Erfahrung weitergeben

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Der Langenhorner Dr. Cirus Djavid hat zum Thema Integration einiges zu sagen Foto: Krause

„Vom Integrierten zum Integrierer“: Buch von Cirus Djavid aus Langenhorn

Langenhorn Selten wird ein Wort so oft benutzt wie „Integration“, ohne dass eigentlich allen klar ist, was damit gemeint ist. Als Cirus Djavid 1956 erstmalig deutschen Boden betrat, hatte die noch junge Bundesrepublik kurz zuvor mit Italien das erste Anwerbeabkommen geschlossen. In der Bevölkerung gab es eine deutliche Mehrheit gegen den Zuzug von „Gastarbeitern“ – von Integration konnte damals noch keine Rede sein. Dass es gar Menschen geben könnte, die aus Persien, dem Land von Schah Mohammad Reza Pahlavi und seiner in den bunten Blättern noch beliebteren Ehefrau, Prinzessin Soraya, fliehen mussten, war undenkbar. Dennoch gab es sie – mittellose Akademiker, deren „Verbrechen“ es war, sich für Menschenrechte in einem Land einzusetzen, in dem der Wille des Schahs Gesetz war. Menschen wie der damals 24-jährige Grundschullehrer Cirus Djavid, der in Deutschland Schutz suchte. In Köln konnte er an der Sporthochschule studieren. Seinen Lebensunterhalt verdiente er mit dem nächtlichen Sortieren von Paketen bei der Post. „Das war ein Knochenjob“, erinnert sich der inzwischen 82-jährige Wissenschaftler. „Aber, anfangs waren meine Sprachkenntnisse noch bescheiden. Ich konnte aber Städtenamen gut auseinander halten.“ Später wurde er Stipendiat der Friedrich-Ebert-Stiftung. 1970 hatte sich die Lage in Persien soweit entspannt, dass Djavid, mit zwei Studienabschlüssen und Doktortitel versehen, beschloss, seine Erfahrungen für das Heimatland nutzbar zu machen. Mit Billigung der Regierung und Unterstützung der Universität Köln begann er das iranische Bildungswesen zu reformieren und errichtete dort die erste Sporthochschule und andere wissenschaftliche Zentren. Als nach langen Wirren der Schah am 16. Januar 1979 sein Land verließ, war auch für den westlich gebildeten Professor im Land bald kein Platz mehr. Er wurde verhaftet und konnte letztlich von Glück sagen, abermals nur das nackte Leben gerettet zu haben. Die Uni Hamburg und die Universität der Bundeswehr wurden zu seiner beruflichen Heimat. Sein Lehrstuhl für die „Soziologie der Länder der Dritten Welt“ wurde Vorbild für andere Universitäten. Neben seiner Lehrtätigkeiten realisierte der Vater von vier Kindern diverse Integrationsprojekte für die iranischen Migranten in Hamburg. So wurde er vom Integrierten zum Integrierer.
Seine Erfahrungen hat Djavid nun in einem Buch zusammengefasst. Als renommierter Wissenschaftler ist es sein Ziel, mit seinem Werk die Integration von Migranten in die deutsche Gesellschaft zu fördern. Der Autor schildert die vielfältigen Schwierigkeiten, denen sich Migranten ausgesetzt sehen und zeigt Wege zur deren Überwindung. Damit greift er in einer Zeit der verstärkten Zuwanderung ein brennendes gesellschaftliches Problem auf. „Integration ist nicht dann erreicht, wenn man die deutsche Sprache beherrscht und einen deutschen Pass in der Tasche hat. Integration ist keine Einbahnstraße, sondern ein andauernder Prozess, die jeweils andere Kultur zu verstehen, ohne dabei die eigene aufzugeben“, so Djavid. (fjk)

„Vom Integrierten zum Integrierer“, 180 Seiten, 16,90 Euro
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