Eschenweg: Erste Flüchtlinge kommen in Woche 11 - Erster Runder Tisch am 26. März

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Rund 350 Zuhörer waren zur Bürger-Information über die Flüchtlings-Unterkunft Eschenweg nach St. Marien gekommen. Foto: Biehl
 
Bezirksamtsleiter Harald Rösler sowie Mitarbeiter der Sozialbehörde (BASFI) und "Fördern und Wohnen", dem Träger der Unterkunft, erläuterten die Pläne für den Standort Eschenweg. Foto: Biehl
 
Sechs zweigeschossige Wohncontainer (rot) sowie Gebäude für Verwaltung und Gemeinschaftsräume werden errichtet. Foto: Biehl
Fuhlsbüttel Schon in der Kalenderwoche 11 sollen die ersten 100 der avisierten 304 Flüchtlinge in die Container am Eschenweg einziehen. Um sie zu unterstützen, gibt es am 26. März den ersten Runden Tisch. Das sind die wichtigsten Ergebnisse der Info-Veranstaltung am vergangenen Donnerstag, 26. Februar. Rund 350 Bürger waren in die Marienkirche gekommen, hatten fast drei Stunden lang kritische Fragen gestellt.

Nachbarn fühlten sich übergangen


Bereits seit Wochen hatte es um diesen Termin im Stadtteil einigen Unmut gegeben: Dass am Eschenweg Container für Flüchtlinge aufgestellt werden sollten, war nur häppchenweise durchgesickert, und viele Nachbarn fühlten sich übergangen, weil die Verwaltung sie nicht – wie in anderen Fällen üblich – zuvor informiert hatte.
Da war es nicht verwunderlich, dass der Gemeindesaal von St. Marien bereits eine Viertelstunde vor Veranstaltungsbeginn so voll war, dass niemand mehr Platz fand – und selbst Bezirksamtsleiter Harald Rösler nur noch von draußen durch die Scheibe sehen konnte.
Die pragmatische Lösung: Umzug in die Kirche, von deren gut 400 Sitzplätzen schließlich nur noch wenige frei blieben – sogar die Orgelempore war gut gefüllt.

"Kommunikationspanne"


Bezirksamtsleiter Harald Rösler bedauerte zunächst noch einmal die, wie er sagte, „Kommunikationspanne“ – was Gelächter unter vielen der Zuhörer auslöste. Deren Ärger könne er gut verstehen, so Rösler, allerdings: „Wir bauen im Moment so viele Flüchtlingsunterkünfte, dass die üblichen Kommunikationswege zwischen den Behörden nicht reibungslos funktionieren.“

Behörden-Ping-Pong


In der Tat musste vor allem Rösler als Auftaktredner die Prügel für etwas einstecken, was ursprünglich die Behörde für Arbeit, Soziales und Integration (BASFI) verbockt hatte. Sie war es nämlich gewesen, die erst auf drängende Anfrage der CDU-Bezirksfraktion Ende November lapidar und unverbindlich mitteilte, weder eine Info-Veranstaltung noch ein Runder Tisch seien bislang vorgesehen, man werde aber den Bezirk gerne bei deren Durchführung unterstützen – eine Art Behörden-Ping-Pong (das Wochenblatt berichtete mehrfach).

Die zu Beginn des Info-Abends durchaus angespannte Atmosphäre wurde zusehends sachlicher – wohl auch unter dem Eindruck des Zahlenwerks, das im weiteren Verlauf vorgetragenen wurde: Hinter jeder Ziffer verbirgt sich ein menschliches Schicksal.
Mitarbeiter von BASFI sowie „Fördern und Wohnen“, die die Unterkünfte betreiben, stellten die Rahmendaten vor.

Demnach hat es deutschlandweit im vergangenen Jahr 202.834 Asylanträge gegeben, eine Steigerung um fast 60 Prozent gegenüber 2013. Ein knappes Fünftel der Flüchtlinge stammte aus Syrien – die täglichen Nachrichten zeigen, warum.

Nach dem so genannten Königsteiner Schlüssel musste Hamburg im vergangenen Jahr 6.970 Flüchtlinge aufnehmen – eine Steigerung um 73 Prozent.

304 Flüchtlinge ziehen an den Eschenweg


Am Standort Eschenweg werden nun zunächst 304 Menschen untergebracht: 100 ab Woche 11, die restlichen ab April. Der Standort lässt eine Erweiterung um 48 Plätze zu. Das sei aber zurzeit nicht im Gespräch, so BASFI-Referentin Christiane Kreipe.

Errichtet werden zunächst sechs zweigeschossige Wohncontainer. Sie haben 24 bis 28 Zimmer und zentrale Küchen- und Sanitärbereiche. Jeweils eingeschossige Container entstehen als Verwaltungs- sowie als Gemeinschaftsblock.

Fördern und Wohnen stellt je 80 Bewohner einen Mitarbeiter für Unterkunfts- und Sozialmanagement, je 160 Bewohner einen Haustechniker. Die Laufzeit der Unterkunft Eschenweg plane die BASFI mit fünf Jahren, so Referentin Kreipe. Eine Annahme, die durchaus illusorisch sein könnte. Denn laut Bundesamt für Migration gab es im Januar diese Jahres bereits wieder 25.042 Asylanträge – 73 Prozent mehr als im Januar 2014.

Fragen und Sorgen der Nachbarn


In der anschließenden Fragerunde wurden unter anderem Sicherheitsbedenken geäußert. Dazu antwortete Polizeioberrat Gerald Schmiedeberg, als Leiter des Kommissariats 34 auch für Fuhlsbüttel zuständig. In seinem Bereich liegt auch der Jugendpark Langenhorn, heute Flüchtlings-Unterkunft: „Dort hat es bisher keinerlei Steigerung der Kriminalität gegeben.“

Zur Frage des Zuwachses an Schulpflichtigen beruhigte der zuständige Oberschulrat Bernd Thiemann, die Behörde werde die Klassen nicht vergrößern oder gar „mit Analphabeten auffüllen“. Dennoch: „Kinder der Jahrgänge 1 und 2 lernen am besten Deutsch, wenn sie mit Gleichaltrigen zusammen sind.“ Als Lösung nannte er mobile Klassenräume in Grundschulen.

Zuhörer beklagten zudem, dass für den Bau der Unterkunft den Kindern ein Sportplatz entrissen werde. Auf Wochenblatt-Nachfrage betonte dagegen der ebenfalls anwesende Fred Menkhoff, Vorstandsmitglied des SC Alstertal Lagenhorn, der Platz Eschenweg werde schon seit mindestens fünf Jahren nicht mehr bespielt: „Fußballspiele können hier nicht mehr stattfinden, schon weil es keine Umkleidemöglichkeiten gibt und die nahe Halle dafür nicht ausreicht.“

Rund 70 Fuhlsbüttler wollen am Runden Tisch teilnehmen


Im Verlauf der Versammlung zeigte sich, dass die Opponenten deutlich in der Unterzahl waren. Unter großem Beifall verkündete Harald Rösler die Einrichtung eines Runden Tisches. Erster Treff ist am Donnerstag, 26. März. Auf den kursierenden Listen trugen sich sogleich rund 70 Interessierte ein, die die Flüchtlinge aktiv unterstützen wollen.

Der CDU-Bürgerschaftsabgeordnete Richard Seelmaecker versprach auch im Namen seiner gleichfalls anwesenden Parlamentskollegen Dorothee Martin und Gulfam Malik (SPD), bei Fragen und Problemen stets ein offenes Ohr für die Nachbarschaft zu haben.

Abgeordnete wollen helfen


Die Bezirksabgeordnete Martina Lütjens (CDU) – die wie auch ihre Kollegen Martina Schenkewitz (SPD) und Thorsten Schmidt (Grüne) an der Versammlung teilgenommen hatte – lobte nach der fast dreistündigen Versammlung die im Ergebnis konstruktive Atmosphäre: „Ich bin stolz auf Fuhlsbüttel und werde natürlich zum Runden Tisch kommen. (Bert C. Biehl)
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