Ein Engel für das neue Jahr

Anzeige
Beruflich verblüffte Wilhelm Wetzel (89) damit, dass er fast jedes von ihm mitgeschaffene Bauprojekt freihändig zeichnen konnte. Als Ruheständler haben es ihm Landschaften, Blumen und immer wieder Engel angetan.Foto: Krause

Wilhelm Wetzel und die himmlischen Boten

Von Franz-Josef Krause
Hummelsbüttel. Das Wort Engel kommt aus dem Lateinischen. ‚Angelus – Bote, Abgesandter‘, ist seine Bedeutung. Engel sind im Judentum, im Christentum und im Islam Wesen, die etwas Wichtiges zu sagen haben.
Ganz sicher sind sie keine nackten, pausbäckigen Kerlchen, die der Barock aus ihnen gemacht hat – sie spielen auch nicht im blauen Tupfen-Kleidchen Flöte oder Triangel. Dort, wo in den heiligen Schriften der monotheistischen Religionen von ihnen die Rede ist, sind sie beeindruckende Erscheinungen.
Einige Engel haben Namen. Michael zum Beispiel, der unserem ‚Michel‘ den Namen gab und dessen Sieg über die Mächte der Unterwelt über dem Haupteingang des Hamburger Wahrzeichens zu sehen ist. Auch viele Menschen, die nicht konfessionell gebunden sind, glauben fest daran, dass ihnen in bestimmten Situationen eine übernatürliche Kraft zur Seite steht.

Engel, die Boten Gottes...

Friedhelm Nolte, der frühere Pastor der Fuhlsbüttler St. Lukas Kirche, äußerte sich in einem Gespräch mit dem WochenBlatt so: „Ja, Engel sind Boten Gottes. Sie und ich, jeder ist hoffentlich einmal ein Engel für einen anderen Menschen. Engel haben keine Flügel oder Pausbacken oder sprechen geheimnisvolle Sprachen. Engel sind auch heute gegenwärtig!“

... haben es Wilhelm Wetzel angetan

Auch für den im 90zigsten Lebensjahr stehenden Hummelsbütteler Wilhelm Wetzel sind Engel keine Traumgespinste. Er und seine Frau Sieglinde haben ihr Wirken erfahren – sie durften einander und anderen in ihrem langen Leben Engel sein. Engel, Schutzengel zumal, haben für Wetzel eines gemeinsam. Sie kommen nicht daher gepoltert oder rauschen durch die Lüfte. Engel schweben. Und genau das zeichnet er.
Der aus einer Landgastwirtsfamilie mit Landwirtschaft stammende Oberschwabe Wilhelm Wetzel hat beruflich einen ganz handfesten Hintergrund. Nach Zimmermannslehre, Dienst als Flack Soldat, Bauingenieursstudium, Angestelltentätigkeit bis hin zum Leiter der Berliner Niederlassung einer der größten Baufirmen Deutschlands leitete er über zwei Jahrzehnte als Geschäftsführender Gesellschafter ein seit 1876 bestehendes Ingenieurbüro in Hamburg. Sein Unternehmen hat am Empfangsgebäude der Lufthansa Technik genauso mitgewirkt wie am Audimax, am Fernsehturm, der Verbreiterung der Norderelbbrücke, am Brahms-Quartier, der Kunstinsel und der Nachnutzung der Bethlehem-Kirche als Kindertagesstätte; um nur einige Projekte in Hamburg zu nennen. In ganz Deutschland war Wetzels Unternehmen tätig.

... er verewigt sie in Aquarell

Auch in Langenhorn hat Wetzel Spuren hinterlassen, denn als vor Jahrzehnten das P&R Parkhaus am U-Bahnhof Langenhorn Markt errichtet wurde, war er beteiligt. Schon beruflich konnte Wetzel sein Zeichentalent einsetzen, verblüffte durch gekonnte Freihandzeichnungen von Bauprojekten. Als er mit 72 Jahren seinen Platz in der Firma an seinen Sohn Markus übergab, bekam er Malutensilien geschenkt.
Schon als junger Mann hatte er gemalt – Werke aus dieser Zeit finden sich in seinem Haus in Hummelsbüttel, in dem die Familie seit 1960 wohnt. Aber nach so langer Zeit? Auch hier Profi, belegte er zunächst einen Aquarell-Malkurs. Dann machte er sich ans Werk. Zeichnungen für die Enkelkinder, die Familie, für Freunde. Blumen, Landschaften, Früchte. Und immer wieder Engel. Engel aller Religionen handeln im Auftrag, sind Boten und Erfüllungsgehilfen dessen, der sie gesandt hat.
Der von den Nazis am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordete Jesuit Alfred Delp schrieb „Lasst uns dem Leben trauen, weil wir es nicht allein zu leben haben, sondern Gott es mit uns lebt“ Gott, das glauben viele Menschen, schickt seine Engel. Schwebende, helle Gestalten, die unsichtbar das Leben der Menschen teilen. Sie sind der lichte Gegenentwurf des ‚Glücksbringers‘ Schornsteinfeger. Sie kommen nicht alle paar Jahre – sie sind jeden Tag da. Auch im Jahr 2013.
Anzeige
Anzeige
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.
Anzeige
Anzeige