Der Dorfpastor sagt Tschüss

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Friedhelm Nolte vor der Kanzel ‚seiner‘ St. Lukas Kirche. Beim Erntedankgottesdienst wird er hier über 1.Timotheus 4, 4-5 nachsinnen „Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut“. Fotos: Krause

Friedhelm Nolte geht in den Ruhestand

Von Franz-Josef Krause
Fuhlsbüttel. Gehen Fuhlsbüttler in ihrem Stadtteil zum Einkaufen, dann gehen sie „ins Dorf“ – auch heute noch. Obwohl der letzte Bauernhof schon längst verschwunden ist, hält sich diese Redewendung hartnäckig
„Das ist tatsächlich so“, sagt der St. Lukas Pastor Friedhelm Nolte. „Fuhlsbüttel hat sich in gewisser Weise den dörflichen Charakter bewahrt. In diesem ‚Dorf‘ sind vielfältige Verflechtungen vorhanden. Hier ist nichts abgehoben. Das Dorf in der Großstadt hat besonders auf junge Familien hohe Anziehungskraft.“ Nolte muss es wissen, denn seit 18 Jahren ist er Pastor in Fuhlsbüttel.
Studiert hat er in Hamburg; bezahlt mit dem Geld, das er mit Jobs in Speiseölfabriken in Harburg verdient hat „Das war harte Arbeit“, erinnert sich Nolte, „aber es hat etliche Jahre gedauert, bis ich bei der Kirche so viel verdient habe wie damals.“
Nach dem Vikariat im niedersächsischen Loccum folgte die erste Pastorenstelle in einer der interessantesten Gemeinden am Rande Hamburgs: das begüterte Hausbruch, der soziale Brennpunkt Neuwiedenthal und die Aussiedler aus Altenwerder hatten hier in der Thomaskirche ihren religiösen Mittelpunkt.
Später, als Pastor an der Lambertikirche zu Mildstedt, war er vertretungsweise auch für Gottesdienste auf der Hallig Hooge zuständig. Wenn dann am Sonntag einmal wieder ‚landunter‘ war, fielen Gottesdienst und Predigt aus. Aus dieser Zeit hat Nolte eine Sammlung ungehaltener Predigten. „Habe Sie auch so etwas ähnliches – ungedruckte Artikel?“ fragt der Pastor den Besucher vom WochenBlatt. Klar, denn nicht nur auf Halligen ist gelegentlich landunter.
Von der Küste
in die Stadt
Dem Dorf an der Küste folgte das Dorf in der Stadt. Fuhlsbüttel mit der St. Lukaskirche, an der Nolte seit acht Jahren ganz allein als Pastor wirkt. Aber viele arbeiten mit. „Die Mitarbeit von Ehrenamtlichen, prägt unser Gemeindeleben ganz entscheidend“ berichtet Nolte „die Fuhlsbüttler gestalten eigenverantwortlich viele Gemeindeangebote. Kirche in Fuhlsbüttel traut ihren Gemeindemitgliedern etwas zu. Und die Fuhlsbüttler trauen ihrer St. Lukasgemeinde.“ Das lässt sich ganz konkret belegen. Zweidrittel des Gemeinde-Haushalts werden durch Spenden aus Fuhlsbüttel gedeckt. Der Kirchenvorstand der Gemeinde hat sich ganz bewusst gegen von der Kirchenleitung befürwortete Fusionspläne ausgesprochen „Fusion und Konfusion liegen dicht beieinander – zu viele Kräfte werden dabei mit der Beschäftigung mit sich selbst gebunden“ gibt Friedhelm Nolte zu bedenken. „Glaube darf und kann nicht verwaltet werden – das Evangelium, die ‚Frohe Botschaft‘, kann nur von Menschen zu den Menschen gebracht werden. Dabei sollte der Heilige Geist auch eine Chance erhalten“, so Nolte weiter. In Fuhlsbüttel ist das nicht nur Theorie. Die Gemeinde um die Kirche am Erdkampsweg ist nur marginal von der allgemeinen Erosion der Mitglieder betroffen. Die Gemeinde St. Lukas hat auch nach Tansania eine enge Verbindung. „Wir können viel von den Christen dort lernen“, davon ist der Pastor überzeugt „auch in Sachen Geld. Die Kirchensteuer gibt eine falsche Sicherheit, begünstigt Wildwuchs von Behörden und Stabsstellen. Sicher kann sie nicht so einfach abgeschafft werden – aber besser wäre es, wenn der Geldfluss über die Gemeinden nach ‚oben‘ und nicht umgekehrt erfolgte“ Aus Noltes Sicht ist es kontraproduktiv, dass sich Gemeindemitglieder beim Staat von der Kirche abmelden können. „Denn wenn ich das erfahre, dann ist es längst zu spät“, bedauert der Hirte von St. Lukas, „besser wäre es, ich könnte im Gespräch erfahren, warum jemand die Kirche verlassen will. Liegt das an mir – was mache ich, was machen wir vielleicht falsch in St. Lukas?“
Nun geht Pastor
Nolte in den Ruhestand. Er bleibt im Norden Hamburgs. Seine Hobbys, Trompete und Imkerei, nimmt er mit. „Bienen machen weniger Arbeit als ein Hund, und meine vier Bienenvölker liefern eine Menge Honig“, sagt Nolte, der bereits ‚ein Dorf weiter‘ umgezogen ist. Von Langenhorn aus wird er mit dem Herzen weiter ‚seinem‘ Fuhlsbüttel verbunden bleiben „aber ganz bestimmt nicht meinem Nachfolger ins Handwerk pfuschen“, versichert der scheidende Pastor lachend. Das wird Michael Kempkes sein, der sein Amt am 1. November antritt.

Sonntag, 30. September,
11 Uhr in St. Lukas, Erdkampsweg: Erntedank- und Kindergottesdienst mit Angelika Michelly und Team sowie Verabschiedung von Pastor Friedhelm Nolte
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