Briefe aus der Nazi-Anstalt

Anzeige
Briefumschlag einer ukrainischen Patientin der Anstalt Meseritz-Obrawalde von einem Brief an ihren Vater. Quelle: wb/ Staatsarchiv Hamburg

Krankengeschichten der Heil- und Pflegeanstalt Hamburg-Langenhorn

Langenhorn „Euthanasie“, die „Vernichtung unwerten Lebens“ – grauenvolle Worte für noch entsetzlichere Verbrechen unter nationalsozialistischer Herrschaft.
Einer, der immer wieder die Schrecken des Nationalsozialismus dem Vergessen entreißt und buchstäblich vor „unserer eigenen Haustür“ kehrt, ist der Autor Michael Batz. Er schrieb bereits mehrere Theaterstücke, in denen er die dunkelsten Kapitel der Geschichte Hamburgs aufarbeitet. In seiner neuen Arbeit „Briefe an die Stille“, die am Dienstag im Bucerius Kunst Forum am Rathausmarkt zu sehen ist, beleuchtet Batz die Rolle der ehemaligen Heil- und Pflegeanstalt Hamburg-Langenhorn (heute: Asklepios Klinik Nord).
Heil- und Pflegeanstalten wie die staatliche, geschlossene Einrichtung in Hamburg-Langenhorn dienten in der NS-Zeit nicht allein zur Unterbringung von Menschen mit psychischen Erkrankungen oder Behinderungen. Nach und nach wurden sie zu Orten der Ausgrenzung, zu Auffangbecken und Abschiebestationen auch für Unangepasste, Bombenverwirrte, politisch suspekte oder widersetzliche Zeitgenossen, für jüdische Patienten, für Kriegsgefangene, Zwangs- und Ostarbeiter.
2.500 Krankenakten und Briefe von Angehörigen und Betroffenen sichtete Batz, um die Schicksale der Menschen in solchen Einrichtungen nachzuvollziehen und sie auf die Bühne zu bringen. Neben den Fällen aus Langenhorn zwischen 1941 und 1945 berücksichtigt das Stück auch die Krankenakten der Heil- und Pflegeanstalten Meseritz-Obrawalde, Eichberg und Hadamar. Die szenische Lesung mit Musik verwendet ausschließlich dokumentarisches Material, so erzählt sich die Geschichte unmittelbar selbst, vorgetragen von namhaften Schauspielern wie Jantje Billker, Tim Knauer, Erik Schäffler und Isabella Vértes-Schütter. Die Musik stammt von Edgar Herzog. (sh)

Dienstag, 3. Februar, 20 bis 22 Uhr, Bucerius Kunst Forum, Rathausmarkt 2, Eintritt: 10 Euro, ermäßigt 8 Euro.

Weitere Infos: Bucerius Kunst Forum
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige