Das ist Hamburgs bester Lehrer

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Wurde am gestrigen Montag mit dem erstmals vergebenen Hamburger Lehrerpreis ausgezeichnet: Wolfgang Fraedrich (60) vom Gymnasium Heidberg. Foto: Biehl
 
Der aktuelle Erfolg: Wolfgang Fraedrich und seine Schülerin Sandra Hoeck zeigen stolz ihre Siegerurkunden beim Bundeswettbewerb Jugend forscht am vergangenen Wochenende in Erfurt. Foto: Fraedrich

Wolfgang Fraedrich vom Gymnasium Heidberg ausgezeichnet

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Seine Schüler sammeln Siege wie Popstars Goldene Schallplatten. Gerade am vergangenen Wochenende gab es wieder einen Sonderpreis beim Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ zu feiern. Wolfgang Fraedrich bleibt dabei meist bescheiden im Hintergrund. Der Oberstudienrat am Langenhorner Gymnasium Heidberg freut sich mit seinen Schützlingen über deren Erfolge. Doch die kommen ja nicht von ungefähr. Dass es sein Engagement ist, sein Motivationsvermögen und seine Freude, die Talente junger Menschen zu fördern, das hat er jetzt schriftlich: Wolfgang Fraedrich ist Hamburgs bester Lehrer. Am Montagabend wurde ihm die Auszeichnung übergeben. Die Hamburger Sparkasse hatte den landesweiten Wettbewerb im Januar gemeinsam mit dem Hamburger Abendblatt ausgelobt. „Das ist eine tolle Anerkennung, ich fühle mich sehr geehrt“, kommentierte der 60-jährige Pädagoge die Entscheidung der Jury, zu der auch Hamburgs ehemaliger Landesschulrat Peter Daschner gehörte.
Ein engagierter
Pädagoge
Mehr als 50 Vorschläge waren eingegangen. Entscheidend dabei: Die Lehrer konnten sich nicht selbst bewerben. Wolfgang Fraedrich ist besonders stolz darauf, dass ihn nicht nur seine jetzigen Schüler vorgeschlagen haben, sondern auch ehemalige, die längst die Schule verlassen haben. Nachdem der Niendorfer in die engere Wahl gekommen war, hatte eine Abordnung der Jury in seinem Unterricht hospitiert. Die Bewertung: „Eigene Begeisterung bezogen auf die zu vermittelnden Inhalte und Begeisterungsfähigkeit bezogen auf die Schüler, Einsatz interessanter Methoden, die regelmäßige Vergewisserung des Gelernten und nicht zuletzt Empathie für die Schülerinnen und Schüler“ – der Sieg.
1978 war der heute 60-Jährige als Referendar für Erdkunde und Sport ans Gymnasium Heidberg gekommen. Dessen legendärer erster Schulleiter Georg Kaiser erkannte das Talent des gebürtigen Salzgitterers und behielt ihn gleich dort. Fraedrichs große Leidenschaft sind Themen, die in der Schul-Erdkunde meist vernachlässigt werden: die Entstehung der Erde, der Gesteine und Gebirge und Phänomene wie Vulkanismus und Erdbeben. Im Jahr 1983 gelang es Fraedrich, die Schulbehörde von einem Hamburg-weit einmaligen Wahlfach zu überzeugen: Geologie. „Das wird sonst nur noch in Bayern und Baden-Württemberg unterrichtet“, weiß der Vater von vier Kindern. Den Lehrplan dazu entwickelte er selbst, genauso wie die Unterrichtsmaterialien. Bei seinen Schülern weckte er Begeisterung für das ungewöhnliche Angebot.
Haufenweise Preise
Bald folgten die ersten Jugend-forscht-Projekte, gab es haufenweise Preise. Seit 1998 war er bereits acht mal mit einer Schülergruppe am Ätna. Spektakuläre Ergebnisse der Wettbewerbe sind noch heute in aller Munde: Etwa der „Zimmer-Vulkan“ des Langenhorner Schülers Johannes Raddatz, ein maßstabsgetreues, dem Ätna nachempfundenes, Modell, das sogar richtig „ausbrechen“ konnte und das dann auch zu Fernseh-Ehren gelangte. Oder der geologische Wanderführer, den eine Schülergruppe für die Insel Helgoland erstellte. Und mit einer Untersuchung des Eruptions-Rhythmus eines italienischen Vulkans errangen May-Britt Förster, Julika Riegert und Sabrina Ließ nicht nur einen Bundessieg bei Jugend forscht, sie schafften es damit auch in die Harald-Schmidt-Show. Riegert und Ließ schrieben später für den Rowohlt-Verlag ein jugendgerechtes Buch über Vulkanismus.
Lehrer Fraedrich hat in den vergangenen 17 Jahren 197 Projekte bei „Jugend forscht“ betreut – „gut 80 Prozent davon wurden mit Preisen ausgezeichnet“, freut er sich. Am vergangenen Wochenende war es wieder einmal soweit: Die Oberstufenschülerin Sandra Hoeck gewann mit einer Arbeit zur Gefährlichkeit des Ätna beim Bundeswettbewerb in Erfurt einen Sonderpreis. Dort platzierte sich das Gymnasium Heidberg auch unter den ersten drei von rund 1500 Schulen im Wettbewerb „Jugend-forscht-Schule 2012“, der von der Kultusministerkonferenz ausgelobt worden war.
Bei allem Erfolg ist Wolfgang Fraedrich bescheiden geblieben. Er bezeichnet sich als Lehrer aus Leidenschaft: „Ich würde die Entscheidung für diesen Beruf immer wieder so treffen“, sagt er. Die Schüler ernst zu nehmen, angemessen auf sie zu reagieren, sie bei Problemen nicht allein zu lassen – das bescheinigten die Heidberger ihrem Lehrer – und die Jury des Lehrerpreises sah das offenbar genau so. Da stimmte auch Hamburgs Ex-Schulsenatorin Rosemarie Raab zu, die als erste gratulierte: „Sie werden in Ihrer pädagogischen Arbeit nach meiner festen Überzeugung allen Ansprüchen gerecht werden, die man an einen sehr guten Lehrer stellen kann“, mailte sie ihrem ehemaligen Mitarbeiter.
Mit Wolfgang Fraedrich wurden noch die Lehrerinnen Anica Elfi Hahn von der Elbinselschule sowie Gesine Krüger und Daniela Steigel, Stadtteilschule Fischbek-Falkenberg, als beste Lehrer(innen) Hamburgs ausgezeichnet. Haspa und Abendblatt hatten dafür drei Preise á 3000 Euro ausgeschrieben. Das Geld kommt den Schulvereinen zugute.
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