Das 120 Millionen Projekt

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Schützenswerte Bäume und Denkmale als Wohnhäuser: Fast die Hälfte der neuen Wohnungen entsteht in Altbauten. Foto: Biehl

450 Wohnungen entstehen im alten AK Ochsenzoll

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Um die Namensgebung gibt es leichte Verwirrung. Klar ist jedoch, dass das gigantische Bauvorhaben Mitte kommenden Jahres beginnen soll. Auf rund 106.000 Quadratmetern Fläche, dem Kernstück des Baugebietes auf dem früheren Gelände des AK Ochsenzoll, werden bis zum Jahr 2015 rund 450 Wohnungen errichtet.
Bauherrin ist die Augsburger Patrizia Immobilien AG, die in Langenhorn rund 120 Millionen Euro investiert. Jetzt wurden die Pläne der Öffentlichkeit vorgestellt.
Auf dem Gelände zu bauen heißt allerdings gewisse Herausforderungen zu meistern, nicht nur, weil der park-artige Charakter mit uraltem Baumbestand ein prima Verkaufsargument ist und so weit wie möglich erhalten werden soll. „Hier stehen auch 26 denkmalgeschützte Gebäude, die wir in Wohnhäuser umwandeln wollen“, sagt Joachim Gross, der regionale Repräsentant der Patrizia AG. Auch der 32 Meter hohe Wasserturm aus dem Jahr 1913 wurde mit erworben, er ist allerdings inzwischen zum technischen Denkmal erklärt worden und steht nicht für Wohnzwecke zur Verfügung. Die kleine Kirche, die an der Hauptachse Henny-Schütz-Allee steht, gehört nun ebenfalls der Patrizia. Was aus diesen beiden Gebäuden wird, soll zu einem späteren Zeitpunkt entschieden werden. Doch in die ehemaligen Bettenhäuser ringsum werden bald junge Familien einziehen können – allein 200 der 450 Wohnungen entstehen in Altbauten. Zwischen die seit 1892 errichteten historischen Gebäude werden moderne Würfel gesetzt, deren Bauhöhe sich zumeist dem Altbestand anpassen werde, sagt Hamburgs Oberbaudirektor Jörn Walter: „Das Konzept für das Gelände sieht vor, die zu revitalisierenden Bestandsgebäude zusammen mit den Neubauten als ein harmonisches Ganzes erscheinen zu lassen, das architektonische Grenzen von ‚Gestern und Heute‘ auflöst und zu einem stimmigen Gesamtensemble kombiniert.“
Damit das auch klappt, hatten Stadt und Investorin ein Werkstattverfahren in Gang gesetzt, an dem sich sieben deutsche Architekturbüros beteiligten. Vorsitzender war Jörn Walter. Drei der Architekten werden nun jeweils ein Teilgebiet beplanen. Die vorliegenden Entwürfe sehen die heute üblichen weißen Würfel mit viel Glas und Stahl vor. Allerdings, so tröstete Walter auf Nachfrage mögliche Kritiker, würden die Fassaden der Neubauten Details der historischen Häuser spiegeln, zum Beispiel Backstein- oder Holzelemente. „Themen des Altbestandes werden aufgegriffen und in eine zeitgenössische Sprache übersetzt“, so Walter.
Jedenfalls ist das Denkmalschutzamt zufrieden: „Die Weiterentwicklung des historischen Ensembles ist beispielhaft für Denkmalschutz und Wohnungsbau“, sagte Gabriele Bohnsack-Häfner, Abteilungsleiterin für Bau- und Kunstdenkmalpflege in der Kulturbehörde. Und Bezirksamtsleiter Harald Rösler lobte die „in jeder Hinsicht gedeihliche Zusammenarbeit mit der Patrizia“. Auf dem Gelände werden sowohl Miet- als auch Eigentumswohnungen und Einfamilienhäuser entstehen, führte Patrizia-Repräsentant Joachim Gross aus. Tiefgaragen sollen die Autos aus dem Blickfeld verschwinden lassen und somit die parkartige Anlage bestmöglich zur Geltung bringen. Die Miethöhe lasse sich heute noch nicht konkret beziffern, jedoch sollten es „moderate, stadtteilgerechte Preise“ sein, so Gross. Öffentlich geförderter Wohnraum sei allerdings nicht darunter; rund 50 Prozent des errichteten Wohnraumes würden privatisiert. Die Langenhorner dürfen sich derweil mal wieder an eine neue Namensgebung gewöhnen. Sprechen die benachbarten Investoren von ihren Geländetranchen trotz massiver Abholzungen als „Waldquartier“ oder gar als „Oxpark“, bewirbt die Patrizia ihr Projekt mit der Bezeichnung „Unter den Linden“. Das ist abgeleitet von der kleinen Allee mit dem alten Lindenbaumbestand, deren Namen der Regionalausschuss allerdings einst auf „Jütlandring“ festlegte – mit dieser Landschaft assoziiert man indes wohl doch eher die sandige dänische Geest mit ihrem kargen Krüppelholzbewuchs. Aber natürlich ist die Bezeichnung probater als das Wort „Irrenanstalt“, wie das Gelände bis weit ins 20. Jahrhundert hinein hieß.... (bcb)
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