20 Polizisten mehr im Einsatz

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Erhöhte Polizeipräsenz und -kontrollen in der Umgebung der Feuerbergstraße sollen jetzt die Regel sein
 
Eiscafé-Betreiber Atik Aslantas hat seine Zweifel: „Die Jungs von heute sind bald wieder weg. Aber dann kommen neue, die unsere Regeln mit Füßen treten.“

Straffällige jugendliche Flüchtlinge machen Alsterdorf und Ohlsdorf unsicher

Von Klaus Schlichtmann
Alsterdorf/Ohlsdorf. Es ist offenbar ein wenig ruhiger geworden und sicherer auf dem Alsterdorfer Markt und den angrenzenden Straßen - ein erster Erfolg der Behörden im Kampf gegen Belästigung, Einbruch, Diebstahl und Raub – Straftaten, für die in den vergangenen Wochen meistens jugendliche Flüchtlinge aus dem Kinder- und Jugendnotdienst-Heim Feuerbergstraße verantwortlich waren.
Die Polizei zeigt Präsenz, hat nun 20 zusätzliche Beamte in diesem Viertel im Einsatz, fährt verstärkt Streife, kontrolliert die jungen Einwanderer. Vor dem Heim selbst, nur ein paar hundert Meter vom kleinen Einkaufszentrum „Alsterdorfer Markt“ entfernt, patroullieren Männer einer Security-Firma. „Das wurde aber auch Zeit!“, sagt eine ältere Anwohnerin, die sich zuletzt - nachdem einer Seniorin auf offener Straße die Handtasche von der Schulter gerissen und verletzt wurde - kaum noch alleine vor die Tür wagte. „Gut, dass die Polizei jetzt da ist“, sagt auch Atik Aslantas (52), Betreiber eines Eiscafés am Markt, „aber das Problem ist damit ja nicht von Tisch. Die Beamten können uns nicht ständig und überall bewachen - und irgendwann werden sie wieder abziehen.“ Seit Wochen sorgen kriminelle „jugendliche unbegleitete Flüchtlinge“ - so die behördliche Bezeichnung - für Angst und Ärger bei den Bürgern und Schlagzeilen in den Medien. Beinahe sprunghaft war die Zahl der Straftaten in Alsterdorf und Ohlsdorf gestiegen: Autoaufbrüche, Keller- und Garageneinbrüche, Ladendiebstahl, Raub - und immer wieder rückten insbesonders Jugendliche aus Nordafrika in den Blickpunkt der Fahnder und Ermittler. Und die Beschwerden häuften sich. Kai Voet van Vormizeele, Mitglied der Hamburger Bürgerschaft und CDU-Innenexperte, war einer der ersten Politiker, der sich dieses bedrohlichen Problems annahm.
„Hier muss eindeutig verhindert werden, dass sich ein Brennpunkt von Jugendkriminalität im Bereich des Kinder- und Jugendnotdienstes an der Feuerbergstraße entwickelt!“, so der Politiker. Und weiter: „Die Polizei ist eigentlich nur das letzte Mittel.“ Van Vormizeele appelliert da eher an die Sozialbehörde, Verantwortung zu übernehmen.
„Ethnische Gruppen insbesondere aus Nordafrika haben das Problem verschärft. Daher muss zuerst der pädagogische Auftrag umgesetzt werden, diesen jungen Menschen die Regeln in unserem Land zu vermitteln – und sie nicht nur verwalten.“ Im Rotklinker-Gebäude des Kinder- und Jugendnotdienstes Feuerbergstraße sind zur Zeit 52 junge Leute unter-
gebracht, darunter ein Mädchen. Alle angeblich unter 18 Jahren – aber medizinische Untersuchungen in der Uniklinik Eppendorf überführen in der Regel ein Drittel aller vermeintlich Minderjährigen als Schwindler. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 623 Jugendliche für maximal 92 Tage in die Obhut sozialen Einrichtung genommen und betreut, die meisten aus Afghanistan (26 Prozent).
In diesem Jahr wird die Zahl sicher ähnlich hoch sein, der Anteil der Jugendlichen aus Ländern wie Marokko, Tunesien oder Libyen wohl aber weiter zunehmen. Staaten, die ein anderes Demokratieverständnis haben und einen anderen Umgang mit den jungen Menschen. „Die zu uns kommen, sind anders drauf, haben oft massive Gewalterfahrung hinter sich und sind pädagogisch nur sehr schwer zu erreichen“, erklärt Klaus-Dieter Müller, Geschäftsführer des zuständigen Landesbetrieb Erziehung und Beratung. „Sie halten sich nicht an die Hausregeln, sind selbst gegenüber unseren Betreuern aggressiv. Es sind zwar nur eine Handvoll, aber die machen uns das Leben schon schwer!“ Einer von ihnen heißt Hamsa, 17 ist er angeblich und kommt aus Marokko. Unumwunden gibt er vor laufender Kamera eines NDR-Teams zu, geklaut zu haben. „Ein Handy. Und Geld“, sagt er ins Mikro. „Aber das war vor ein paar Wochen, jetzt bin ich brav ...!“ Ob Hamsa und die anderen kriminellen Problem-Kids tatsächlich „brav“ sind und es auch bleiben, wird sich zeigen. (wb)
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