Auf dem Weg in ein neues Leben

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Die Jugendlichen hatten Speisen ihrer Heimatländer vorbereitet: Staatsrat Jan Pörksen (2.v.li.) und Sozialsenator Detlef Scheele (3.v.li.) ließen sich über die Arbeit der Kinder- und Jugendhilfe des DRK Langenhorn informieren. Foto: Biehl

Sozialsenator besuchte jugendliche Flüchtlinge

Wenn Saran* (Name von der Redaktion geändert) nach ihrer Kindheit in Guinea gefragt wird, senkt sie betreten den Kopf. Darüber bitte keine Fragen stellen, mahnt ihre deutsche Betreuerin. Wer nachliest, welche grausamen Menschenrechtsverletzungen die seit mehr als 50 Jahren in Sarans Heimatland herrschende Militärdiktatur begeht, kann ahnen, was die heute 19-Jährige in der Vergangenheit vielleicht durchgemacht haben könnte.
Seit drei Jahren ist das Mädchen in Sicherheit, irgendwie nach Deutschland gekommen, als „minderjähriger, unbegleiteter Flüchtling“, wie es hier die Ämter nennen. Seither wurde sie vom Roten Kreuz betreut, in einer Jugend-Wohngruppe an der Langenhorner Chaussee, die hier seit zwölf Jahren besteht. Immer acht junge Menschen zwischen zwölf und 21 Jahren leben zur gleichen Zeit hier, rund um die Uhr betreut von sechs pädagogischen Fachkräften. Hier sollen sie lernen, auf eigenen Beinen zu stehen, ihre Persönlichkeit zu entwickeln, mit den teils schweren Erlebnissen in ihren Herkunftsländern umzugehen. „Viele von ihnen sind traumatisiert, haben Alpträume“, sagt Kathrin Ahrweiler, Leiterin der Wohngruppe Langenhorn.
Jetzt bekam die Einrichtung hohen Besuch: Hamburgs Sozialsenator Detlef Scheele und sein Staatsrat Jan Pörksen informierten sich nicht nur über die Arbeit der DRK-Mitarbeiter in der Wohngruppe.
Die Jugendlichen berichteten auch Persönliches von sich. Bei extra zubereiteten internationalen Speisen wurde freimütig über Schicksale und Träume geplaudert, über die Arbeit von Schleuserbanden, über abenteuerliche Wege auf staubigen Bergpfaden ins EU-Gebiet, aber auch über Schikanen der Hamburger Ausländerbehörde und manche Schwierigkeit, die die deutschen Gesetze den Minderjährigen in den Weg legen. So dürfen sie noch nicht einmal ins Arriba-Bad nach Norderstedt fahren – die Flüchtlinge haben Residenzpflicht in Hamburg, das Erteilen einer Ausnahmegenehmigung liege im Ermessen der Ausländerbehörde. Ein Verstoß dagegen wäre eine Straftat, die das Asylverfahren gefährde und zudem die Kriminalstatistik für Asylbewerber verfälsche, wie eine Betreuerin kritisierte.
Milad (Name von der Red. geändert) ist 18 und war ein halbes Jahr lang von Afghanistan nach Deutschland unterwegs. Sein Vater hatte einem Schleuser umgerechnet ein paar Tausend Euro bezahlt, damit sein Sohn aus dem krisengeschüttelten, unterentwickelten Land flüchten konnte. Nun will er hier sein Abi machen und Bauingenieur studieren.
Bei Saran läuft es noch nicht so glatt. Weil sie nach guineischem Gesetz noch nicht volljährig ist, braucht sie noch mit 19 einen Vormund. Sie bereitet sich auf den deutschen Hauptschulabschluss vor, obwohl sie die Mittlere Reife zuhause bereits erworben hatte. Doch wie an das Zeugnis kommen? Ihre Betreuerin versucht es jetzt über private Kontakte. „Das war unglaublich beeindruckend“, resümierten Scheele und Pörksen ihren knapp zweistündigen Besuch. (bcb)
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