Ein Leben für die Politik

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Ursula Preuhs (81) liest in ihrer Freizeit gerne, vor allem Gesetze.

Ursula Preuhs, die Vorsitzende des Seniorenbeirates Nord

Von Sylvana Lublow
Langenhorn. „Wir sind keine Kinder der vollen Regale“, sagt Ursula Preuhs. Sie spricht von den Kriegskindern, zu denen die 81-Jährige gehört. „1945 war ich 14 Jahre alt aber eigentlich schon viel älter als es 14-Jährige heute sind“, sagt sie. Damals begann Ursula Preuhs, die aus einem sozialdemokratischen Elternhaus stammt, sich für Politik zu interessieren. „Ich wusste, ich muss mich engagieren, damit 1933 nicht noch mal passiert.“
Die schweren Nachkriegsjahre, in denen auch ihre Familie oft hungern musste, hat sie zu dem Menschen gemacht, der sie heute ist: ein Energiebündel, das sich einmischt und nicht unterkriegen lässt. Sie nimmt die Dinge nicht als gegeben hin, wenn man sie auch ändern kann. „Als der Krieg vorbei und alles zerstört war, haben wir nicht genörgelt, sondern die Ärmel hochgekrempelt.“ Von Verbitterung ist bei
Ursula Preuhs nichts zu spüren. Im Gegenteil: „Ich glaube, ich kann aufgrund dieser Erlebnisse das Leben mehr
genießen.“
Ihre Ärmel krempelt sie heute noch hoch. Die scheinbar unerschöpfliche Energie steckt die kleine Frau mit dem gewitzten Blick derzeit in die Belange der Hamburger Senioren. Seit 1997 ist Ursula Preuhs erste Vorsitzende des Seniorenbeirats Bezirk Hamburg-Nord. Als Mitglied des „Aktivtreffs
Winterhude“ wurde sie zur Delegiertenversammlung geschickt und dort sofort zur Vorsitzenden gewählt. „Viele kannten mich schon, weil ich vorher in der Bürgerschaft war“, erklärt sie ihre Wahl. 20 Jahre lang hat sie als SPD-Mitglied Kommunalpolitik gemacht.
Vor fünf Jahren zog sie von Winterhude nach Langenhorn in den Bärenhof. „Weil hier eine Senioren-Wohnung frei wurde“, erklärt sie. Besonders froh ist die Rentnerin über die fußläufigen Einkaufsmöglichkeiten. „Ich fahre zwar noch Auto, aber zum Einkaufen gehe ich meistens mit meinem Hackenporsche.“
Neben den vielen Themen, die den Seniorenbeirat bewegen, versucht Ursula Preuhs schon seit längerem, generationsübergreifende Veranstaltungen zu organisieren. Dass junge und alte Menschen voneinander profitieren können – davon ist sie überzeugt. „Leider hapern diese Pläne oft an ganz simplen Dingen“, sagt sie. Zum Beispiel am Zeitpunkt.
„Alte Menschen verlassen das Haus nicht mehr gerne nach 18 Uhr und die jungen Berufstätigen haben meistens erst ab 18 Uhr Zeit.“ Preuhs liegen die Senioren sehr am Herzen und sie wünscht sich, dass die Bürger mehr Verständnis für die Älteren haben. „Ich weiß, dass die Alten gerne mehr mit jungen Menschen zusammen wären, aber das funktioniert alles noch nicht so richtig“, erklärt sie. Aber Ursula Preuhs wäre nicht sie selbst, wenn sie deshalb aufgeben würde: „Eines habe ich als Vorsitzende des Seniorenbeirats gelernt: Man muss Geduld haben und viele dicke Bretter durchbohren. Bei uns sind es manchmal schon Urwäldchen“, sagt sie und lacht.
Vieles hat der Seniorenbeirat mit seiner Arbeit jedoch schon erreicht, auch wenn Ursula Preuhs nicht gerne die Lorbeeren dafür ernten möchte. 20 barrierefreie Bahnhöfe in Hamburg – dafür hat der Beirat lange gekämpft, genauso wie für Einzelzimmer in Pflegeheimen. „Aber wenn etwas passiert, war es entweder der Senat, die Bürgerschaft oder die Wirtschaft“, erklärt sie. Bei solchen Sachen will es jeder gewesen sein. Eines stehe jedoch fest: „Wir legen den Finger in die Wunde und geben Anstöße, immer wieder.“

Sprachrohr für die Senioren

Die Schließung von Seniorentreffs, Barrierefreiheit und Altersarmut stehen unter anderem auf der Agenda des Seniorenbeirats. „Ich sehe mich vor allem als Sprachrohr für die Senioren, die nicht viel Geld haben.“ Viele Frauen sind im Alter arm, weil sie weniger Rente kassieren. „Aber meine Generation jammert nicht.
Diese Frauen haben gelernt, zu sparen und zu haushalten“, sagt die gelernte Krankenschwester.
Ursula Preuhs hat nie geheiratet, weil der Richtige einfach nicht dabei war.
Aber sie ist sich sicher: Auch wenn sie Ehefrau und Mutter gewesen wäre, hätte sie sich politisch engagiert. „Einmischen ist wichtig. Jeder sollte sich einmischen.“ Und damit hört Ursula Preuhs auch so bald nicht auf.
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