Discounter statt Lokal

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Die Gastwirtschaft „Zur Tannenkoppel“, besser bekannt als „Tomfort“, wurde 1870 von Gustav Tomfort gegründet. Foto: Biehl
 
Die Grünen-Bezirksabgeordnete Carmen Wilkens. Foto: Grüne

Bauantrag kurz vor der Genehmigung

Von Bert C. Biehl

Langenhorn. Der Neckarsulmer Lebensmittel-Discounter Lidl hat einen Bauantrag für das Tomfort-Gelände an der Langenhorner Chaussee gestellt. Das hat jetzt das Bezirksamt dem Unterausschuss Bau des Regionalausschusses mitgeteilt. Damit nähert sich eine mehrjährige Planungszeit ihrem Ende. Denn das Bezirks-amt hat auch mitgeteilt, dass der Antrag aller Voraussicht nach genehmigt wird. Zuvor muss Lidl Bauvorlagen nachreichen, die vor allem Änderungswünsche des Bauausschusses berücksichtigt. Bei etlichen Anwohnern ist das Bauvorhaben umstritten. Eine Bürgerinitiative protestiert seit langem gegen die Supermarkt-Pläne.

Neues Erschließungskonzept

Bereits 2006 wurden Überlegungen angestellt, das Tomfort-Gelände gegenüber dem Haupteingang des Krankenhauses Ochsenzoll neu zu bebauen. Denn damals kündigten die Besitzer der 1870 gegründeten Gastwirtschaft an, aufgeben zu wollen. 2011 kam Lidl als Interessent ins Spiel. Die bisherigen Baupläne brachten jedoch zahlreiche Bürger auf die Palme, was letztlich auch Verwaltung und Politiker nicht ignorieren konnten. „Das Erschließungskonzept hatte ursprünglich vorgesehen, den Anlieferungsverkehr über die nördlich angrenzende Bergmannstraße abzuwickeln“, so Bezirksamtsleiter Harald Rösler. Das wäre allerdings nicht genehmigungsfähig gewesen, da die schmale Wohnstraße für die langen Sattelzüge gar nicht ausgelegt ist. Auch der zu erwartende Lärm wäre wegen des angrenzenden reinen Wohngebietes nicht hinnehmbar gewesen. Nach den neuen Plänen sollen die Lkw nunmehr von der Langenhorner Chaussee aus auf das Gelände gelangen. Der Bauausschuss hat dem Unternehmen aus Neckarsulm zudem aufgegeben, dass die Anlieferung durch maximal dreiachsige Fahrzeuge erfolgt und auf Sattelzüge verzichtet wird.
Eine Schranke soll den Kundenparkplatz des Discounters zwischen 22 und 6 Uhr absperren, um Verkehrslärm zu verhindern. Das Obergeschoss darf zudem nicht an Spielhallen oder Wettbüros vermietet werden. Unklar ist bislang noch, ob der Discounter dort Wohnungen einrichten will, wie er es bereits in Berlin und Bayern getan hat. Konkretes, so Lidl-Sprecher Stepan Krückel, werde genannt, sowie die Baugenehmigung vorliege. Gut ein halbes Jahr nach Baubeginn könne dann eingekauft werden: „Die Errichtung unseres Gebäudes dauert zwischen 18 und 24 Wochen – je nach örtlichen Gegebenheiten.“ Rund 15 Arbeitsplätze entstünden in dem Markt. Die Verkaufsfläche liegt bei rund 1000 Quadratmetern. Es werden zirka 60 Kfz-Stellplätze angelegt.
Gegner des Projektes haben sich in der Initiative „Keine Zer-Lidl-ung“ des Käkenflurs vereint. „Durchwinken, Durchregieren, Durchmarschieren“, wettern Eckart Drews, Frank Trawny, Peter Vieth und DR. Uwe Heithorn auf ihrer Homepage „zerlidlung-käkenflur.de“. Ihr Ärger richtet sich dagegen, dass Politiker zugesagt hätten, vor Erteilen einer Baugenehmigung eine öffentliche Diskussion über die Lidl-Pläne zu veranstalten. Dies Versprechen sei gebrochen worden. Auch die neuen Baupläne des Discounters überzeugen sie nicht. Statt in der Bergmannstraße werde es nun Verkehrsprobleme auf der Langenhorner Chaussee geben, prophezeien die Anwohner unter anderem.
Die Langenhorner Grünen haben sich als bisher einzige Partei klar gegen die Ansiedlung von Lidl positioniert. Der Grund: Ein Discountmarkt in unmittelbarer Nähe des Marktplatzes Käkenhof könnte den dort bereits ansässigen Geschäften den Garaus machen – aus diesem Grund hatte das Bundesverwaltungsgericht in ähnlich gelagerten Fällen bereits mehrfach die Expansion der Discounter-Ketten in anderen Städten gestoppt. Einen „Zerfall des Käkenhofes“ befürchtet die Bezirksabgeordnete Carmen Wilckens. Der könne das gesamte Quartier abwerten: „Dabei wird doch das Quartier gefördert, um genau dies zu verhindern.“ (bcb)
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