Sperlingskinder

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Sperlingskinder: Erinnerungen an Irma Sperling. Quelle: Facebook

Lesung in St. Marien

Fuhlsbüttel. Sie dürfen nicht vergessen werden, die Euthanasie-Opfer der NS-Zeit. Besonders nicht Menschen wie Irma Sperling. Ein Mädchen, das einfach aus dem Leben der Familie verschwand. Heute ist nach dem Mädchen eine Straße in Alsterdorf benannt. Auf dem Straßenschild steht „nüchtern“ unten drunter „Opfer der Euthanasie im 3. Reich“.
Das Mädchen war erst 13 Jahre alt, als es starb. Grippe, eine Lungenentzündung lautet die Todesursache. Antje Kosemund war Irmas Schwester. Ihr zuliebe hat sich ein Buch geschrieben. „Sperlingskinder“ heißt es. Sie selbst war noch ein Kind, als ihre Schwester Irma abgeholt wurde. Sie lebten zusammen, mit neun Kindern in Barmbek-Nord, in einer 3-Zimmer-Wohnung. Antje Kosemund erinnert sich an Irma, der 15 Monate jüngeren Schwester, wie sie in ihrem Gitterbettchen saß und vergnügt zu den Liedern, die sie alle sangen, mit den Armen wippte. Die Familie war in der NS-Zeit verfolgt worden. Als Antjes Eltern dem Druck der Familienfürsorge nachgeben, wird Irma am 21. Dezember 1933 in die Alsterdorfer Anstalten eingewiesen. Ihr unbeschreiblicher Leidenwegs beginnt und endet grausam erst gut zehn Jahre später.
Irma Sperling hat ihre Ruhe auf insgesamt drei Friedhöfen gefunden. Ihr Körper wurde in einem Massengrab beerdigt. Das war 1944 in Wien. 1996 wurde ihr Gehirn in Hamburg beigesetzt; eine Gehirnscheibe dann 2002. Für die „Forscher“ war damals eines interessant: Das Gehirn eines geistig behinderten kleinen Mädchens. Doch es soll mehr übrig bleiben.
Antje Kosemund hält die Erinnerung an ihre kleine Schwester wach. Seit mehr als 20 Jahren hält sie Vorträge, um zu erinnern, und an das, was „angeblich“ nie passiert ist – an die Opfer der Euthanasie in der NS-Zeit.
Im Rahmen der Woche des Gedenkens laden die Kirchengemeinde St. Marien und der Verein für stadtteilbezogene Kulturarbeit, Backstube Fuhlsbüttel e.V., zu einer Lesung mit Antje Kosemund ein. Sie wird aus ihrem Buch „Sperlingskinder, Faschismus und Nachkrieg: Vergessen ist die Verweigerung der Erinnerung!“ vortragen. Eintritt frei. (nk)
u Donnerstag, 31. Januar, 19 Uhr, Gemeindesaal St. Marien, Am Hasenberge 44
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