Dann bis heute Abend, Mama!

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Auch Kamau (6) geht ab dem Sommer in die Heinrich-Wolgast-Ganztagsschule in St. Georg und freut sich schon riesig auf den ersten SchultagFotos: Karen Grell
 
Petra Dasselaa ist Mutter zweier Kinder. Sie sagt: „Für uns ist das Ganztagsschulkonzept perfekt.“

Fast alle Grundschulen Hamburgs können ihre Schüler jetzt ganztags betreuen

Hamburg. Wenn Petra Dasselaa in ihrer Boutique ihre Kunden bedient, muss sie nicht auf die Uhr schauen. Keine Hektik, weil ihr Siebenjähriger mittags aus der Schule käme und sie ihn betreuen müsste. Mittagessen und Betreuung - das geht in ihrer Grundschule. Die ist nämlich eine Ganztagsschule.
Die Heinrich-Wolgast-Grundschule in St. Georg stellt seit zwei Jahren auf das Ganztagskonzept um. Der zur Schule gehörige Hort läuft jetzt aus. „Ich bin eine absolute Befürworterin dieser Schulform“, sagt die Geschäftsfrau. Die Kinder seien dort bestens aufgehoben und hätten auch am Nachmittag ein abwechslungsreiches und hochwertiges Angebot. Auch ihr Zweitgeborener wird im nächsten Sommer die Ganztagsschule im Viertel besuchen und dort von 8 bis 16 Uhr abwechselnd lernen und spielen. „Für uns ist dieses Konzept perfekt“, lobt Petra Dasselaa.
Bis vor einigen Jahren war es wohnortabhängig, ob berufstägige Eltern in der Nähe ein Ganztagsangebot vorfanden. Das ist passé: Wenn die neue Generation der ABC-Schützen am kommenden Montag mit der Schultüte im Arm erstmals stolz durchs Schultor schreitet, wird sie das sehr wahrscheinlich in einer Ganztagsschule tun. Denn im kommenden Schuljahr bieten 200 der 203 Hamburger Grundschulen nachmittags kostenlose Bildung und Betreuung an – eine Rekordzahl. Die restlichen drei wollen die noch fehlenden baulichen Voraussetzungen 2014 erfüllen und dann nachziehen. Zum kommenden Schuljahr würden insgesamt 36.677 Kinder und damit rund 65 Prozent der Erst- bis Viertklässler die Angebote wahrnehmen, so Hamburgs Schulsenator Ties Rabe: „Eine derart stürmische Entwicklung war möglich, weil Schulen, Eltern und Schulbehörde diese große Aufgabe gemeinsam und engagiert angepackt haben.“ Im Schuljahr 2010/11 hatten nur 53 Grundschulen ein Ganztagsangebot.
Der Senat hatte die Mittel für die Ganztagsschulen um zusätzliche 109 Millionen Euro pro Jahr aufgestockt. Die parallel laufenden Horte laufen im Gegenzug aus. Dafür organisieren die Schulen in Eigenverantwortung oder in Zusammenarbeit mit einem Jugendhilfeträger Angebote wie Hausaufgabenhilfe, Lernförderung Sport oder kulturelle Aktivitäten. Vier Modelle gibt es. 129 Schulen arbeiten mit einem Jugendhilfeträger zusammen. Was dies Modell von der gebundenen, der teilgebundenen oder der offenen Ganztagsschule unterscheidet, können Interessierte in einem Info-Blatt nachlesen, das unter www.hamburg.de auf der Seite der Behörde für Schule und Berufsbildung (BSB) heruntergeladen werden kann.
Knackpunkt der Entwicklung ist der Ausbau von Schulkantinen, damit den Kindern ein warmes Mittagessen angeboten werden kann. In diesem Jahr sollen noch rund 70 Kantinen fertig gestellt werden, womit dann rund die Hälfte der 203 Schulen eine hätte. Dies sind übrigens keine Produktionsküchen – eine Kantine erwärmt statt dessen das von Catering-Firmen angelieferte Essen. „Wer heute Produktionsküchen baut, in denen das Essen selbst hergestellt wird, muss hohe Auflagen erfüllen“, erläuterte Senator Rabe. Zum Beispiel müssten Duschen für das Küchenpersonal in Arbeitsplatznähe eingebaut werden – das sei zu aufwändig.
In der anderen Hälfte der Schulen sollen übergangsweise Essräume eingerichtet werden. Ein Punkt, auf den sich die grüne Opposition stürzt: „An vielen Schulen ist völlig unklar, wo und wie die Kinder ihr Mittagessen bekommen – und vor allem in welcher Qualität. Vielerorts ist pappiger Kartoffelbrei mit Billigsoße die Realität. Wir Grüne stehen zur Ganztagsschule – aber das Motto ,Quantität statt Qualität‘ überzeugt uns nicht“, mäkelt die bildungspolitische Sprecherin der Grünen, Dr. Stefanie von Berg.
Außerdem bezweifelt die Politikerin, dass alle Leiter der Betreuungsangebote hinreichend qualifiziert sind – dafür sei die Nachfrage nach Fachkräften viel zu hoch.
Die Schulbehörde räumt in diesem Punkt zwar aktuell Engpässe ein, geht aber davon aus, dass diese bis 2015 behoben werden. Dafür wurden extra die Ausbildungsplatzzahlen erhöht. (bcb)
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