Erstes Privat-Gymnasium für Langenhorn

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Alsterring-04: In diesem Bürohaus in Barmbek residiert das Alsterring-Gymnasium derzeit noch. Jetzt will es in die Langenhorner Süderschule umziehen. Foto: Biehl

Rettung für Süderschule in Sicht: Alsterring-Gymnasium will einziehen

Von Bert C. Biehl
Langenhorn. Ob es nun drei oder vier Fliegen sind, die da mit einer Klappe geschlagen werden könnten, das ist noch nicht ganz klar. Fest steht aber: Wenn die Lösung funktioniert, an der das Bezirksamt Nord gerade feilt, wären nicht nur die Raumprobleme eines privaten Gymnasiums und eines Sportvereins erledigt. Zugleich würde die derzeit verfallende historische Süderschule saniert, vor dem Abriss gerettet und ihrer ursprünglichen Bestimmung wieder zugeführt.

„Schüler aller Nationen
haben Zugang; wir wollen internationaler werden.“
Und der Schulstandort Langenhorn wäre um eine wahrhaft multikulturelle Institution reicher. Denn das Alsterring-Gymnasium wurde vor dreieinhalb Jahren von türkischen Migranten gegründet. Die Bezeichnung „türkisches Gymnasium“ hören die Verantwortlichen allerdings nicht gerne, wenngleich derzeit nur Kinder mit türkischen Wurzeln die private Einrichtung besuchen. Denn hier haben Schüler aller Nationen Zugang, und „wir wollen internationaler werden“, sagte Schulleiter Gerd May dem WochenBlatt. Und zum kommenden Schuljahr sehe es da schon ganz gut aus.
An seinem jetzigen Standort im Holsteinischen Kamp platze das Alsterring-Gymnasium aus allen Nähten, so May, der die Leitung seit dem 1. Februar innehat.
Das zweistöckige Bürogebäude dürfe wegen Bauamts-Auflagen nicht zur Gänze genutzt werden. War das Gymnasium im September 2008 mit 20 Schülern gestartet, lernen heute schon 76 Kinder in den Klassen 5 bis 8. Und die aktuelle, noch laufende Anmelderunde habe bisher schon 33 Interessenten gebracht, so May – die kommende Stufe 5 werde auf jeden Fall zweizügig.
Seit Ende 2011 sind die Alsterring-Geschäftsführer Talat Askin und Metin Aytekin bereits auf der Suche nach einem geeigneten, größeren Schulgebäude, hatten bereits mehrere Angebote geprüft. Genau in diese Zeit keimte in Langenhorn die Sorge auf, die alte Süderschule könne wegen ihres schlechten baulichen Zustandes in Kürze der Abrissbirne zum Opfer fallen – Langenhorn wäre wieder um ein markantes, historisches Gebäude ärmer.
Beim Dezember-Bürgerforum des Bezirksabgeordneten Gulfam Malik forderten Bürger massiv den Erhalt der Süderschule und regten an, den Abriss gegebenenfalls durch Einrichtung eines multikulturellen und generationenübergreifenden Kulturzentrums in dem im Kern 125 Jahre alten Gebäude zu verhindern (wir berichteten).
Der amtierende Bezirksamtsleiter Harald Rösler und seine Regionalbeauftrage Kerstin Schepanski klemmten sich unverzüglich hinter die Angelegenheit. Finanzbehörde und Sprinkenhof-AG als Eigentümer und Hausverwalter boten dem Alsterring-Gymnasium die Süderschule an. Das Objekt wurde besichtigt – Fazit: „Wir würden lieber heute als morgen umziehen“, so Schulleiter May.
Doch zuvor gibt es noch einige Probleme zu lösen. Das weitaus größte könnte sich sogar zum echten „Dealbreaker“ entwickeln. Denn die Sporthalle der Süderschule wurde vor Jahren quasi aus dem Gesamt-Areal ausgegliedert und an die Boule-Sparte des Hamburger Rugby-Clubs vermietet – deren Bleiberecht endet erst im Jahr 2025. Alsterring-Geschäftsführer Talat Askin: „Aber wir brauchen diese Halle unbedingt für den eigenen Sportunterricht. Sonst können wir nicht in die Süderschule umziehen.“ Harald Rösler sucht nun fieberhaft nach einer Halle, in der die Boule-Sportler unterkommen, wo sie von Oktober bis April täglich trainieren können. Doch der Verwaltungschef ist sicher, gemeinsam mit dem Sportamt in Kürze eine praktikable Lösung vorlegen zu können. Das nächste Problem ist ein finanzielles: Die Süderschule ist in einem erbärmlichen baulichen Zustand – vor allem „nach einem unfachmännisch reparierten Wasserschaden“, weiß Schulleiter May. Die Turnhalle ist quasi baufällig, nur große Investitionen seitens der Boule-Sportler hätten sie wieder einigermaßen benutzbar gemacht, legte deren Hallenwart Martin Koch dem WochenBlatt dar. Unter anderem habe der durchgerottete Schwingboden komplett entfernt werden müssen. Der müsste aber für eine schulsportliche Nutzung wieder rein. Wärmedämmung fehlt, die sanitären Anlagen sind hinüber, die Schallisolierung der in der Einflugschneise gelegenen Schule muss geprüft werden. Experten bezifferten jüngst die Sanierungskosten erst mal auf 2,5 Millionen Euro – doch wer kommt dafür auf? An dieser Stelle stocken die Verhandlungen zwischen Schule und Stadt momentan.Alsterring-Schulleiter Gerd May sieht die Sache pragmatisch. Die Sanierungskosten könnten ja preislich berücksichtigt werden, egal ob die Stadt vermieten, verpachten oder verkaufen wolle. „Notfalls greifen Lehrer und Schüler selbst zum Pinsel und streichen die Wände selbst“, so May, Hauptsache, die Verhandlungen könnten jetzt zügig und erfolgreich abgeschlossen werden. (bcb)

Für das schulgeldpflichtige Alsterring-Gymnasium gilt übrigens der an Hamburgs staatlichen Schulen übliche Lehrplan. Statt des Faches Religion werde Ethik unterrichtet, so der Schulleiter. Mehr Wissenswertes gibt es am Dienstag, 15. Mai, um 19 Uhr bei einem Info-Abend am derzeitigen Standort Holsteinischer Kamp 90 in Barmbek-Süd (U-Bahn Hamburger Straße). Telefon: 226 223 530, www.alsterring-gymnasium.de.
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1 Kommentar
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hamburg hamburger aus Barmbek | 18.04.2012 | 15:01  
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