Die Ruhe ist dahin

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Roswitha Moazezi kommt regelmäßig zum Urnengrab ihres Vaters, der unter einem Baum im Ruhewald liegt. Die Laternen und Vasen helfen bei der Trauerarbeit und sind wichtig für sie. Foto: Lublow

Friedhof: Kein Schmuck an Urnengräbern. Hinterbliebene sind verärgert

Von Sylvana Lublow
Ohlsdorf. Für den Ruhewald in der Kirschenallee auf dem Friedhof Ohlsdorf gibt es feste Bestimmungen: An den Grabstellen der Urnen darf nichts gepflanzt oder aufgestellt werden. Alles soll naturbelassen bleiben. Dafür gibt es am Rand des Ruhewaldes Ablageflächen. Hier stellen die Hinterbliebenen seit Jahren Vasen, Laternen, Kerzen, Fotos und Blumen auf. „Es ist schön, eine Kerze anzuzünden und regelmäßig frische Blumen hier her zu bringen“, sagt Roswitha Moazezi, deren Vater vor drei Jahren im Ruhewald beigesetzt wurde.
Doch vor drei Wochen traute die Hamburgerin ihren Augen nicht: Die Friedhofsgärtnerei hatte Schilder aufgestellt, mit der Forderung, die Gegenstände bis zum 23. April von den Ablageflächen zu entfernen. „Das ist unfassbar. Als wir uns vor drei Jahren hier beraten ließen, hatte man uns zugesagt, dass wir hier Blumen, Kerzen und Laternen aufstellen dürften. Dass wir das jetzt plötzlich nicht mehr dürfen, empfinde ich als Betrug“, sagt Roswitha Moazezi. Auch andere Hinterbliebene, die regelmäßig zum Ruhewald kommen, würden sich betrogen fühlen. Eine Dame namens Christa Baum schrieb voller Empörung einen Brief, den sie an jene Schilder befestigte. Darin drückte sie ihr Unverständnis darüber aus, die persönlichen Trauer-Gegenstände entfernen zu müssen und unterschrieb mit „zutiefst empörte Christa Baum“. „Viele Menschen sind wütend darüber“, so Moazezi. Sie verstehe nicht, warum die Laternen und Blumenschalen plötzlich jemanden stören sollten. „Es sieht doch schön aus. Außerdem hält es sich in Grenzen mit den Gegenständen, weil nicht jeder hier etwas aufstellt.“
Roswitha Moazezi schrieb auch einen Brief an die Friedhofsverwaltung, erhielt aber keine Antwort. Also ging sie zur Friedhofsgärtnerei, um mit der Gärtnermeisterin Andrea Folster zu sprechen. Diese habe daraufhin ihren Vorgesetzten kontaktiert, jedoch keine befriedigende Antwort für die Hinterbliebenen: Die Gegenstände müssen weg, lediglich Blumen und Gestecke dürften bleiben. „Hätte man uns damals gesagt, dass wir hier nichts aufstellen dürfen, was über Blumen hinaus geht, hätten wir uns für eine andere Grab-Variante entschieden“, so Moazezi. Die Friedhofsverwaltung bestätigt auf Anfrage des Hamburger WochenBlatt, dass die Ablageflächen geräumt werden müssen. „Auf Grund von Beschwerden haben wir beschlossen, die ursprüngliche Regelung wieder durchzusetzen“, sagt Lutz Rehkopf von der Friedhofsverwaltung. Friedhofsbesucher hätten sich über die Objekte auf den Flächen beschwert, da sie nicht zu dem naturnahen Ruhewald passen würden. „Zehn Zentimeter hohe Laternen passen nicht zum Charakter der Fläche“, sagt Rehkopf. Außerdem hätte es seitens der Verwaltung nie eine Zusicherung gegeben, dort Gegenstände aufzustellen. Trotzdem wurde es über Jahre geduldet. „Ich kann das nicht verstehen. Wen sollte das stören?“, fragt Roswitha Moazezi. „Die Trauernden, die hier regelmäßig herkommen, um eine Kerze anzuzünden, müssen jetzt darunter leiden.“ (sl)
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1 Kommentar
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anna meyer aus Eppendorf | 20.04.2012 | 12:44  
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