Denkmale von innen sehen

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Der Jüdische Friedhof an der Ilandkoppel ist am Sonntag geöffnet. Er darf nur mit Kopfbedeckung betreten werden. Foto: Biehl

Am kommenden Wochenende: Tage des offenen Denkmals

Ohlsdorf/Alsterdorf. Einmal im Jahr öffnen europaweit denkmalgeschützte Gebäude ihre Pforten. Am Tag des offenen Denkmals sind alle Bürger eingeladen, Baukulturgeschichte zu entdecken und zu erleben. Am Wochenende 7. bis 9. September ist es wieder soweit: Mehr als 110 Gebäude und Orte, die sonst oft nicht zugänglich sind, können besichtigt werden. In Ohlsdorf und Alsterdorf gibt es acht Angebote.

„Altes Krematorium“
Das „Alte Krematorium“ des Friedhofs Ohlsdorf liegt an der Alsterdorfer Straße. Es wurde 1890 errichtet und ist das erste Krematoriumsgebäude Deutschlands. Nachdem 1933 das „Neue Krematorium“ an der Fuhlsbütteler Straße eröffnet wurde, verfiel das alte Haus. Im Jahr 2000 zog ein Restaurant ein. 2007 wurde das Gebäude an einen Privatschulträger verkauft. 2009 wurde die bilinguale Zukunftsschule Flachsland eröffnet. Das Gebäude wird heute als „Alsterpalais“ bezeichnet. Geöffnet: Sonnabend, 8. September, 11-13 Uhr. Anmeldung zur Besichtigung bis 4.9. an
sybille.arendt@flachsland-hamburg.de erforderlich.

- Rundgang „Stiftung, Gartenstadt und Krematorium – vom ehemaligen Klostergebiet in die Moderne“. In den 1920er-Jahren entstanden im vormals landwirtschaftlich geprägten „Alsterthorpe“ im Stil des Traditionalismus und Expressionismus Gebäude für Bürgertum und Arbeiterschaft. Beim Rundgang am Denkmaltag zwischen Gartenstadt und W.-Borchert-Siedlung werden Strukturwandel und geschichtliche Hintergründe erläutert. Das nur für die Führung geöffnete alte Krematorium und die ehemaligen Alsterdorfer Anstalten aus dem 19. Jahrhundert (heute Stiftung Alsterdorf) prägen das Bild des Stadtteils. Termin: Sonnabend, 8. September,, 15 Uhr, Treff: U-Bahnstation Alsterdorf. Info: willi@bredelgesellschaft.de.

Ehemalige NS-Zwangsarbeiter-Baracken.
In dem Fuhlsbütteler Lager waren während des Krieges niederländische, italienische, französische und belgische Zwangsarbeiter untergebracht, die zu Tarnarbeiten auf dem benachbarten Flughafen und bei der Rüstungsproduktion bei Röntgen-Müller (heute Philips) eingesetzt wurden.
Die Willi-Bredel-Gesellschaft hat die letzten, weitgehend im Originalzustand erhaltenen NS-Zwangsarbeiterbaracken Hamburgs vor dem geplanten Abriss gerettet und saniert. Seit dem Jahr 2008 stehen sie unter Denkmalschutz. Die Besucher erwarten mehrere Dauerausstellungen zum Thema. Termin: Sonntag, 9. September, 14-17 Uhr, Wilhelm-Raabe-Weg 23 (Nähe Flughafen).
Info: http://www.bredelgesellschaft.de
Der Ohlsdorfer Friedhof bietet gleich sechs Gelegenheiten zur Besichtigung. Rundgang zu Gräbern prominenter Stifter (So., 9.9., Treff 10.30 Uhr hinter dem Verwaltungsgebäude). Fritz-Schumacher-Halle im Bestattungsforum, (Krematorium). Führungen: Sonntag, 9.9., 11-16 Uhr. Riedemann-Mausoleum bei Kapelle 8: So., 9.9., Führungen 11-17 Uhr. Ehrenhain Hamburger Widerstandskämpfer (rechts vom Haupteingang). So., 9.9., Führung 11 Uhr. Ehrenfeld der Geschwister Scholl Stiftung für Verfolgte des NS-Regimes: So., 9.9., Führung: 12.30 Uhr, Bus 170 bis Eingang Bramfeld („Maisredder“). Jüdischer Friedhof Ilandkoppel 68: So., 9.9., Treff 11 Uhr S-Bahn Ohlsdorf, Ausgang Friedhofsseite.

In diesem Jahr steht der Tag des offenen Denkmals unter dem Motto „Stiftungen und Bürgerwille“ – ein pikanter Hinweis darauf, dass es meist nur Privatleuten zu verdanken ist, wenn historische Bauwerke erhalten bleiben. Zwar kann die Kulturbehörde nach dem Denkmalschutzgesetz aus dem Jahr 1973 Bauwerke unter Schutz stellen, wenn sie es denn will.

Denkmalschutz
Bis jetzt habe sie das Hamburg-weit bei rund 1900 Objekten getan, gibt die Behörde an. Doch ein Gummiparagraph sorgt dafür, dass Großinvestoren nicht behindert werden. Voraussetzung ist nämlich, dass aus historischen, wissenschaftlichen, künstlerischen oder städtebaulichen Gründen ein öffentliches Interesse an der Erhaltung des Gebäudes besteht. Doch was darunter zu verstehen ist, definiert die Exekutive selbst. Das ist Langenhorn schon mehrfach schlecht bekommen. Erst in jüngerer Zeit erwischte es den romantischen „Bärenhof“ in Ochsenzoll. Und mit der „Heimbuche“ verschwand eines der letzten Zeugnisse der bäuerlichen Reetdachhaus-Kultur. (bcb)
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