Eine Jugend im Hamburger Norden

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Der Autor Gunther Beth 1952 mit seiner Mutter im Sommerbad Langenhorn
 
Heike Sievers, der Schwarm des jungen Gunther, starb 2011

Wiederentdeckt: Schauspieler Gunther Beth über Mohrchen im Kiwi-Bad und das „Eis der ewigen Freundschaft“

Hamburg. Die Geschichte spielt in den Tagen, als Langenhorn erst 40 Jahre ein Teil der Stadt Hamburg war – in der Zeit der frühen fünfziger Jahre. Reisen war für die wenigsten Langenhorner in den Ferien möglich – die große Freiheit vor der eigenen Tür verkörperte das Sommerbad Langenhorn-Nord. Viele Nachkriegs-Langenhorner werden das so in Erinnerung haben. Gunther Beth hat es aufgeschrieben. Der 1945 in Lübeck geborene und in Ochsenzoll 1951 eingeschulte Autor und Schauspieler hat das aber nicht seinem Tagebuch anvertraut, sondern hat einen der schönsten Liebesromane seit „Romeo und Julia“ daraus gemacht. Er erzählt die Liebe zu Mohrchen, zum „Eis der ewigen Freundschaft“ und zu Heike, dem kessen Mädchen von der Langenhorner Chaussee 690.
„Sie trug ein kurzes kariertes Röckchen und dottergelbe Kniestrümpfe“ so schwärmt der Autor in seinem 1981 erstmalig erschienen Buch über seine schicksalsschwere Begegnung in der Klasse 1a der Volksschule an der Langenhorner Chaussee 515. Heike Sievers, das war nicht nur für den kleinen Gunther der Star unter den 35 Kindern seiner Klasse – sie war die Sonne, um die sein Denken die ersten Schuljahre kreiste. Und Mohrchen? Das war keineswegs das schnurrende Kätzchen der angebeteten Klassenkameradin, sondern gehörte in jenen Tagen zum Sommer in Langenhorn einfach mit dazu – wenn man sie sich denn leisten konnte. Denn damals war Leitungswasser oder kalter Muckefuck durchaus ein probater Durstlöscher, gern auch selbst eingekochter, verdünnter Obstsaft aus dem eigenen Garten. Aber Mohrchen mit Geschmack – das war sozusagen die Heike unter allen sommerlichen Getränken. Vertrieben wurde sie vom Bierverlag Bruhn an der Langenhorner Chaussee – dort wo später über Jahrzehnte Tapeten Hesse residierte.
Eine Rampe am Haus erinnert noch heute an die Getränkevergangenheit. Rudolf Mohr, der später das Unternehmen übernahm, kreierte aus seinem Namen ‚den‘ Begriff in Langenhorn für Brause – Mohrchen! Es gab sie in den Geschmacksrichtungen Zitrone, Orange, Waldmeister und Himbeere. Natürlich kräftig eingefärbt! Kaufen konnte man diesen Hochgenuss auch beim Kiosk des Sommerbades, Dort gab es natürlich diverse andere Köstlichkeiten wie Lakritzschnecken- oder Pfeifen, Brausebonbons, Nappas und Salinos. Nur das von Heike bevorzugte Himbeereis – das mit der ewigen Freundschaft – das konnte man für 5 Pfennig die Kugel im Bad nicht erwerben. Dafür hielt Heike bei gutem Wetter mit ihren Freundinnen dort Hof, immer beobachtet von Gunther, ihrem unermüdlichem Verehrer.
Seit der Zeit der ersten Liebe zweier junger Langenhorner, die mit dem Gewinn der Fußballweltmeisterschaft 1953 ausklang, hat sich Langenhorn verändert. Geblieben ist das Sommerbad – heute „Kiwi-Bad“ genannt. Noch immer trennt ein Holzsteg den Schwimmer- vom Nichtschwimmerbereich mit seinem Sandstrand.
In der Frühe, noch vor Badebeginn, kann man kleine Fischschwärme durchs leicht bräunliche Naturwasser flitzen sehen und alter Baumbestand spendet immer noch Schatten. Nur das Planschbecken ist Vergangenheit – so wie die Geschichte von Heike und Gunther.
Aber eine liebenswerte Erinnerung an das Langenhorn der jungen Bundesrepublik, das bietet das Buch immer noch – ach Heike! (fjk)

Gunther Beth: ‚Ach Heike‘ ist auch unter dem Titel ‚Das Eis der ewigen Freundschaft‘ erschienen. Das Buch ist im Internet antiquarisch verfügbar
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