CDU will bei Wahlsieg das Busbeschleunigungsprogramm in Hamburg stoppen

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Dietrich Wersich beim Cyclassics-Start. Bei viel Wind fuhr er 55 Kilometer in 111 Minuten und war „zufrieden“ Foto: Thiel / wb

CDU-Spitzenkandidat Dietrich Wersich im Wochenblatt-Interview über Verkehrspolitik, Olympia und Ronald Schill

Hamburg: Käme die CDU nach den Bürgerschaftswahlen 2015 in Hamburg an die Regierung, würde sie das Busbeschleunigungsprogramm sofort stoppen. Im Wochenblatt-Interview sprach sich CDU-Spitzenkandidat und Bürgerschaftsfraktionschef Dietrich Wersich (50) erneut für einen Volksentscheid beim Bau neuer Schienensysteme aus.

WB: Sie sind bei den Cyclassics 55 Kilometer gefahren, die kürzeste von drei Strecken. Bildlich gesprochen: Reicht es, ein Kurzstreckenfahrer zu sein, um Olaf Scholz und die SPD bei den Bürgerschaftswahlen 2015 zu überholen?
Wersich (lacht): So kann man das auch sehen! Aber Spaß beseite: Ich bin seit 1997 Bürgerschaftsabgeordneter, war sieben Jahre in Hamburgs Regierung. Man sagt mir nach, dass ich die Dinge immer gründlich und langfristig mache. Aber wenn die SPD alleine regiert, hatte das immer negative Folgen. Sie tut so, als gehöre ihr die Stadt, Stichwort Filz. Diese vier Jahre Alleinregierung von Olaf Scholz dürfen nicht um fünf Jahre verlängert werden. Ich bin zuversichtlich, dass im Februar das Wahlergebnis anders aussehen wird als vor vier Jahren, denn Hamburg braucht mehr Gestaltung und neue Impulse. Wir wollen die Stadt zur Wissens- und Gründermetropole machen.

WB: Wo hat Scholz aus Ihrer Sicht „unordentlich regiert“?
Wersich: Am augenfälligsten ist dies in der Verkehrspolitik, hier hat die SPD kein Konzept. Statt den Umstieg auf Bus und Bahn zu fördern, macht die SPD Park and Ride-Anlagen jetzt gebührenpflichtig. Leidtragende durch die Ausweichparker sind die Anwohner in den Wohnquartieren. Noch ärgerlicher ist, dass zwar richtigerweise die Straßen saniert werden, aber die Baustellen sind unkoordiniert und dazu kommt der Unsinn mit dem Busbeschleunigungsprogramm. Dieses Programm ist eine unglaubliche Geldvernichtung. Da werden Millionen für Sekunden verschwendet. Wir werden die Baustellen besser koordinieren, ich werde bei einem Wahlsieg das Busbeschleunigungsprogramm sofort stoppen.

WB: Was ist die Alternative? Hochbahn-Chef Elste hält die Stadtbahn für tot, weil die Widerstände zu massiv seien.
Wersich: Der angekündigte U-Bahn-Bau bis 2040 ist politischer Betrug, die Menschen werden vertröstet. Beispiel Johnsallee: Noch im Mai 2014 wurde die Idee für die Haltestelle vorgestellt, jetzt sagt Elste, man wusste schon immer, dass das nicht geht. Das ist unsolide und widersprüchlich. Warum sperrt sich die SPD gegen eine Stadtbahn, obwohl sie schneller, wirksamer und komfortabel ist und Hamburg für die Hälfte der Kosten der U 5 deutlich mehr Leistung und Strecke bekommt? Viele europäische Städte führen gerade moderne Stadtbahnen wieder ein. Statt eines Denkverbots der SPD wäre es klüger, die Pläne gegenüber zu stellen und nach gründlicher Information die Hamburger darüber entscheiden zu lassen. Eine U-Bahn, die 2040 fertig wird und mehrere Milliarden verschlingt, löst nicht die Verkehrsprobleme von heute. Hamburg wird diese U 5 nicht erleben.

WB: Anderes Thema: Beschädigt Ronald Schill, zur Zeit bei „Promi Big Brother“ zu sehen, eher das Ansehen Hamburgs oder der CDU, der er einmal in die Regierung verholfen hat?
Wersich: Über die Frage haben die Hamburger längst entschieden, als sie Ole von Beust 2004 die absolute Mehrheit gegeben haben. Schill demontiert und blamiert sich selbst. Sein Auftritt ist eine Lehre für die Wähler, nicht auf irgendwelche wilden Bewegungen zu setzen, auch nicht aus Protest.

WB: Die SPD hat beim Thema Innere Sicherheit seit der Wahlschlappe 2001 dazugelernt...
Wersich: Nein, ganz im Gegenteil. Hamburg ist unter der SPD wieder auf dem falschen Weg. Während unserer Regierungszeit wurde die Kriminalität kontinuierlich gesenkt. Im vorigen Jahr dagegen verzeichnete Hamburg den höchsten Stand seit acht Jahren, jetzt im ersten Halbjahr 2014 einen weiteren Anstieg von acht Prozent. Allein die Zahl der Einbrüche stieg um zehn Prozent. Gleichzeitig werden aber 92 Prozent der Einbrüche nicht aufgeklärt. Es werden mehr Schusswaffen gebraucht und Hamburg erlebt die schwersten linksextremistischen Krawalle seit den Hafenstraßenzeiten vor 30 Jahren. Wir haben eine Bedrohung durch Islamisten und Salafisten. Und obwohl sich die Situation beim Thema Innere Sicherheit deutlich verschlechtert, wird an der Ausstattung der Polizei gespart. Von 59 Stellen in der Jugendschutzabteilung Polizei sind beispielsweise nur noch 38 Stellen besetzt.

WB: Ein Bürgermeister Dietrich Wersich würde also mehr Geld für die Hamburger Polizei ausgeben?
Wersich: Wir wollen die Polizei gut ausstatten. Der Jugendschutz muss besetzt werden, und wir wollen den Bezirklichen Ordnungsdienst wieder einführen, um in allen Stadtteilen gegen Verwahrlosungstendenzen vorzugehen.

WB: Warum sind Sie so ein großer Verfechter einer Hamburger Olympiabewerbung?
Wersich: Das wäre ein großer Aufbruch für Hamburg. Olympia wäre eine Riesenchance für uns, auch international wahrgenommen zu werden, die Welt hier zu Gast zu haben. Wir überschätzen die heutige Bedeutung Hamburgs, wir leben vom Ruf der Vergangenheit. Das ändert sich, wenn fünf Milliarden Menschen Olympia in Hamburg verfolgen, und dies könnte auch ein Beschleuniger für sinnvolle Infrastruktur und unsere Wirtschaftskraft sein. Wir wollen hanseatische Spiele am Wasser. Das würde auch das internationale Deutschlandbild korrigieren, das bisher eher vom Lederhosen-Image geprägt ist. (sta)
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