Bücherhallen schließen?

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Sprachen zum 50-jährigen Jubiläum der Bücherhalle: der Langenhorner Leiter Dieter Keidel (v.l.), seine Chefin und Direktorin Hella Schwemer-Martienßen sowie Bezirksamtsleiter Harald Rösler Foto: Biehl

Direktorin spricht von Nordbibliothek – und rudert zurück

Von Bert C. Biehl
Langenhorn/Fuhlsbüttel. Für gewöhnlich erfreut eine Geburtstagsüberraschung den Adressaten. Die Sensation allerdings, die Hella Schwemer-Martienßen, Direktorin der Hamburger Öffentlichen Bücherhallen, am vergangenen Donnerstag zur Feier des 50-jährigen Bestehens der Langenhorner Bücherhalle mitbrachte, hatte es in sich.
Verpackt in warme Worte zum Jubiläum verkündete sie vor den rund 90 Gästen ihre Vision von einer großen „Nordbibliothek“ – am Standort Langenhorn.
Der Pferdefuß: Dafür würde die Bücherhalle in Fuhlsbüttel geschlossen und mit der Langenhorner zusammengelegt. Die anwesenden Leiter der betroffenen Büchereien, Dieter Keidel (Langenhorn) und Birger Rust (Fuhlsbüttel), reagierten deutlich zurückhaltend auf diese Ankündigung. Eine Strukturdiskussion auf diese Weise öffentlich zu führen sei „ungewöhnlich“, kritisierte Rust.
Schwemer-Martienßen ruderte auf Wochenblatt-Nachfrage allerdings zurück: Derzeit stehe keiner der aktuell 32 Bücherhallen-Standorte auf dem Prüfstand.
Allerdings müsse auch bei der Stiftung Öffentliche Bücherhallen weiterhin eisern gespart werden. Und: „Eine größere Bücherhalle kann mehr Service für den Bürger bieten.“
Fakt ist: Die Fuhlsbütteler Bücherei hat eine Ausleihfläche von rund 440 Quadratmetern auf zwei Etagen, die Langenhorner Einrichtung ist mit rund 400 Quadratmetern Ausleihfläche etwas kleiner. Hier wird es bei einem Medienbestand von 30.000 und rund 90 zusätzlichen Veranstaltungen pro Jahr – darunter Deutsch-Kurse für Migranten – schon mal eng. Der Langenhorner Büchereileiter Dieter Keidel sagt offen: „Wir könnten 150 Quadrat Meter mehr gut gebrauchen.“ Seine Chefin Schwemer-Martienßen plant mit 800 Quadratmetern: „Mit einer Zusammenlegung gewännen wir die Sicherheit, dass nicht eine der beiden Büchereien in der nächsten Sparrunde dran ist.“ Der Bestand einer größeren Bücherei sei für mindestens zehn Jahre sicher, glaubt die Direktorin, und sie hat schon einen Zeitplan: „In den nächsten ein bis zwei Jahren“ sollte die Zusammenlegung erfolgen.
Das ist zufällig auch die Frist, binnen derer Bezirksamtsleiter Harald Rösler in Langenhorn einen neuen Standort für das bisher noch in Fuhlsbüttel residierende Kundenzentrum gefunden haben will (wir berichteten). Da könne man doch auch zusammenziehen, überlegten Rösler und Schwemer-Martienßen am vergangenen Donnerstag beim Tischgespräch. Nur wohin? Bebaubare Flächen gibt es rund um den Langenhorner Markt kaum noch – das „Langenhorner Loch“, eine Brache neben der Grundschule Eberhofweg oder der überdimensionierte
Außenparkplatz von Kaufland sind die einzigen. (bcb)
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