Ein Stolperstein aus Noten

Wann? 26.05.2013

Wo? Christophoruskirche, Poppenbüttler Stieg 25, 22339 Hamburg DE
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Schwarzwaldmädel – auch unterm Bollenhut ist nicht alles gut. Dennoch ist die Operette von Leon Jessel eine seltene musikalische Delikatesse, die man sich nicht entgehen lassen sollte Foto: Krause
Hamburg: Christophoruskirche |

Das „Schwarzwaldmädel“ erinnert an den jüdischen Komponisten Leon Jessel

Hummelsbüttel. Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Mit diesen Gedenktafeln soll an das Schicksal von Menschen erinnert werden, die im Nationalsozialismus ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Auch im Norden Hamburgs liegen Stolpersteine, stumme Zeugen, die auf Einzelschicksale aus der verbrecherischen NS-Zeit hinweisen. Einen Stolperstein der singt und tanzt setzt die Hummelsbütteler Christophorus-Gemeinde einem Künstler, der heute fast vergessen ist. Leon Jessel. Wer war Leon Jessel? Geboren wurde er 1871 in Stettin als Sohn wohlhabender jüdischer Eltern. Schon als 17-jährigen drängte es ihn zum Theater. Im gleichen Alter verließ Jessel die jüdische Gemeinde. Er schrieb populäre Märsche, Orchestermusik und Operetten. 1933 wurde er wegen seiner jüdischen Herkunft mit Berufsverbot belegt. An seinen Librettisten Wilhelm Sterk schrieb er „Ich kann nicht arbeiten in einer Zeit, wo Judenhetze mein Volk zu vernichten droht, wo ich nicht weiß, wann das grausige Schicksal auch an meine Tür klopfen wird.“ Der Text wurde gefunden. Es folgte Verhaftung und Folter. 1942 starb der Schöpfer heiterer Melodien und zackiger Märsche an den Folgen der Misshandlungen im jüdischen Krankenhaus in Berlin. Eines seiner bekanntesten Werke ist die Operette ‚Schwarzwaldmädel‘. Die Uraufführung fand am 25. August 1917 in Berlin statt. Bis zur ‚Machtergreifung‘ wurde das Stück über 6.000 in Deutschland aufgeführt. Die Operette zeigt nicht nur die heile Welt, sondern auch Konflikte im allzu fest gefügten dörflichen Schwarzwald. Die Musik von Leon Jessel wird gern auf wenige Walzer in diesem Stück reduziert. In Hummelsbüttel gibt es die seltene Gelegenheit, das Werk in seiner Gesamtheit zu erleben. (fjk)
Sonntag, 26. Mai, 18 Uhr Christophoruskirche Hummelsbüttel, Poppenbüttler Stieg 25. Karten 8 Euro (5 Euro) unter Tel. 6403465
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