Abgeordnete fühlen sich verladen

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Klar für den Erhalt des Schulstandortes Grellkamp: Die Bezirksabgeordneten Rachid Messaoudi (Linke, v.li.), Carmen Wilckens (Grüne) und Martin Badel (SPD) sowie der CDU-Ortsvorsitzende Christian Sowada kamen auf Einladung der Quartiersmanagerin Rixa Gohde-Ahrens. Foto: Biehl

Schulbehörde: Grellkamp als Dependance kein Thema / Parteien wollen Druck machen

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Einmal mehr haben sich Vertreter der in die Bezirksversammlung Nord (BV) gewählten Parteien für den Erhalt des Schulstandortes am Grellkamp ausgesprochen – und einmal mehr hat die Schulbehörde (BSB) den Abgeordneten gezeigt, was sie davon hält: offenbar nichts.
Mehr noch: Die BV-Abgeordneten fühlen sich in einem gravierenden Punkt getäuscht. Jetzt sind sie nachhaltig angesäuert und wollen den Druck auf ihre Bürgerschaftsabgeordneten verstärken. Das wurde am vergangenen Mittwoch auf einer Sitzung des Stadtteilbeirates Essener Straße deutlich.



Normalerweise werden in dem Beirat vor allem Feste und Aktionen geplant, die das Image des Quartiers fördern sollen. Doch am vergangenen Mittwoch ging es hoch her. Thematisiert wurde die bevorstehende Schließung der Stadtteilschule (STS) Langenhorn am Grellkamp. Wie mehrfach berichtet, darf diese Schule keine fünften Klassen mehr aufnehmen, weil sie in zwei aufeinander folgenden Jahren nicht die erforderliche Anmeldezahl an neuen Schülern bekam. Damit läuft sie 2014 aus.
Doch das Thema ist viel komplexer. Es berührt auch die allgemeine Schulstandortpolitik für Langenhorn und vor allem die notwendigen Sanierungsprogramme, die die Stadt mehrere Millionen Euro kosten werden. Ein weiterer Aspekt ist der massive Zuzug von Neubürgern, wenn in den kommenden Jahren die neuen Baugebiete fertig gestellt sein werden. Genau in diesem Zusammenhang hatte Stadtteilbeirats-Mitglied Uwe Frank das Thema STS Grellkamp auf die Tagesordnung heben lassen. Für ihn sind die Rahmendaten, auf denen der Schulentwicklungsplan fußt, und die Schließung der STS „nicht nachvollziehbar“. Die Parteien gaben daraufhin ihre Statements ab. Das Ergebnis gleich vorweg: Die Bezirksabgeordneten sind eigentlich nicht für die Schulpolitik des Landes Hamburg zuständig. Aber sie wollen um den Standort Grellkamp kämpfen. Erst recht vor dem Hintergrund des jüngsten Affronts.
Wie berichtet hatte die BV im Juni einstimmig beschlossen, die Schulbehörde möge doch bitte prüfen, ob nicht wenigstens der Schulstandort Grellkamp erhalten bleiben könne, und zwar als Dependance der Fritz-Schumacher-Schule (FSS) am Timmerloh. Wenige Tage darauf hatte die Deputation der BSB das Aus für die STS beschlossen. Das Thema Erhalt des Standortes als FSS-Dependance wurde gar nicht angeschnitten.

Mehrfache Versuche?


Im Sommer schrieb dann die BSB an Bezirksamtsleiter Harald Rösler und erläuterte die Gründe der Schließung noch einmal. Zwei Absätze darin lassen allerdings aufhorchen: Es sei „mehrfach versucht worden, einer der in Langenhorn befindlichen Stadtteilschulen den Standort Grellkamp als Zweigstelle anzugliedern, jedoch stieß das Vorhaben bei den Beteiligten nicht auf positive Resonanz. Zu Deutsch: Die Schulen hatten sich schlicht über einen Vorschlag der Behörde hinweggesetzt. Offenbar aber ohne Konsequenzen.

Dependance-Lösung?


Weiter heißt es in der Stellungnahme: „Die BSB wird nach den Sommerferien noch einmal mit allen beteiligten Schulen Kontakt aufnehmen, um eine mögliche Kooperation zu erörtern.“ Hier horchten die BV-Abgeordneten auf. Sollte es also bei diesem Gespräch etwa um die ersehnte Dependance-Lösung gehen?
Doch offenbar war das eine behördliche Beruhigungspille, denn die Ernüchterung kam schnell. Das Gespräch des Oberschulrates mit den drei betroffenen Schulleitern fand tatsächlich am Montag vergangener Woche statt. Aber: „Das Thema Dependance stand gar nicht zur Debatte, nur die Abwicklung der STS Grellkamp“, haben die Schul-Experten Martin Badel (SPD) und Carmen Wilckens (Grüne) aus glaubwürdigen Quellen erfahren. „Das ist doch unglaublich“, zürnte Wilckens am Rande der Sitzung, „ich fühle mich verladen.“ Und Martin Badel ergänzte: „Ich bin sehr unzufrieden, das missfällt mir. Der Beschluss der Bezirksversammlung wurde nicht beachtet.“ Mit diesem Affront habe die Behörde dem Bezirk gezeigt, „dass wir hier die Provinz sind“, so Wilckens. Die Aufgabe der STS Grellkamp kommt zu einem Zeitpunkt, da die anderen Stadtteilschulen Am Heidberg und die „Fritze“ bereits aus allen Nähten platzen – und dann noch die Grellkampler aufnehmen wollen. Das kommt bei den Bürgern nicht gut an: „Die haben mehr Schüler aufgenommen als sie Platz hatten – warum?“, fragte Erika Woisin, kommunalpolitisches Urgestein der SPD und früher selbst einmal BSB-Deputierte und Bürgerschaftsmitglied. „Die Schulpolitik darf nicht von den Schulleitern gemacht werden“, sagte sie unter dem Beifall der rund 40 Anwesenden.
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