Freibad Ohlsdorf: Letzte Saison

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Bäderland-Geschäftsführer Dirk Schumaier gab einen Überblick über die Umgestaltung des Ohlsdorfer Bades, assistiert von Bezirksamtsleiter Harald Rösler (im Hintergrund. Foto: Biehl
Ohlsdorf. Für das Freibad in der Straße Am grünen Grunde läuft die endgültig letzte Saison, und der Antrag für den Neubau eines Hallenbades ist beim Bauamt des Bezirks Nord gestellt worden. Die bisherige Planung wurde allerdings noch einmal abgespeckt. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse aus einer Info-Veranstaltung am Dienstag, 7. Juli, im Ohlsdorfer Bad.

Veranstaltung eher unauffällig angekündigt

Betreiber Bäderland hatte die öffentliche Präsentation der zuvor über die Medien verbreiteten Architektenskizzen eher unauffällig angekündigt. Gleichwohl hatte sich der Termin auch unter den Gegnern der Baupläne herumgesprochen. Sie stellten einen großen Anteil der immerhin rund 50 Gäste. Zwar hatte Bäderland für Schnittchen, Getränke und Holzklappstühle gesorgt, doch in der schwülen Atmosphäre des Hallenbad-Foyers erhitzte sich das Gesprächsklima schnell. Auf dem Geräuschteppich des Badetrubels war die Verständlichkeit der Wortbeiträge wegen fehlender Mikrofone oft minimal. Während draußen vor der Tür zwei Wachmänner argwöhnisch die Flugblatt-Aktionen des Vereins "Rettet das Freibaden…." vor der Grundstücksgrenze der Badeanstalt beobachteten, ging es drinnen schon nach kurzer Zeit hart und in der Wortwahl teils schroff mehr als zwei Stunden lang zur Sache.

Kritik am Flächenverkauf

Dabei waren weniger die Neubaupläne für das Hallenbad umstritten. Gegner kritisieren, wie mehrfach berichtet, dass Bäderland rund 35 Prozent des Geländes an einen Wohnungsbauträger verkaufen will – nämlich das Gelände des jetzigen Freibades. Damit soll ein Teil der Kosten für das neue Hallenbad erwirtschaftet werden, laut Bezirksamtsleiter Harald Rösler und Bäderland-Geschäftsführer Dirk Schumaier die Voraussetzung dafür, dass der Senat überhaupt Geld für den Neubau zur Verfügung stellt.

Abgespeckt und teurer

Teilnehmer kritisierten unter anderem, dass die geschätzten Baukosten gestiegen sind, das Objekt allerdings weiter abgespeckt wurde. War 2013 noch die Rede von rund 17 Millionen Euro, sind es jetzt schon 22 - zuzüglich drei Millionen Euro Sicherheitsreserve. Dafür gibt es dann aber weder das einst geplante beheizbare Außenbecken mit Sprungturm noch das später ins Spiel gebrachte „Cabrio-Hallendach“ fürs Open-Air-Schwimmen.
Dabei wird wohl auch eine Rolle spielen, dass der auf Bäderlands Architektenskizzen fehlende, geplante Wohnblock das Schwimmbad deutlich überragen dürfte. Der Lärm, der potenziell von einem Freibad ausginge, könnte sich für das Grundstück erlösmindernd auswirken – wer wohnt schon gern in Hörweite eines sommerlichen Dauer-Tumultes?

"Bekenntnis zur Zukunft"

Thomas Domres, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bezirksversammlung Nord, begrüßte in einer Presseerklärung die aktuelle Entwicklung als „Bekenntnis zur Zukunft des Familienbades“. Die durchgehende und zu öffnende Fensterfront zur Südseite des Bades werde trotz geschlossenen Daches ein Freibadgefühl vermitteln, sodass „das Hallenbad selbst als Lärmschutz fungiert und Konflikte mit den neuen Mieterinnen und Mietern vermieden werden.“

Kritik der Opposition

Während CDU und FDP vor allem die Evokation des Bebauungsplans durch den Senat kritisieren, erinnerte Rachid Messaoudi (Linksfraktion) an den Bürgerentscheid, mit dem 2009 bereits einmal ein Verkauf des Geländes verhindert worden war: „Die Allgemeinheit um ein Freibad zu berauben, damit zu 70 Prozent Eigentumswohnungen gebaut werden können, gibt Anlass daran zu zweifeln, dass Verwaltung und die Mehrheitskoalition tatsächlich im Sinne der Bevölkerung handeln.“ Die Stadt brauche mehr günstigen Wohnraum anstelle von Luxus-Apartments. Offenbar fehle dem Senat jede soziale Verantwortung.
Der Verein „Rettet das Freibaden“ sprach angesichts der Baupläne und der Art, sie politisch durchzusetzen, von einem Skandal. Seine Online-Petition haben mittlerweile mehr als 5.600 Bürger unterschrieben.
> www.openpetition.de (Stichwort: Ohlsdorf)
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1 Kommentar
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Michael Kahnt aus Barmbek | 03.08.2015 | 12:02  
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