ADAC lobt: Hamburgs Verkehrspolitik ist „großartig“

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Life-Style, aber geliehen: Hamburg hat ein neues Carsharing-Angebot, das auch von Carsten Wilms, ADAC, begrüßt wird Foto: DriveNow

Automobilclub übt jedoch Kritik an P+R-Gebühr und an mangelnder Koordination von Baustellen. Positive Reaktion auf neues Carsharing-Angebot.

Hamburg. Das Zeugnis hat negative Bemerkungen, doch in Summe stellt der ADAC Hansa dem Hamburger Senat für seine Verkehrspolitik eine exzellente Beurteilung aus: „Großartig“ sei das, was die SPD-Regierung abliefere, so Carsten Wilms, verkehrspolitischer Sprecher des ADAC Hansa.

Ein verändertes Park-and-Ride-Konzept, die Abschaffung der Stellplatzpflicht beim Wohnungsbau und die Präsentation eines neuen Carsharing-Angebotes: In den vergangenen Tagen häuften sich die „Verkehrsnachrichten“ aus dem Hamburger Rathaus, mal mehr, mal weniger zur Freude der Menschen in der Metropolregion. Doch wie beurteilen Experten die Verkehrspolitik des Senats?
Mit rund 450 Autos ist ab sofort Carsharing-Anbieter DriveNow neu in Hamburg vertreten. Dahinter steht eine Kooperation von BMW und Sixt, die bereits in fünf anderen Städten aktiv ist. In Hamburg können die Wagen innerhalb eines 90 Quadratkilometer großen Geschäftsgebietes ab 24 Cent/Minute gemietet werden. Reserviert wird telefonisch, am Computer oder übers Smartphone.

Verkehrsplaner Prof. Carsten Gertz von der TU Hamburg hält viel von Carsharing. „Bei stationsbasierten Angeboten wie Cambio oder CiteeCar rechnet man, dass ein Leih-Auto vier bis acht private Fahrzeuge ersetzen kann.“ Die Umweltbilanz von stationsunabhängigen Systemen wie DriveNow oder Car2go (mit 600 Fahrzeugen in Hamburg Marktführer) sei noch nicht abschließend geklärt. Aber generell sei der Effekt durch die Idee von Carsharing positiv. „Carsharing ist eine betriebswirtschaftlich und verkehrspolitisch gute Sache“, lobt auch Carsten Wilms vom ADAC Hansa. Schließlich stehe ein Auto durchschnittlich 23 von 24 Stunden am Tag.

Bürgermeister Scholz stellte jetzt das DriveNow-Angebot vorm Rathaus vor. Viele Autofahrer sind wegen der zahlreichen Baustellen allerdings derzeit auf den SPD-Senat nicht gut zu sprechen, die oppositionelle FDP bezeichnete den Ausbau des Bussystems als „teure Luftnummer mit schädlichen Folgen“. Der ADAC ist jedoch insgesamt sehr zufrieden mit der aktuellen Verkehrspolitik: „Die langjährige Forderung nach Straßeninstandhaltung wird endlich umgesetzt“, heißt es aus der Zentrale in Hammerbrook. 88 Millionen Euro stünden allein in 2013 zur Verfügung. Nun müsse man eben die Folgen der Arbeiten aushalten, „beim Bau einer Stadtbahn wäre es noch viel schlimmer gewesen“. Die Umsetzung sei allerdings mangels Fachpersonal in den Bezirken und fehlender Abstimmung teilweise schlecht. Beim Busoptimierungsprogramm seien in den Kosten von 260 Millionen Euro Aufwendungen für Arbeiten und Technik enthalten, die überfällig waren. Eine Einschätzung, die Verkehrsplaner Gertz teilt: „Hamburg muss Maßnahmen nachholen, die in anderen Städten schon wesentlich früher umgesetzt wurden.“
Kritik übt der ADAC an den Plänen, Gebühren für einzelne P+R-Flächen zu erheben. Im Ergebnis würden die Pendler Parkplätze in der Nähe nutzen, die Anwohner würden belastet. Verkehrsplaner Gertz nennt dagegen Gebühren - geplant sind 2 Euro pro Tag - gerechtfertigt, verweist auf Kosten für Bau und Betrieb wie Beleuchtung oder Winterdienst.

Auch von der Abschaffung der Stellplatzpflicht (bisher 0,6 bis 0,8 Stellplätze pro Wohneinheit) für Bauherren in Hamburg hält der ADAC nichts. In Berlin habe sich nach einer ähnlichen Entscheidung vor 15 Jahren die Parkplatzsituation „dramatisch verschlechtert“. (sta)
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