelteile angeliefert, deren Länge egal ist – sie dürfen allerdings nur 26 Zentimeter breit sein. Das ist der Umfang des Lampenmastes. Wilde und Engel nähen dann alles zu einem vier Meter langen Überzug zusammen. Bei der Montage hilft Elke Engels schwindelfreier Ehemann Andreas, der vier Meter hoch auf die Leiter steigen kann. Kurz unter der Lampe beginnt er das Strickwerk zu vernähen und gegen Abrutschen zu verdrahten.
Die optische Orgie aus Farben, Maschen und Mustern zaubert so manchem Kunden der Ladenstraße ein Lächeln auf die Lippen. „Wir haben nur positive Reaktionen erlebt. Und ein Kind freute sich mal: ‚Toll, dass die Laternen jetzt nicht mehr frieren müssen‘“, schmunzelt Engel.
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