„Platt bi de Speeldeel is ok wat för junge Lüüd“

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Bei der 50. Speeldeel-Inszenierung „Mien Fro hett‘n Brögam“ ging es in drei Akten um allerlei komische familiäre Ver- und Entwicklungen Anfang der 1920er Jahre in Hamburg Foto: Speeldeel

Theatergruppe des Heimatvereins Klein Borstel präsentierte die 50. Inszenierung

Von Daniela Maria Hübsch
Klein Borstel. Seit über 60 Jahren pflegt und fördert der Heimatverein Klein Borstel e.V. die Plattdeutsche Sprache auf seiner Speeldeel-Bühne. Jetzt gab es die 50. Inszenierung mit der 250. Aufführung. Eine reife Leistung! Manfred Thiele, seit über 25 Jahren als Vereins-Vorsitzender dabei, war bis 2012 Intendant der Speeldeel und ist immer noch aktiv, wenn es darum geht, die norddeutsche Mundart vor dem Aussterben zu bewahren und Nachwuchs für das plattdeutsche Theater zu begeistern.
Nur noch etwa zehn Prozent der Hamburger sprechen Plattdeutsch, die meisten davon sind über 60 Jahre alt. Dabei war Plattdeutsch bis etwa 1850 in aller Hansebürger Munde.

Heimatkultur

„Aber damit die Pfeffersäcke sich von den einfachen Leuten abgrenzen konnten, begannen sie hochdeutsch zu sprechen.“, kommentiert Manfred Thiele die Entwicklung. So war Plattdeutsch lange Zeit als rückständige Sprache, die nur noch von Ungebildeten genutzt wird, verrufen. Diese Einstellung hat sich inzwischen gewandelt. Die Hamburger besinnen sich wieder auf dieses Stückchen Heimatkultur. Wer heute Plattdeutsch spricht, der beweist damit, dass er ein echter
Hamburger ist.

Plattdeutsch in der Schule

Seinen Beitrag hat auch der Plattdeutsche Rat für Hamburg geleistet, dem Manfred Thiele ebenfalls angehört. Dort
sitzen von den Hamburger Bürgervereinen, der Bürgerschaft, den Kammern, dem Rundfunk und Ohnsorg-Theater gewählte Vertreter, die sich in der
Öffentlichkeit für den Erhalt des Plattdeutschen stark
machen. Ihnen ist es zu verdanken, dass Plattdeutsch seit 2012 wieder an einigen Hamburger Grundschulen als Unterrichtsfach angeboten wird.
Die Stücke der Speeldeel des Heimatvereins Kleinborstel e.V. sind in leicht verständlichem Plattdeutsch verfasst. „Wird
es komplizierter, dann übersetzen wir auch schon mal mittenmang. Wir wollen die Zuschauer ja schließlich begeistern“,
erklärt Manfred Thiele. Übrigens sind nur zwei der Schauspieler des Speeldeel-
Ensembles mit Plattdeutsch groß geworden, die anderen haben
es wie eine Fremdsprache gelernt. Im Vorteil ist, wer Englisch oder Holländisch beherrscht, aber auch ohne diese Kenntnisse ist Plattdeutsch gut lernbar. Für Schauspieler ist hier jedenfalls ein Zukunftsmarkt und für Zuschauer wird viel geboten.


Info:
Der Heimatverein Klein Borstel wurde 1950 gegründet. Er zählt heute fast 800 Mitglieder. Highlights im Veranstaltungskalender sind die Sommerausfahrten, Dorffeste und Speeldeel-Aufführungen.
Dauerveranstaltungen sind der plattdeutsche Abend und der Skatabend im Gemeindehaus, Stübeheide 172.
Nächste Termine: Skat+Canasta
am Montag, 6. Mai, ab 19 Uhr
Tel. 59 35 37 88.
Plattdüütscher Namiddag am Dienstag, 7. Mai,
15.30 Uhr. Info: t 50 27 13 oder 520 82 71. (hfr)
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