Der Trauer Raum geben

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Oliver Spies, der junge Pastor vom Käkenflur, teilt sich die Pastorenstelle mit Antje Grambow, seiner Frau. Er gestaltet Andachten für Trauernde. Foto: fjk

Pastor Oliver Spies lädt zu Andachten ein

Langenhorn. Oliver Spies lädt regelmäßig zu Andachten für Trauernde ein. „Das deutsche Wort ‚Trauern‘ heißt eigentlich kraftlos werden, den Kopf sinken lassen. Viele, die trauern, fühlen sich wie auf einer steilen Treppe: „Jeder Schritt kostet Kraft. Der Untergrund steinig. Ein Ende nicht in Sicht“, sagt Pastor Spies. „Trauer ist eine normale Reaktion. Sie dient dazu, einen Verlust zu bewältigen und sich im eigenen Leben wieder zurechtfinden zu lernen. Es ist wichtig, sie nicht zu verdrängen, sondern wahrzunehmen. Der Trauer einen Ort und eine Zeit zu geben, ist deshalb das Anliegen der Andachten.“
Trauer hat ihren
Platz im Leben
Trauer darf und soll ihren Platz im Leben haben. Schon in der Bibel, im Buch Kohelet, spricht der Verfasser davon, dass alles seine Zeit hat „Zeit zu sterben, Zeit zu trauern, Zeit zu hoffen, Zeit zu leben“ Jim Morrison von der legendären Rockgruppe ‚The Doors‘ hat die biblischen Gedanken in seinen noch heute populären Song „Take it as it Comes“ mit den Sätzen „Time to live, time to lie, time to laugh, time to die“ eingebracht. Er, an dessen Grab auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris noch heute viele Menschen trauernd verharren, hat damit das ohnmächtige Gefühl vieler beschrieben, die sich mit dem Verlust eines lieben Menschen auseinandersetzen müsse. „ Dabei spielt keine Rolle“, weiß Spies zu berichten, „wann dieser Verlust eingetreten ist. Oft vergehen einige Monate, oft noch längere Zeit, bis der Wunsch da ist, dieser Trauer außerhalb der Familie Raum zu geben.“ Wichtig ist nicht, zur Kirchengemeinde am Käkenflur zu gehören oder Christ zu sein „ Die Hälfte der Besucher kenne ich nicht“, berichtet Oliver Spies, „aus anschließenden Gesprächen mit Besuchern weiß ich aber, dass nicht nur Menschen aus Langenhorn kommen.“
Es ist ein kleiner Kreis, der sich in der Zachäus-Kirche zusammenfindet, den Trauer hier verbindet. Nicht jeder nutzt das anschließende Angebot zu Tee und Gespräch. Seiner Trauer mit Zeichen, wie zum Beispiel dem Anzünden einer Kerze, Ausdruck zu verleihen, wird gern angenommen, tut gut. Besonders im November geht der Blick zurück zu Menschen, die das Leben teilten und die nun fehlen. In der katholischen Kirche am Tannenweg wurden zu Allerseelen wieder die Namen aller Verstorbenen der Gemeinde des letzten Jahres verlesen – brannte für jeden eine Kerze auf dem Altar. Auch andere Gemeinden erinnern in den Gottesdiensten an die Verstorbenen. Am Käkenflur sind es darüber hinaus über das Jahr verteilte Andachten für Trauernde, die Brücken schlagen. Nicht nur zurück, sondern auch nach vorn: „Zeit zu sterben, Zeit zu trauern, Zeit zu hoffen, Zeit zu leben“ (fjk)

Donnerstag, 20. Dezember, 17 Uhr. Zachäus-Kirche Käkenflur 22a
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